Chakuza & Bizzy Montana: “Das Album wird eine Hass-Lawine auslösen”

Foto: Alexander Münch

Fast elf Jahre ist es inzwischen her, dass Chakuza und Bizzy Montana sich zusammentaten und mit “Blackout” eine Art Battlerap-Klassiker schufen.
Nach Release trennten sich die Wege der Künstler und es wurden jeweils diverse Soloprojekte in Angriff genommen. Nun aber haben sie es wieder getan: In wenigen Tagen erscheint mit “Blackout 2” der Nachfolger aus der Feder von Chak und Bizzy.
Das haben wir natürlich zum Anlass genommen, um die beiden im Berliner Wolfpack Entertainment Office zum Interview zu treffen und über die (Nicht)-Nachfolge, Promo-Beef-Vorwürfe und musikalische Stilwechsel zu sprechen.

Euer Kollabo-Album „Blackout“ ist gut zehn Jahre alt, nun geht mit „Blackout 2“ der Nachfolger an den Start. Wer von euch kam auf die erste Idee, dass man dort anknüpfen könnte?

Bizzy Montana: Die erste Idee kam von Chakuza. Er rief mich an und gleichzeitig hatte ich persönlich gerade eine wirklich schwierige Zeit. Bei mir wurden zwei Meniskus-Risse festgestellt. So tragisch ist das nicht, aber ich war eben abgefuckt, hatte Schmerzen und konnte nichts machen. Aus dem nichts ruft mich dann Chakuza an und die erste Frage kommt wie aus dem nichts und lautet: „Ey, hast du eigentlich Bock auf Blackout?“ So ist die Geschichte dann ins Rollen gekommen.

Chakuza: Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Lust mehr auf meine eigene Musik und wollte wieder rappen und durchdrehen und das kann ich mit Bizzy am besten.

Und auf das Angebot bist du dann ohne nachzudenken eingegangen, Bizzy?

Bizzy Montana: In der Vergangenheit haben wir uns hier und dort mal auf Festivals und sowas gesehen. Aber jedes Mal, wenn wir uns getroffen haben, haben wir das ein wenig angetestet und festgehalten: Wenn wir wieder zusammen Musik machen, dann „Blackout 2“. Ich hatte sogar Minus-Bedenkzeit: Ich habe die Frage schon mit ja beantwortet, bevor er sie ausgesprochen hat (beide lachen).

Chakuza: Eigentlich wussten wir ja auch, dass „Blackout 2“ irgendwann kommt, wir sprechen immerhin schon seit Jahren darüber.

Wenn ihr schon so lang darüber gesprochen habt, wieso hat das Projekt dann erst jetzt konkret Form angenommen?

Chakuza: Das ist tatsächlich aus einer Laune heraus entstanden. Ich wollte rappen und hatte so viel asoziale Scheiße im Kopf.

Bizzy Montana: Davor hatten wir uns auch wirklich auseinandergelebt. Damals bin ich wieder aus Berlin weggezogen aufgrund des Familienlebens, bei Chakuza ging die Label-Situation auseinander und er hat auch ein ganz anderes Leben begonnen. Danach haben wir beide Soloprojekte gemacht.

Mit „Blackout“ habt ihr 2006 eine Art Klassiker geschaffen. Wie viel Druck legt ihr euch damit selbst auf, an diesen Klassiker anknüpfen zu wollen?

Chakuza: Wir geben einen Fick drauf. Außerdem:

„Blackout“ und „Blackout 2“ haben nichts miteinander zu tun.

Wir werden Kontroverse schaffen und das Album wird eine kleine Hass-Lawine auslösen, aber Leute, die auf harten Rap stehen, werden es feiern.

Bizzy Montana: In erster Linie steht „Blackout“ für Chakuza und mich. Dann gibt es aber natürlich Hardcore-Fans, die jetzt auf 2000er-Style-Franzosen-Beats und auf einen Chak und einen Bizzy warten, die darüber rappen, wie schlecht ihr Leben ist. Das machen wir überhaupt nicht. Es ist Battlerap auf höchstem Niveau, aber eben keine Fortsetzung in dem Sinne.

Chakuza: Es wird auch hier sicherlich noch Nachfolger geben. Jedes Album, das wir zusammen machen, wird wahrscheinlich „Blackout“ heißen, aber einen entsprechenden Untertitel haben.

War euch 2006 denn schon bewusst, dass es Nachfolger geben würde? Hört man nämlich das Outro von „Blackout“ an, kündigt DJ Stickle ganz großspurig weitere Projekte an.

Bizzy Montana: Klar, wir haben immer gewusst, dass es passieren wird. Mit der Zeit hat sich der Plan dann allerdings verflüchtigt und wir haben uns jeweils zunächst unseren Soloprojekten gewidmet.

