Nefew: „Carte Blanche“ bedeutet das machen zu dürfen, was man will.

nefew zwischen den zeilen

NEFEW(New Education From Every Word) ist ein Hip-Hop Duo bestehend aus Polemikk (Rapper, Produzent) und PA-Double (DJ, Produzent). Die beiden kommen aus der Schweiz, aber ihre Musik klingt, als wäre sie frisch aus den Vereinigten Staaten. Mit smoothen Instrumentals und der perfekten Mischung aus Gesang und Rap stellt sich NEFEW vor. Seit ihrem letztem Release der EP „Slides“, die 2016 erschien, ist NEFEW bei dem namenhaften Hip-Hop Label Empire unter Vertrag. „Carte Blanche“ jetzt das neuste Projekt. Zu deutsch die „weiße Karte“ von jemandem zu bekommen, also einen Blankoscheck, bedeutet, die vollständige Freiheit für etwas zu bekommen. NEFEW sieht „Carte Blanche“ als Metapher dafür, tun zu können, was man möchte. Die „Carte Blanche“ EP von NEFEW könnt ihr hier streamen. 

1.) Albumtitel
– Wie kam der Titel zustande, welche Bedeutung hat er?
 
„Carte Blanche“ bedeutet auf Englisch das machen zu dürfen, was man will. Genau so war die Herangehensweise für das neue Projekt. Ich habe zum ersten Mal keine Ansprüche an mich selbst gestellt und bin einfach meinen kreativen Impulsen gefolgt. Zudem habe ich keinen einzigen Text geschrieben. Alles entstand direkt vor Ort im Studio. Oftmals hat man als Rapper das Bedürfnis auf jedem Beat lyrisch zu glänzen. Aber das war in diesem Fall nicht das Ziel. Vielmehr wollte ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen und schauen, was passiert.

„Carte Blanche“ bedeutet auf Englisch das machen zu dürfen, was man will.

2.) Roter Faden
– Was ist die Grundaussage der Platte, welchen roten Faden verfolgt das Album?
 
Ich denke es geht in den Songs primär darum, seine Komfortzone zu verlassen und mal Dinge im Leben anders anzugehen. Ich denke ich habe als Künstler einige Grenzen meiner eigenen Komfortzone auf dieser Platte überschritten und dabei eine neue Ebene meiner eigenen Kreativität erreicht. Es muss nicht immer alles nach Plan laufen. Manchmal tut ein wenig Chaos gut.

3.) Thematik
– Welche Themen werden auf dem Album behandelt, wovon erzählst du konkret?
 
Neben den Rap-Typischen Themen wie « hey ich bin der krasseste » verarbeite ich viele Situationen aus dem Alltag. Das geht von beziehungsbezogenen Themen bis hin zur Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. Für mich ist es schwierig die genauen Themen der Songs aufzulisten, da wie schon erwähnt alles spontan entstanden ist. Es ging mir viel mehr darum ein « Gefühl » zu vermitteln, welches den Leuten Zugang zu den Songs verschafft.

4.) Cover
– Wer zeigt sich das für das Cover verantwortlich? Wie ist die Idee dazu entstanden? Welche Bedeutung hat es?
 
Unser Regisseur Chris war im Dezember des letzten Jahres in Kaliforniern und hat dort das Bild auf dem Cover geschossen. Ich denke es beschreibt sehr gut mein gegenwärtiges Lebensgefühl. Das Bild bedeutet für mich „ auf dem richtigen Weg zu sein“. Ich weiss zwar nicht wohin der Weg mich führen wird aber die Zuversicht dominiert. Und wäre fährt schon nicht gerne der kalifornischen Küste entlang.   

5.) Produzenten
– Wer war für die Produktion des Albums verantwortlich? Wer hat welche Rolle gespielt? Wieso hast du dich genau für diesen/ diese Produzenten entschieden?

Wie bei allen unseren Projekten haben wir auch bei diesem alles selbst Produziert. Wir haben eine sehr genaue Vorstellung der musikalischen Grundrichtung und es war uns auch immer wichtig, dass musikalisch gesehen die Songs zusammenpassen und einen roten Faden bilden. Das soll jetzt nicht heissen, dass wir in naher Zukunft nicht auch mit anderen Produzenten arbeiten werden.   

6.) Produktionsort
– Wo/ in welchem Studio ist das Album entstanden und wieso? Gibt es einen besonderen Grund für den Ort?
 
Da die Beats zu 90% auf dem Laptop entstehen waren wir nicht an einem festen Ort gebunden. Ich war im Frühling einige Tage in Paris und habe dort an den Beats rumgebastelt. Ich mag diese Freiheit beim Produzieren. Das Studio kann in vielen Fällen den kreativen Fluss blockieren, vor allem wenn draussen schönes Wetter ist. Deshalb versuche mich beim Beats machen nicht zu fest auf einen Ort zu beschränken. Bei den Aufnahmen sieht es dann etwas anders aus. Diese haben wir im AudioBase Studio in Wettingen (Schweiz) gemacht.

