Business as usual: Wie der Hip-Hop sich heute neu erfindet. Aber eines bleibt beständig: Die Baseballcap.

HIPSTER, GHETTO, SNAPBACK oder TRUCKER – des Hip-Hops neue Kleider?

ECKO_1429_final_crop„Du willst hip sein? Tätowier dir doch ein Dreieck, du Spast.“ Karate Andi weiß wovon er spricht: Keine andere Musikrichtung wird heutzutage von der Modewelt mehr gentrifiziert als es der Hip-Hop ist. Die 90 Jahre Ästhetik ist allgegenwärtig. Ob bei Forever21 oder in der Hipster-Kreativszene, die sich Hip-Hop Elemente ironisch aneignet: Große goldene Creolen, bauchfreie Shirts, Flanellhemden, Snapback Caps, Chicago Bulls Cap, Fake-Nägel – fertig ist das 90er-Hip-Hop-Outfit, frisch aus der Bronx. Aber wie viel Hip-Hop steckt in dieser Schale? Denn in Metropolen wie Berlin wird Hip-Hop als Trend gefeiert. Man stilisiert sich als „Ghetto“, Haftbefehl dient als Popkultur-Referenz und generell ist Hip-Hop irgendwie „cool“. Wie immer geht es um Authentizität, denn Mode und Hip-Hop – das ist eine Symbiose, die seit über 40 Jahren die urbane Landschaft prägt. Die Straße ist der Dreh-und Angelpunkt des Geschehens: Hier entstehen die Texte und hier werden sie zitiert. Es geht um Gesellschaftskritik, der Ausdruck einer Generation, um den Frust, um Geschichten, die das Leben auf der Straße schreibt. Klar, dass sich das Bild des Hip-Hoppers in dieser Zeit gewandelt hat, denn time they are a-changing – wie es Bob Dylan bereits auf den Punkt gebracht hat. Schließlich ist Hip-Hop mehr als nur eine Musikrichtung. Es wird ein gewisses Lebensgefühl transportiert.

In Zeiten der Globalisierung scheint es, dass Subkulturen mit der Mainstreammode verschwimmen. Der Punk dient hier als bestes Beispiel für den Ausverkauf. Subversiv wurde gegen den Kapitalismus gekämpft, Dekaden später titeln Modemagazine wie Vogue oder Glamour diesen Stil als „Punk-Chic“. Wie steht es also um die Hip-Hop-Szene? Ein ähnliches Schicksal? Aktuelles Beispiel für diesen Auswuchs der Hipster-Kultur, die sich auf Hip-Hop Wurzeln besinnt, ist Obey Clothing. Das Modelabel des amerikanischen Künstlers Shepard Fairey, ein moderner Streetart- Guerilla-Künstler-Marketer aus der Skater-Szene verkörpert das heutige Lebensgefühl urbaner Trendsetter. Er liefert das Straßen Image für die wohl behüteten Mittelstands-Kids.

Basecap, Sneakers – die Basics des Hip-Hops

Man möchte meinen, dass früher alles besser war. Die Spielregeln waren klar ersichtlich. Wer sich mit der Hip-Hop Szene identifiziert, erkennt man am Kleidungsstil. Schließlich ist der Dress-Code vermittelt ein Erkennungszeichen und Zugehörigkeitsgefühl – wie es in jeder Subkultur der Fall ist. Ob es die Baggy-Jeans ist, das zwei Nummern zu große Shirt, die fette Goldkette, Jordans oder die obligatorische Basecap – der Prototyp eines Hip-Hoppers war in der freien Wildbahn klar erkennbar. Doch seit einigen Jahren gesellt sich ein neuer Typ abseits des Bling-Bling und Ghetto Images hinzu. Es ist der Dandy unter den Hip-Hoppern. Der flamboyante André 3000 von Outcast machte es vor. Als Mode-Ikone prägte er eine andere Facette des Hip-Hoppers: Die des intellektuellen Philosophen. In dieser Riege reihen sich ebenso Jay-Z, Pharrell Williams und Kanye West ein. Das Urban-Dictionary würde solche Männer als Dapper bezeichnen – „Someone who looks incredibly smart, sexy and stylish“. Hip Hop ist ab einer gewissen Erfolgsstufe des Künstlers immer Luxus. Egal ob es der gutsitzende Armani-Anzug, die Rolex um das Handgelenk, die Villa als Austragungsort der Party ist – wer es im Hip-Hop-Musik-Business schafft, stilisiert sich mit Statussymbolen als Aufsteiger. Und die Mode ist das beste Mittel, um es allen zu zeigen.
NEW ERA FLATCAP-BASEBALLCAPTrotz der Vereinnahmung der Mode-Industrie bleiben einige Basics des Hip-Hops unveränderlich. Sie gehören sozusagen zum Gründungsmythos: Sneakers und die Basecaps. Und das unabhängig davon, ob Man(n) die Jeans „skeany“ oder „baggy“ trägt. Es geht also Back to the Roots – zu Run DMC. Sie machten mit ihrem Song „My Adidas“ Adidas zu ihrem Markenzeichen – eine Ode an ihren Lieblingsturnschuh. Adidas bekam Wind davon, nahm die Hip-Hop Band unter Vertrag und vermarktete diese Liebe. Nenn es Kommerz oder Kalkül, es bleibt eine beispielslose Verschmelzung von Hip-Hop und Mode. Ein weiteres Beispiel des zeitlosen Mythos ist das New York Yankee Baseballcap. Ein Klassiker, der aus dem Sport entwachsen ist und so tief mit der Hip-Hop und Skaterszene verwurzelt ist wie kein anderes Kleidungsstück. In verschiedenen Modellen von New Era erhältlich, ist es diese Saison nicht nur ein Must-Have der Mode-Bloggerinnen. Wem ein Baseballcap mehr bedeutet als nur ein modisches Accessoire, wird auf zahlreichen Shops wie Capuniverse fündig. Selbst Shops die sich nicht dem Hip-Hop bzw. der urbanen Kultur verschworen haben, bieten inzwischen Caps, Snapbacks oder Bandanas an. Hip-Hop wird es eben immer geben.
Genau das macht diese Subkultur gerade ja so alternativ und global. Jeder trägt seinen Teil dazu bei,
obwohl die Grundessenz sich selbst nach 40 Jahren nicht verändert hat.
In dem Sinne: KEEP IT REAL!

 

 

 

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Ivan zählt zur gestandenen Garde der BACKSPIN GANG und zeichnet vor allem für das Marketing verantwortlich. Der 1979 geborene Hamburger aus Eimsbüttel engagiert sich darüber hinaus als Kamera-Assistent und hilft, wo er nur kann. Neben seiner Leidenschaft für traditionsreichen New Yorker Boom Bap begeistert er sich für die Graffiti-Kunst.

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