Chakuza, mit „Blackout 2“ vollziehst du einen konsequenten Stilwechsel, betrachtet man deine letzten Soloprojekte. In den Kommentaren wird dir vorgeworfen, die Richtung aus kommerziellen Gründen gewechselt zu haben. Wie entgegnet man solchen Vorwürfen?

Chakuza: Mit einem Mittelfinger. Ich mache absolut nichts aus verkaufstechnischen Gründen, sonst hätte ich meine letzten Projekte doch auch nicht auf diese Weise gemacht, wie ich sie eben gemacht habe. Mit anderer Musik hätte ich vermutlich doch viel mehr verkauft. Ich habe das getan, weil ich es tun wollte und bin nicht hier, um irgendjemandem eine Dienstleistung anzubieten. Weißt du, was mir richtig hart auf den Sack geht? Dass jeder Vollidiot, der ein bisschen Musik hört, denkt, er hätte voll Ahnung vom Business.

Nur weil Leute in irgendeinem Forum chatten, denken sie plötzlich, sie sind selbst Labelmanager.

Bizzy Montana: Machst du jahrelang dieselbe Musik, beschweren sich Leute, dass du immer dieselbe Musik machst. Änderst du deinen Stil und sprichst neue Leute an, wird dir vorgeworfen, dass du deinen Stil nur aufgrund der Kohle geändert hast. Das ist kompletter Bullshit. Du bist Künstler und hast entweder Leute, die das, was du tust, feiern oder eben nicht.

In Kommentaren zu den bisher veröffentlichten Videoauskopplungen wurde euch Beef für Promo vorgeworfen – damit sind vermutlich die Sticheleien mit Bass Sultan Hengzt gemeint. Ich habe mir eure Twitter-Konversation noch einmal angeschaut, die im Oktober 2016 begonnen hat. Anfangs hast du recht friedlich reagiert, Chakuza – wieso bist du dann plötzlich doch drauf angesprungen?

Chakuza: Letztes Jahr habe ich Bass Sultan Hengzt noch auf einem Festival getroffen, da war er noch nett und alles war friedlich. Dann fängt er irgendwann an, im Internet rumzusticheln. Der Kragen ist mir aber erst geplatzt, als er hinterfotzige Moves gebracht hat, aber so ist er halt. Er macht nichts offensiv. Ich hingegen bin ein Mann und sage ihm, dass er sich mit mir einfach nicht anlegt, egal, mit wem er chillt oder was er macht. Ich habe beide Wangen und auch noch meinen Hinterkopf hingehalten, aber irgendwann reicht es.

Wann habt ihr die Entscheidung getroffen, doch mit einem Disstrack zu kontern?

Chakuza: Das war ja kein Disstrack. Hätten wir einen Disstrack gemacht, hätten wir ihn in der Mitte zerrissen. Er kam irgendwann mit diesem Nazi-Bullshit, da bin ich eh empfindlich und hatte natürlich gar keinen Bock drauf. Egal, was er jetzt tut, ich werde ihm nie wieder antworten. Dieses Niveau ist einfach nicht meins.

Dann lass uns lieber wieder über die Platte sprechen: „Blackout“ wurde damals innerhalb von zwei Wochen produziert.

Bizzy Montana: Geschrieben und aufgenommen wurde es in zwei Wochen, natürlich haben wir noch nachproduziert. Das hatte aber einfach Zeitgründe, jetzt haben wir auch nicht viel länger gebraucht.

Chakuza: Für diese Platte haben wir fünf Sessions à vier Tage gehabt, also knapp drei Wochen insgesamt.

Wie lange arbeitest du vergleichsweise an einem Soloprojekt, Chakuza?

Chakuza: Ja, das dauert natürlich viel länger, an einem Soloprojekt arbeite ich in etwa ein Jahr. Das Schreiben ging bei mir aber schon immer schnell. Zu zweit geht die Arbeit aber auch schneller, weil du dich gegenseitig anstachelst.

Apropos Anstacheln: Ihr habt bereits im Vorfeld verlauten lassen, wie asozial dieses Album wird. Gibt es da einen internen Wettkampf um die größere Asozialität bei euch?

Bizzy Montana: Nein, weil ich den sowieso immer verlieren würde (beide lachen). Chakuza ist asozial, das könnte so im Duden stehen.

Chakuza: Es gab ein paar Lines, von denen Bizzy meinte, er könne das Album nicht mit mir rausbringen, wenn ich die drin lasse (schmunzelt). So sind dann ein paar Dinger rausgeflogen, die vielleicht wirklich einfach zu krass waren.

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