Chefket über seine Smartphone-Nutzung, Digitalisierung und Werteverlust

Im Rahmen des Launch-Events des Google Pixel 3 haben wir uns mit Chefket getroffen, um über seine Smartphone-Nutzung zu reden. Im Fokus stand neben dem eigenen Verhältnis zum digitalen Fenster zur Welt, der Einfluss der fortschreitenden Digitalisierung auf das Verhältnis der Menschen zu ihrer Umwelt.

Dass Chefket nicht das geiche Hochglanz-Instagramprofil, wie manch anderer Rapper hat, ist für jeden ersichtlich. Er selbst beschreibt sich als keinen Heavy User. Das Handy sei schließlich ein Werkzeug, also werde es auch benutzt wie eines.

„Ich poste und fotografiere viel und habe auch Spaß an der Bearbeitung und dem ganzen Kleinkram, aber ich bin jetzt nich so, dass ich da voll hinterher und immer auf dem neusten Stand bin.“

Aus Konsumentensicht sieht er sich selbst sehr bewusst in der privilegierten Position, Smartphones geschenkt zu bekommen. Dass so ein Handy ein Massenprodukt ist, ist in unserem Gespräch kein Gedanke, der in den Hintergrund gerät. Der Konsumgedanke dahinter, der teilweise damit verbunden wird, ist nicht so überzeugend für ihn. Der Hype hinter Handys oder irgendwelchen Schuhen, für die Leute vor dem Laden zelten, hat ihn nicht erwischt. Auch wenn der Wahlberliner auf seinem Track „Identitäter“ von einer Zeit ohne Internet und iPhones rappt, ist das Smartphone nichts, was plötzlich sein Leben auf links gedreht hat, als es erschienen ist. Es wurde einfach benutzt. Ein genauer Zeitpunkt für den Umstieg kommt Chefket nicht in den Sinn. Was ihm dagegen sehr wohl in den Kopf schießt, sind die Schattenseiten und die Vorzüge, die die Technik bietet. Besonders wichtig sind für ihn die Achtsamkeit und der bewusste Umgang damit.

Es kann einen bremsen, wenn du nur am Handy hängst und prokrastinierst, aber da kann man selber drauf achten, indem man sagt:“ Ich geh jetzt raus, etwas essen und nehme mein Handy nicht mit oder ich treff‘ mich jetzt mit Freunden und wir nehmen alle unsere Handys nicht mit. Ich glaube man sollte Inhalte teilen, die wirklich eine Bedeutung haben. Moralisch-Ethische Werte kann man leider nicht fotografieren und auf Instagram posten.“

Auf dem ersten Blick scheint es ganz schön praktisch zu sein, wenn man ein Nachtmensch ist. Man hat seine Ruhe vor dem ganzen Trubel in in den sozialen Medien. Doch für Chefket ist es keine Option einfach plump zu sagen, dass nachts automatisch alles besser sei. Denn auch da scrolle man durch seinen Feed und sähe Sachen, die der Algorithmus für wichtig halte. Am bedenklichsten sind für ihn die Oberflächlichkeit und der Schein dahinter.

„Ich finde das führt dazu, dass sich Leute, die sich das nicht leisten können, nur noch kleiner fühlen, wenn sie das sehen.“

Dass die sozialen Medien oft nur ein Leben zeigen, das eine nicht zu erstrebende Illusion ist, bestreitet niemand.. Trotzdem ist es für das Unterbewusstsein der Leute schwierig,  das alles immer richtig einzuordnen. Was in Chefkets Augen noch als charakteristisches Merkmal dazukommt, ist das „nach unten Treten“. Für ihn sei es die beste Option, Motivation aus den Posts anderer zu ziehen. Ist das aber überhaupt erstrebenswert? Macht das einen glücklich, sich das zu holen, was man bei anderen sieht? Es geht für Chefket nicht um materialistische Dinge. Viel mehr gehe es um Sinnvolles, das geteilt und verinnerlicht werden sollten, um für wirkliches Glück zu sorgen. 

„Das ist alles glaube ich nicht gesund für die gesamte Gesellschaft.“

Chefket kommt zum Schluss, dass die Leute die Boulevardzeitung durch ihr Handy ersetzt haben. Auf Instagram schauen die Leute sich den ganzen Tag das Leben von anderen an. Dabei könne man auch Dingen folgen, die wirklich interessant und inhaltsreich seien. Der größte Vorteil, den man aus dem Smartphone schöpfen sollte, sei die Vereinfachung der Abläufe. Denn das, was jetzt geht, war früher auch irgendwie möglich. Chefket hört Musik, nicht erst seitdem es den Touchscreen in der Hosentasche gibt, auch unterwegs. Das geht alles schon viel länger. Besonders nützlich ist für ihn die Möglichkeit, sich prompt mit seinem Produzenten auszutauschen. Sich außerdem mit Gruppen zu solidarisieren und gemeinsam für wichtige Ideale einzustehen, ist für ihn eine prägende Sache für den politischen Diskurs, die oft noch viel zu kurz kommt.

Ich glaube, man könnte es noch viel besser nutzen […] es kommt zu einer digitalen Vereinsamung.“

Wenn es konkret um Beispiele für eine Smartphonenutzung geht, die einem das Leben vereinfacht, nennt Chefket Instagram. Die Möglichkeit darüber andere Künstler kennenzulernen, ermöglicht einem die Möglichkeit, einen direkten Einblick in das Schaffen von anderen Künstlern zu erhalten und mit ihnen in Kontakt zu treten. Privat bleibe es ihm dennoch wichtig, die Verbindungen zu anderen Menschen zu wahren. Auf die Frage, wie nützlich Apps zum socializen sind, scheint Chefkets Meinung klar. Oft geht das Zwischenmenschliche in den alltäglichsten Situationen verloren. Für Chefket sind gerade diese alltäglichen Situationen, wie nach einem Weg zu fragen oder das Ansprechen von Frauen, Dinge, die verloren gehen, wenn man sich auf das „alleine machen“ nach Anleitungen im Internet verkopft. Dabei lernt man niemanden kennen und sammelt keine eigenen Lebenserfahrungen. Exemplarisch erzählt er eine kleine Anekdote aus seinem Leben.

„Letztes war ich in so einem Studio. Da war ein Balkon und unten waren Leute. Die haben eine Straße gesucht und wir haben ihnen beschrieben, wo sie hinlaufen müssen und uns danach noch unterhalten. Das war voll witzig, wir haben dann noch voll die bescheuerten Jokes gemacht – einfach ein cooler Moment für fünf Minuten mit Menschen, die man nicht kennt. Und das geht halt verloren.“

Wenn es um seine Lieblings-Apps geht, muss Chefket einen Moment nachdenken. Für ihn sind besonders Apps für die mentale Fitness spannend. Denn anstatt zu prokrastinieren und durch irgendwelche Feeds zu scrollen, könne man auch einfach ein wenig „Gehirnjogging“ machen. Exemplarisch dafür seien Apps, wie Duoling, mit der er sein Französisch aufgebessert habe. Wenn es um Fotobearbeitung geht, spielt der Spaß die Hauptrolle. Dabei ist Facetune die App seiner Wahl um sich ab und zu einen Scherz mit seinen  Freunden zu erlauben.

„Ich mache nie Filter drauf oder so. Das ist nicht so meins. Mit Facetune mache ich Grimassen mit Freunden, wenn wir unterwegs sind und schick das meinen Freunden und finde das witzig.“

 

Chefket in den sozialen Medien:

Instagram
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Twitter

Das Beitragsbild ist von ©Roman Goebel

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