Capital: „Ich bin der Putin des Deutschrap“

Interview von Thorsten Gutmann

Capital aus Berlin provoziert mit Azzlack-Straßenlyrik und einem Faible für Wladimir Putin. Am 6. Februar erscheint sein Debüt-Album „Kuku Bra“. In einem Neuköllner Shisha-Café spreche ich mit dem Künstler über Rap am Mittwoch, seine ukrainischen Wurzeln und über einen Video-Dreh, der die Hauptstadtpolizei in Aufruhr versetzte.

Grüß dich, Capital! Die meisten deiner Fans kennen dich als Champion bei Rap am Mittwoch. Wie hat dir die Show gefallen?

Capital: Geile Show. Rap am Mittwoch hat mich viel weiter gebracht. Dadurch habe ich Aufmerksamkeit bei den Leuten bekommen. Da sind einige stabile Jungs. Aber ich habe das getroffen, was die Leute hören wollten. Und dann hat es geklappt.

Was denkst du über die Rap-Szene in Berlin?

Capital: Gute Jungs. Wenn alle mehr zusammenhalten würden, dann würde es auch mehr klatschen. Dann würden Rapper aus anderen Städten nicht so viele Eierspielchen machen. Aber die Rapper in Berlin sind aufeinander neidisch. Deshalb ist es leider nicht so.

Wieso hast du Wladimir Putin einen Track gewidmet?

Capital: Erstens macht Wladimir Putin neugierig. Zweitens verkörpert Putin dieses „Ich lass mir nichts sagen“. Der Track ist mein Zeichen an die Deutschrap-Szene, dass ich mir von niemandem etwas sagen lasse. Ich bin der Putin des Deutschrap.

Ist es nicht paradox, als Ukrainer ausgerechnet Putin als Symbol zu verwenden?

Capital: Ich bin aus Dnipropetrowsk in der Ostukraine. Wir reden dort viel auf Russisch und sehen die Sache ein bisschen anders.


Viele Rapper mit Migrationshintergrund spielen mit Einflüssen aus der arabischen und türkischen Sprache. Wie sieht es mit russisch aus?

Capital: Ich bin eher Multi-Kulti. Ich bin unterwegs mit Arabern, Albanern, Türken und Kurden. Wir reden miteinander. Wenn mir Wörter gefallen, dann schreibe ich sie auf und verwende sie in meinen Texten. Manchmal schiebe ich auch russische Wörter ein. Aber einen ganzen Track auf Russisch zu machen, das wäre nichts für mich.

Wieso eigentlich nicht?

Capital: Ich sage dir ehrlich, das ist schwer. Meine russischen, ukrainischen und tschetschenischen Jungs reden ab und zu russisch, aber meistens auf Deutsch. Auf Russisch: Ich spreche gut russisch. Wenn ich will, auch ohne Akzent. Aber man vergisst viele Wörter. Deshalb ist es schwer, einen ganzen Text zu schreiben. Vielleicht probiere ich es mal.

Wie war das damals mit dem Polizei-Einsatz bei eurem Video-Dreh?

Capital: Ein Nachbar hat die Szene beobachtet und die Polizei gerufen. Wir haben eine Überfall-Szene in einem Vodafone-Laden gedreht. Wir mussten die Szene sieben Mal drehen, weil es nie richtig geklappt hat. Wir wollten halt, dass es echt aussieht. Und genau dann, als es geklappt hat, kam auf einmal Polizei von jeder Seite. Alle mussten auf den Boden. Und die halten meinen Jungs die Knarre an den Kopf. Die Polizei hat den ganzen Laden und das Gebiet umstellt.

Hast Du – abgesehen von diesem kuriosen Fall – viele negative Erfahrungen mit der Polizei gemacht?

Capital: Bei mir ist genug Polizei zu Hause gewesen. Einmal haben die mich sogar vor meiner Mutter geschlagen. Leute fragen mich, wieso ich so viel Hass in meiner Musik habe. Weil ich so bin, denke ich mir dann. Sowas bleibt für immer im Kopf. Das geht nicht einfach weg.

Wie viel Ironie steckt in deinen Texten?

Capital: Hör mal, ich bin nicht der Über-Ghetto-Gangster aus Hellersdorf. Ich bin so, wie ich bin. Manche Sachen sind lustig, manche nicht. Wenn da jemand abgestochen wird wegen ein bisschen Gras, sowas passiert. Wenn ich sage: „Ich renne in die Bank rein. Gib‘ mir meinen Anteil!“, dann meine ich das eher lustig.

Was bedeutet denn „Kuku Bra“?

Capital: „Kuku Bra“ heißt sowas wie „Pass auf, Bruder“. Oder auch „Scheiße!“ als Ausruf. Es hat mehrere Bedeutungen. Kommt darauf an, wie du es aussprichst. „Kuku“ kommt aus dem Albanischen. Und „Bra“ kommt vom russischen „Brat“, dem Bruder.

Wirst du auch außerhalb von Berlin für Bookings angefragt?

Capital: Ich kenne mich nicht gut aus mit Bookings. Ich trete gerne auf, wenn es dazu kommt. Ich kriege viele Mails. Komm‘ in die Schweiz, komm‘ nach Stuttgart, komm‘ nach Heilbronn. Aber es muss halt irgendjemand buchen.

Würdest du bestätigen, dass deine Musik von der Ästhetik her teilweise an Haftbefehl erinnert?

Capital: Hör mal, vergleichst Du mich gerade mit Haftbefehl?

Ähm..

Der Kellner stellt eine Kanne Chai mit Zitrone auf den Tisch.

Capital: Der Tee hier schmeckt baba. Ich trinke den immer.
Nee, warte. Haftbefehl ist krass. Das ist keine Beleidigung für mich. Ich weiß nicht. Ich bin aus Hohenschönhausen. Das ist nicht Offenbach. Ich war dort schon mit Brats und Azzlacks unterwegs. Ist zwar eine krasse Gegend dort, aber ich habe mich an meine gewöhnt. Das kann man nicht vergleichen.

Wie soll es musikalisch für dich weitergehen?

Capital: Alles kaputtmachen. Alles kaputt, digga. Alles was geht, probiere ich.

Also noch mehr Output?

Capital: Auf jeden Fall, Bruder. Ich mache das mit Herz. Mir macht es Spaß, verstehst du? Dir macht es Spaß, Interviews zu führen und Leute kennenzulernen. Mir macht es Spaß, ins Studio zu gehen und zu rasieren. Bei jedem Lied tanze und bewege ich mich. Frag‘ mal meinen Produzenten. Wenn ich im Studio bin, zerreiße ich das Mikrophon. Ich rappe, als ob ein Mensch vor mir steht, den ich anschreie.

Wer hat das Album-Cover gemacht?

Capital: Das war Rob Vegas. Der hat das so gemacht, wie ich mir das vorgestellt habe. Kuku Bra! Da sitzt Putin, der auf den roten Knopf drückt. Das Cover sagt aus: „Nur ein Knopf, und ihr seid gefickt.“

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

4 Comments

  1. Okay

    16. August 2019 at 9:22

    Braten

  2. Woffka

    26. Januar 2019 at 10:25

    oo mann… noch so einer der das Leben in Russland nicht richtig kennt und die russische Medien-Gehirnwäsche nicht überlebt hat

  3. Serhii

    24. Dezember 2018 at 23:24

    Wenn Sie für Putin sind, sind Sie kein Ukrainer.

  4. Anna

    7. September 2016 at 18:35

    Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen. Vielen dank für die Informationen.

    Gruß Anna

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