7.) Featuregäste
– Wieso hast du dich für genau diese Features jeweils entschieden? Wie ist das Feature zustande gekommen?
 
Features müssen jeweils Sinn machen und für dieses Projekt hätte ein oder mehrere Features einfach nicht gepasst, da sich die Inhalte halt mehr um mein eigenes leben Drehen und persönlich sind.

8. ) Inspiration
– Wer/ Was hat dich für dieses Album in welcher Weise inspiriert, was Sound und Inhalt betrifft?
 
Wir haben versucht während der Entstehungsphase des Projektes möglichst wenig andere Musik zu hören. Natürlich war dies schwer, weil wir täglich mit neuer Musik konfrontiert werden. Aber es tat trotzdem gut auf eigene Ideen und Vorstellungen zurückgreifen zu können. Inhaltlich gesehen stammte die Inspiration aus dem eigenen Leben und aus dem gegenwärtig vorherrschenden Gemütszustand.
 
9.) Produktionsprozess
– Wie viel Zeit hat die Produktion in Anspruch genommen? Inwiefern wirkt sich die Arbeitsweise auf den Produktionsprozess aus?
 
Das ganze Projekt entstand in etwa zwei Monaten. Wir haben etwa während 7 Wochen Beats produziert und ich hab dann diejenigen ausgewählt, bei denen ich eine klare „Stimmung“ empfunden habe. Danach haben wir während etwa 10 Tagen die EP aufgenommen. Die Arbeitsweise hat natürlich einen sehr grossen Einfluss auf die Musik. Es war mir sehr wichtig, den kreativen Prozess nicht zu krass zu strukturieren. Wie gesagt habe ich keinen einzigen Text geschrieben, jeder Song entstand direkt am Mikro. Man fängt mit einigen Worten an und baut langsam den ganzen Song auf. Der ganze Prozess war daruch sehr unkompliziert und natürlich.

10.) Feedback
– Wessen Meinung ist dir während eines Albumprozesses wichtig und wieso?
 
In erster Linie muss die Musik uns selbst gefallen und wir müssen zu hundert Prozent hinter dem Produkt stehen können. Wir stehen aber ständig im Austausch mit unserem Team, dem Management und allen beteiligten und holen regelmässig Feedback von allen ein. Wichtig ist lediglich, dass alle die gleiche Vision haben, vor allem aus musikalischer Perspektive. Welche Songs dann im Endeffekt auf einem Projekt landen oder nicht wird vom ganzen Team beschlossen.

11.) Label
– Auf welchem Label wird die Platte releast und wieso?
 
Wir arbeiten seit April 2016 mit dem kalifornischen Label „EMPIRE“. Es war uns immer wichtig unabhängig zu bleiben und mit EMPIRE im Rücken haben wir als Künstler Zugang zu den Kanälen der Plattenfirma. Für den Moment können wir uns keine bessere Konstellation vorstellen.

12.) Schwierigkeiten
– Gab es Schwierigkeiten im Produktionsprozess und wenn ja, welche? Welche Ursachen lagen diesen zugrunde?
 
Ich kann mich ehrlich gesagt in diesem Fall an keine Schwierigkeiten erinnern. Der gesamte Produktionsprozess lief natürlich ab. Ich glaube die meisten Schwierigkeiten treten jeweils in der Postproduktion auf, wenn es darum geht die Songs zu mixen. Irgendwann kommt man an den Punkt wo man sagen muss ”ok, dass lassen wir jetzt so”. Wir sind beide Perfektionisten wenn es um den Klang der Musik geht, da kommt es schon mal vor, dass man zwei Tage an einem Song arbeitet. Und irgendwann verliert man diese objektive Einschätzung der Musik. Das kann soweit gehen, dass man einzelne Kicks oder Snares ersetzt und dadurch den Song kaputtmacht.  

13.) Arbeitsintensität
– Existiert ein Song, der besonders viel Arbeit gebraucht hat und wenn ja, wieso konkret?
 
Ja, der Song „Savages“. Von diesem Song gibt es 5 Versionen mit komplett anderen Texten. Mann kann ein Stück nicht forcieren. Wenn die Idee fehlt, dann sollte man einfach warten bis die Inspiration kommt. Bei diesem Song dauerte es ein wenig. Es gibt immer diesen einen Song, der nicht so richtig will. Das gehört alles zum Prozess.

14.) Randanekdote
– Gibt es eine spannende/ witzige Anekdote, die du rund um den Produktionsprozess zum besten geben kannst?

Ich neige of dazu, Beats nicht zu speichern. Ich gehöre definitiv nicht zu den Leuten die regelmässig ”Command + s” auf der Mac-Tastatur drücken. Dies hat bei diesem Projekt dazu geführt, dass ich zwei Beats komplett neu machen musste. Was soll man sagen, you live and you learn. Oder vielleicht aucht nicht…

15.) Lieblingssong
– Welcher ist dein persönlicher Lieblingssong auf der Platte und was macht ihn zu diesem?

