Ein Tag mit Caleborate und Blackwave in den Red Bull Studios

Es ist ein sonniger Mittwoch-Mittag in Berlin und ich bin auf dem Weg in die Red Bull Studios. Caleborate war das erste Mal in Europa unterwegs und hat Shows in Paris, London und Berlin gespielt. Jetzt ist der Rapper aus Sacramento noch ein paar Tage in der Stadt um ein paar Songs aufzunehmen und eine weitere Show zu spielen.

Als ich im Studio ankomme, ist er allerdings noch nicht da. Wie ich später erfahre, waren sie am vorherigen Abend auf einer Berliner Fashion Week Party, wo ihr DJ aufgelegt hat und die in einer Studiosession mit 070 Shake endete, welche das Stand-Out Feature auf den letzten Kanye Projekten war. Als sein Manager Nic und Caleb Parker, so sein bürgerlicher Name, ankamen, haben die Jungs der belgischen Gruppe Blackwave, Willem und Jay, schon die ersten Beats gebastelt und Verses geschrieben. Wie die beiden sich kennengelernt habe, erkläre ich später.

Früher hatten Eltern viele Kinder – Heute haben Kinder viele Eltern

Also erst mal von vorne. Viele werden Caleborate wahrscheinlich noch gar nicht kennen. Mir selber ist er auch erst im Januar diesen Jahres mit seinem Video „4 Willem“ aufgefallen. In diesem rappt sich der jetzt 25-Jährige seinen Frust von der Seele über den Struggle seines Lebens und erinnert in seinen ehrlichen Lyriks sehr an einen jungen J. Cole. Aufgewachsen ist der Kalifornier im Süden Sacramentos zusammen mit seinem Bruder, der heute auch Musiker ist, und seinem Vater. Caleb ging auf die Sheldon High, wo er im Basketball-Team war, im Theater mitspielte und anfing seine ersten Verse zu schreiben.

Wie die Zwischenüberschrift schon andeutet trifft das, was heutzutage bei vielen Kindern der Fall ist, auch auf ihn zu. Seine Eltern haben sich früh getrennt, wodurch er an vielen verschiedenen Orten mit verschiedenen Familienangehörigen aufgewachsen ist. In seinem gesamten Leben erlebte er drei Trennungen seiner Eltern und Stiefeltern. Die erste mit fünf Jahren, als sich seine Eltern trennten, die zweite mit 17, als sein Vater seine Stiefmutter verließ und die dritte ebenfalls mit 17, als sich seine Mutter und sein Stiefvater trennten.

Diese Ereignisse beeinflussen ihn nicht nur in der Hinsicht das er ständig woanders wohnte, sondern auch was das Verständnis von Liebe und Vertrauen angeht. Es ist ihm wichtig die Fehler seiner Eltern nicht zu wiederholen und, ähnlich wie bei Drake („It’s breakin‘ my spirit – Single father, I hate when I hear it“), kein alleinerziehender Vater zu werden. Seinen Eltern konnte er aber mit der Zeit vergeben und versucht etwas Positives aus den Fehlern zu ziehen. Sie seien ja auch nur Menschen und hatten gute Intentionen, wie er mir erzählt.

I know I got a couple problems on my father I could blame
But I’m not gon‘ play that game
Caleborate auf dem Song „Caught up“

„Best spam artist I’ve listened to“

Nachdem sein Vater nach der letzten Trennung nach Atlanta ging, fing Caleb an das Rappen ernster zu nehmen. Während sein Vater auf die kriminelle Bahn abrutschte, ging er 2011 auf die Academy of Art University, wo er die Studios nutzen konnte um sein erstes Album aufzunehmen. Auf YouTube veröffentlichte er seine ersten Songs und da das Geld für Marketing knapp war, machte er das was man auch heute noch unter vielen YouTube Clips sieht. Er kommentierte bekannte Musikvideos und bat die Leute seine Musik auszuchecken.

Und das funktionierte sogar relativ gut, denn plötzlich bekam er regelmäßig neue Abonnenten hinzu. Heute findet man häufig noch unter seinen Videos User, die schreiben das er der erste gute Spam-Kommentar war auf den sie geklickt haben. Auf diesen Fakt ist er immer noch Stolz, wie er mir erzählt während er seinen Vers schreibt auf den gerade laufenden Beat von Willem. Dieser sah ebenfalls, als er 15 Jahre alt war, unter einem Video von Childsh Gambino einen Kommentar von Caleb und schrieb ihm eine Privatnachricht auf YouTube.

Willem fing gerade an Beats zu machen und schickte ihm gleich welche zu. Caleborate feierte die Beats von Willem, was sein erstes Lob für seine Arbeit war und diesen in seinen jungen Jahren Mut gab an sich und seine Fähigkeiten zu glauben, wie er mir erzählt. Heute ist Willem 20 Jahre alt und ist Produzent und Sänger der belgischen Gruppe Blackwave mit dem Rapper Jay.

Über die Jahre haben Caleb und Willem immer wieder übers Internet zusammengearbeitet und haben sich jetzt hier in Berlin das erste Mal persönlich getroffen. Der Song „4 Willem“ den ich als erstes von Caleb gehört habe, heißt übrigens so, weil er den Produzenten mehr in den Vordergrund stellen wollte.

Auf Seite 2 erfahrt Ihr, wie es im Studio weiterging (inkl. Videoaufnahmen), welchen deutschen Rapper Caleborate feiert und was er J. Cole sagen würde.

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