California Love (aus der BACKSPIN MAG #111)

Schon über vier Jahre ist es her, seit ich meine letzte “California Love”-Kolumne für die BACKSPIN geschrieben habe. Es ist schön zu sehen, dass die Liebe zur Musik zeitlos ist und unsere Wege sich nun wieder gekreuzt haben – von mir wird es jetzt öfters wieder eine Dosis West Coast geben, mittlerweile direkt aus San Francisco, wo ich seit knapp zwei Jahren lebe.

Seit über zehn Jahren bin ich aktiv in der Musikszene, und ich kann mit Freude sagen, dass der Westen, soweit ich mich erinnere, nie so aktiv und motiviert war wie momentan. Klar, 2005 kam The Game und circa zeitgleich hatte die Bay Area das Hyphy Movement, aber auf nationaler bzw. internationaler Ebene waren Game und E-40 eigentlich die Einzigen, die davon profitierten.

Interessanterweise ist der Mann, der nun die Küste auf seine Schultern gestemmt hat, einer, den ich damals 2007 schon in meinen BACKSPIN-Kolumnen auf dem Radar hatte – Kendrick Lamar, damals noch bekannt als K.Dot, Jay Rocks kleiner Homie. Damals lernte ich ihn bei einem Interview mit Jay Rock in L.A. kennen, und der damals 17-jährige Kendrick wusste schon, sein erstes richtiges Album wird „good kid, m.A.A.d. city“ heißen. Der Grundriss für seinen späteren Erfolg war schon gelegt, Jay Rock und die TDE Crew meinten damals zu mir: „Get this kid on camera, this footage might be worth something one day“. Heute gibt es das Interview von mir und dem jungen K.Dot auf YouTube zu sehen.

Damals hatte er schon einen Deal bei Def Jam – die werden sich wohl reichlich ärgern, damals nicht erkannt zu haben, was für einen Rohdiamanten sie da hatten. Aber alles kommt wie es kommen muss und Kendrick hat sich seinen Erfolg wahrhaftig verdient; nach zig Mixtapes und zwei Alben, die auf iTunes jeweils auf #1 standen, hatte er mit seinem Aftermath/Interscope Deal endlich die richtige Plattform, um der Welt sein Meisterwerk zu präsentieren. „good kid, m.A.A.d. city“ brachte endlich wieder frischen Wind in Hip-Hop. Und es ist nicht ohne Grund, dass eine Legende wie Nas z.B. Kendrick als Inspiration für sein eigenes Album nennt.

Doch dieses Mal ist es nicht nur eine Person, die vom Erfolg profitiert. Neben Kendrick ist der Rest der Black Hippy Crew ebenfalls sehr gefragt – ScHoolboy Q, Ab-Soul und Jay Rock. Q bringt es auf seiner Single „There He Go“ auf den Punkt: „Ya’ll actin’ like that TDE don’t run L.A./The Coast ain’t been this hard since ‚Pac, Death Row and Dr. Dre“. Jeder von ihnen bringt seinen eigenen Swag mit und irgendwie schafft es Kendrick, alle Styles in einen zu kombinieren und so ein komplettes Paket zu erschaffen. Top Dawg Entertainment könnte für die kommenden Jahre sehr wegweisend für Hip-Hop in Los Angeles bleiben.

Doch TDE sind nicht die einzigen, die im letzten Jahr ein höheres Plateau erreichten. Die jüngere Generation entdeckte Odd Future für sich und Tyler, The Creator und der Rest der OFWGKTA– Clique haben ausverkaufte internationale Touren hinter sich – obwohl ich persönlich zum Beispiel nicht viel mit der Musik anfangen kann. Ich bin auch nicht die Zielgruppe, es begeistert die Kids, und das zählt mehr als die Bestätigung von irgendwelchen Critics.

Andere wie Crooked I oder E-40 sind zwar keine Newcomer, aber nichtsdestotrotz schafften sie, es relevant zu bleiben. Crooked als ein Viertel des Slaughterhouse-Ensembles und E-40 weiterhin als Leader der Bay Area, der es schafft, sich immer wieder neu zu erfinden und mindestens einmal im Jahr die Dancefloors mit einem Hit zu übernehmen. Dieses Jahr war es sein Hit „Function“, für den er gleich drei Newcomer engagierte: die Compton Rapper YG und Problem, sowie einen der gehypten Bay-Area-Youngster: IamSu.

Weitere Erfolge für die West Coast im vergangen Jahr waren Tyga, Kid Ink, Dom Kennedy, Hopsin, Dizzy Wright und die Liste geht weiter. Es ist eine neue Generation von Rappern am Start in Kalifornien, und die werden auch nicht so schnell wieder abhauen. Nächstes Mal gibt es mehr Details – bis dahin, West Up!

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