Ich hab zwei Lieblingssongs. ”I Don’t Know” & ”Right By You”. Was mir an beiden Songs besonders gut gefällt, sind die Variationen und die Melodien im Gesang. Zudem fühlen sich die Songs einfach gut an.

 

16.) Top-Line
– Welche ist die beste Line auf der Platte? 

„Don’t want to get accustomed to having nothing so I get it customed“

17.) Besonderheit
– Wie unterscheidet sich das Album von seinem Vorgänger?
 
Ich denke man spürt die Leichtigkeit, mit der wir die Songs produziert haben deutlich heraus. Die ganze EP klingt sehr ungezwungen und verspielt.

18.) Auswirkung
– Welche Ideen hat dir diese Platte für zukünftige Releases geliefert? Welche Wünsche hast du jetzt für anstehende Releases?
 
Durch dieses Release habe ich einen neuen Weg gefunden, meine Gedanken und Gefühle einfacher zu verarbeiten. Ich denke ich werde auch in Zukunft vermehrt auf Stift und Papier verzichten. Es gibt schon Situationen, in denen es besser ist, wenn man einen Text schreibt. Insbesondere wenn es darum geht einen komplexen Text mit vielen Silben und Reimen zu verfassen. Aber das soll ja nicht immer das Ziel sein. Schliesslich geht es um die Musik.

19.) Charts
– Welche Relevanz haben die Charts für dich? Welche Erwartungen hast du an die Chartplatzierung dieser Platte?
 
Hättest du mich vor einem Jahr gefragt, wären für mich Chartplatzierungen wichtig gewesen. Heute geht es mir primär um die Musik und die Kunst. Ich denke heute sind Charts nicht mehr so wichtig wie sie einmal waren. Und bedenke, dass wir uns auf einem internationalen Markt bewegen. Eine Chartplatzierung in den USA ist nicht wirklich einfach und in Europa ist Englisch-Rap nach wie vor ein Nischenprodukt. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir eines Tages die Charts in den USA knacken werden.   

20.) Kaufanreiz
– Warum sollten Fans genau diese EP unbedingt kaufen? Womit kann die Platte überzeugen?
 
Die EP ist meiner Meinung nach der Perfekte Soundtrack für die Sommermonate. Zudem sind die Songs ehrlich und für alle zugänglich. Es werden echte Geschichten erzählt, mit denen man sich identifizieren kann, egal woher man kommt. Und natürlich klingen die Produktionen super fett und fühlen sich einfach gut! Es ist definitiv Autofahrt-Mucke mit offenen Fenstern.

21.) Überraschung
– Was wird den Hörer an der Platte überraschen? Womit rechnet man zunächst nicht?
 
Ich denke die Hörer werden insbesondere vom Facettenreichtum der Songs überrascht sein. Wir haben sehr viel Wert auf Details und Variationen gelegt und man muss die Songs schon einige Male hören um alles fassen zu können. Vor allem was die Texte betrifft.

22.) Zukunft
– Wie geht es nach Release für dich weiter? Welche Projekte sind geplant?
 
Wir sind bereits wider im Studio und arbeiten an unserem nächsten Album, welches 2018 erscheinen soll. Fans können sich auf was grossartiges freuen. Wir haben einiges vor in den nächsten Monaten und haben bereits jetzt schon mit der Planung begonnen. Wir wollen international ein Zeichen setzten und unsere Karriere auf ein neues Level bringen.

23.) Tour
– Wirst du mit dem Album auf Tour gehen? Ab wann? Mit wem? Was wird einen
auf Tour erwarten?
 
Die nächsten Shows beschränken sich vorerst auf die Schweiz. Das soll sich aber in naher Zukunft noch ändern. Zum jetzigen Zeitpunkt darf ich leider noch nichts konkretes sagen aber wir arbeiten an internationalen Shows. Ähnlich wie unsere Musik erzählen auch unsere Shows Geschichten. Von Introspektivität bis hin zu energiereichen Höhepunkte ist alles vorhanden.  Für uns war stets wichtig unsere Shows wie eine Achterbahnfahrt zu gestalten.  

24.) Tracklist konkret: kurzer Satz zu jedem Track

1. I Don’t Know: Du siehst echt gut aus auf Instagram aber was kannst du sonst noch?
2. Closure: Man entdeckt keine neuen Welten, ohne den Mut zu haben, alle Küsten aus den Augen zu verlieren
3. All I Need: Ich bin schon wer ich sein will, jetzt geht es darum dies auszuleben.
4. On It: Ich hab soeben meinen Uni-Abschluss mit Bestnote gemacht und such mir jetzt den bestbezahlten Job aller Zeiten.
5. Right By You: All you need is love…
6. Savages: Wenn Jazz auf Trap trifft dann entstehen Songs wie ”Savages”.

 

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