Chinch 33: „Ich limitiere mich bewusst und das mag ich.“

Dürfen wir vorstellen – Björn Hansen, alias Chinch 33, ein Turntablist und Produzent aus Hamburg, der unter anderem schon an der Seite von internationalen Künstlern wie Masta Ace, Cappadonna von Wu Tang Clan, oder Roc Marciano gearbeitet hat. Er hat am am 22. August seine EP „Nebula“ veröffentlicht. Dazu haben wir Chinch direkt ein paar Fragen gestellt und außerdem mit ihm über Sample-FlipS, die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Producer Tranzformer und seine Zukunftspläne gesprochen.

Name: Chinch 33
Alter: 39
Wohnort: St. Pauli, Hamburg
Scratcht/ Produziert seit: 1996/ 2000
Favorite Hip-Hop-Songs: Dr. Doom„No Chorus“, Westside Gunn„Summerslam 88“, Pharcyde„Passing Me By“, Apollo Brown & Planet Asia„The Aura“, Group Home„Sacrifice“
Favorite Hip-Hop-Producers: J Dilla, Madlib, El-P, Illien Roswell, Premo, Pete Rock, Alchemist, Black Milk
Favorite Non-Hip-Hop Productions: Childish Gambino „Redbone“, Thundercat„Lava Lamp“, David Bowie„Lazarus“, King Krule„Out Getting Ribs“, The Saxophones„If You’re On The Water“
Aktuelle Produktionen: „Nebula“, „Yuma“, „Echoes“

 

Chinch, wie und wann bist du eigentlich zum Produzieren gekommen?
Ich hab sehr früh mit dem Scratchen angefangen & bin darüber zum Turntablism gekommen, was das produzieren mit einschließt. Allerdings sehe ich mich immer zuallererst als Turntablist, der ab und zu Ausflüge unternimmt.

Nebula ist eine Sample Flip-EP. Was ist Sample Flip? Warum ist es fast eine ausgestorbene Kunstform?
Genau, Sample Flip ist ein bisschen purer als das klassische Integrieren von Samples in Beats. Es braucht keine knallenden Drums, man arbeitet unter Einbezug weniger Gimmicks eigentlich nur mit dem originalem Sample. Der Hip-Hop Spirit entsteht dann spätestens durch die veränderte Rhythmik. Für mich ist das momentan am spannendsten. Man diggt und arbeitet erst dann damit, wenn es einem wenige Passagen wirklich erlauben, ein ganz neues Arrangement hochzuziehen, was auf Songlänge funktioniert. Man limitiert sich quasi bewusst und das mag ich.

Warum Sampleflip ausgestorben ist, musst du Melting Pot fragen. Die haben das so formuliert. Der Hype liegt tatsächlich ’ne Weile zurück. Anfang der 2000er. Aber ich finde, grade jetzt verändert sich Hip-Hop wieder sehr & irgendwie werden Instrumentals ohne zusätzlich eingespielte Drums zu einem festen Subgenre im Hip-Hop. Auch wenn es häufig nur Loops sind. Aber es gibt schon ganz schön viele Rapper, die drauf abfahren, wenn die Lyrics mehr in den Vordergrund treten, weil die Instrumentalisierung wesentlich aufgeräumter klingt. Ich find es deswegen spannend, weil dann die ungewöhnlichsten Kreuzungen von Musik-Genres entstehen. Action Bronson, Westside Gunn, Planet Asia und co. klingen grad so grenzenlos im Sound. Da wird im türkischen Pop der 70er gesampled, im Psychedelic Rock, wo auch immer. Ziemlich großartig, dass sich diese Musikrichtung in alle Richtungen öffnen kann und trotzdem sie selbst bleibt, wenn jemand sein Handwerk versteht.

Wieso hast du die EP„Nebula“ genannt?
Weil ich – wie so oft auf Titelsuche – nebulös im dunkeln getappt bin.

Was hat sich in zwei Jahren seit deinem Debütalbum „Yuma“ bei dir verändert?
Der Wunsch wieder freier an Musik heranzugehen als im Akkord Scratch-Hooks für mich oder andere zu machen. Und, obwohl ich oft auf Vinyl Releases gefeatured wurde, ist das erste eigene Album auf Vinyl natürlich etwas besonderes.

Chinch, auf der EP „Burt Reynolds“ arbeitest du mit dem kalifornischen Producer Tranzformer zusammen. Wie ist es dazu gekommen?Tranzformer und ich hatten schon vor langer Zeit mal an Stücken geschraubt. Uns dann aber lange aus den Augen verloren, bevor wir letztes Jahr gemeinsame Sache gemacht haben. Er hat die Produktion gemacht, ich die Refrains gescratcht, die Arrangements der Stücke gemacht und mich dann um die etwas globalere Komposition der Platte gekümmert. Das war eine gute Arbeitsteilung. Tranzformer ist auch ein großer Dilla Fan und arbeitet auch viel mit Leuten aus Dillas früherem Camp. Deswegen kann ich auch gut auf seine Produktionen.

Mit welchen Produzenten, oder Mcees würdest du gerne mal zusammenarbeiten? Warum?
Hm.. Meyhem Lauren, Gonjasufi, yU, Action Bronson, Joey Badass, A.G., Westside Gunn, Suff Daddy, Brenk Sinatra, Die Achse.. Das fände ich inspirationstechnisch am spannendsten.

Mit welchem Producer und welchem Mcee hast du bisher am liebsten zusammengearbeitet? Warum?
Ich hab bisher am Liebsten mit Produzenten wie SciFi Stu, Dave Sparkz oder Mok Vurban zusammengearbeitet. Das waren nicht ohne Grund eine Menge Projekte, die sich soundtechnisch für mich in Kombination mit meinem Duktus sehr organisch angefühlt haben. Rapper, mit denen ich die Zusammenarbeit auch immer sehr geschätzt habe, sind z.B. SmooVth, Marvelous Mag oder Shabaam Sahdeeq aus New York. Da hab ich das Gefühl ist meine Art Scratch-Refrains zu machen am besten herausgekommen. Aber es ist natürlich auch immer ’ne feine Sache, wenn man auf Tracks mit Leuten wie Edo.G, Kool G Rap oder Wu Tang Rappern landet oder Masta Ace auf deine Hook schreibt!

Welches Equipment benutzt du am liebsten zum Produzieren?
Vestax Turnis, Rane Mixer, Serato & Cubase mit ’ner MPD

Irgendwelche Zukunftspläne?
Of course, immer.. „2033“ steht als nächstes an, das wird etwas anders als bisheriges von mir. Ist aber noch nicht ganz spruchreif. Wer dem folgen möchte, folgt mir gerne online!

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