BRKN: “Mit Musik schaffe ich es da raus”

Im Mai vergangenen Jahres erschien mit “Kauft meine Liebe” das Debütalbum von BRKN. Noch diese Woche, ein gutes Jahr später, legt der Kreuzberger nach. “Einzimmervilla” heißt sein neuster Streich, der sich musikalisch an einigen Genres, wie beispielsweise Hiphop, Soul und auch der ein oder anderen Pop-Anleihe bedient. Thematisch gibt’s große Ambitionen aus einer sehr kleinen Wohnung. Wir haben BRKN in Berlin-Kreuzberg zum Zwischen den Zeilen Interview getroffen und mit ihm über “Einzimmervilla” gesprochen. 

 

BRKN, am 18.8. erscheint dein Album „Einzimmervilla“. Wie entstand die Idee zu diesem Titel?

BRKN: Der Albumtitel hat mehrere Bedeutungen. Der Ursprungsgedanke war, sich von einem Zimmer zu einer Villa hochzuhustlen. Man kann auch interpretieren, dass ein Zimmer durch die Musik wie eine Villa wirkt. Ich mache ja keinen harten Straßenrap, sondern versuche, Gute-Laune-Musik zu machen. Das heißt, wenn du meine Musik im Bett oder auf deinem Balkon hörst, werden die Wände wie bei Inception auseinander fallen. Der Hustle-Gedanke war aber wie gesagt der Ursprüngliche.

Müsstest du die Platte auf eine Grundaussage herunter brechen, welche wäre das?

BKRN: Ich mache doch nicht elf Tracks, damit ich am Ende einen Satz sagen kann (lacht).
100%.

Beschreib doch mal das Cover.

BRKN: Da sieht man mich in einer Einzimmerwohnung, die zurzeit auch wirklich meine Wohnung ist. Da wird aber auch wieder der Gedanke vom Hochhustlen symbolisiert, denn ich sitze dort nicht in Unterhemd und Boxershorts wie sonst, sondern in meinem Bühnenoutfit und mit meinen Lieblingsschuhen. Der Gedanke ist: Mit Musik schaffe ich es da raus.

Es wird neben der normalen CD auch eine Deluxebox zum Album geben. Was ist enthalten und wieso?

BRKN: Es gibt ein megacooles T-Shirt. Letztes Jahr haben wir eine Feature-EP aufgenommen, als wir gemerkt haben, dass wir keine Features auf dem Album haben. Irgendwas müssen wir mit den ganzen berühmten Leuten ja machen, mit denen wir jeden Tag Kaffee trinken gehen. Diese EP gab es nur digital und daraus haben wir jetzt eine Vinyl gepresst und ein baba Cover dafür entworfen. Dazu gibt es ein Poster, die Instrumental und ein Schlüssel zu meiner Einzimmervilla.
Der sieht tatsächlich so aus wie mein Haustürschlüssel aber er passt nicht (lacht).

Wer war für die Produktion des Albums verantwortlich?

BRKN: Ich habe alles allein produziert. Eigentlich wollte ich wirklich gern mit anderen Leuten zusammenarbeiten. Leute, die ich mag und die ich feiere, haben mir Beats zugeschickt aber mir ist einfach nichts eingefallen. Letztes Jahr hatte ich super viel zu tun und dadurch auch nicht so viel Zeit, um ins Studio zu gehen. Dann war irgendwann das Album fertig. Nächstes Mal mache ich es aber anders (lacht). Alle Gitarren, die einfach zu spielen sind, habe ich selbst eingespielt. Alle Gitarren, für die man Gitarre spielen können muss, hat ein Kumpel eingespielt. Wieder ein anderer Kumpel hat das Schlagzeug eingespielt und noch ein anderer die Trompete.

Wessen Feedback ist dir wichtig während eines Albumprozesses?

BRKN: Ich bin sehr eigen. Es geht gar nicht so sehr darum, von wem das Feedback kommt, sondern eher, was es für ein Feedback ist. Ich habe mich schon sehr oft mit meinen Jungs, also mit meinem Management Team, gestritten wegen solcher Sachen. Beispielsweise, weil ich für die Radioversion einer Single noch eine Hook hinzufügen sollte oder sowas. Danach gab es dann so richtig drei Tage schlechte Laune (lacht). Meist ist etwas wirklich komisch an einem Song, wenn es auch Leute bemerken, die mit Musik eher nichts zu tun haben, weil diese einfach nicht auf Details achten. Andererseits habe ich, als das Album schon fertig und abgegeben war, bei den Krauts gesessen und die haben mich auf kleine Stellen hingewiesen, die man noch hätte ändern können. Da dachte ich stellenweise so „Ah scheiße, stimmt!“. Allerdings betrachten die das als Produzenten natürlich aus einer komplett anderen Sicht. Sonst bin ich wirklich sehr sturköpfig. Müsste das Album nicht irgendwann abgegeben werden, würde man jeden Tag noch etwas anderes finden, das geändert werden muss. Das sind dann aber solche Kleinigkeiten wie, dass ein Effekt an einer Stelle etwas leiser sein muss. Ich habe irgendwann mal auf Twitter gelesen: „Alle meine Lieblingsrapper nehmen mit 100€-Mikrofonen auf“ und das bringt es am Ende des Tages ganz gut auf den Punkt. Entweder es ist ein Hit oder kein Hit. Alles andere ist dann nur die Sahne oben drauf, aber der Kuchen ist trotzdem wichtiger.

Gab es rund um das Album irgendwelche Schwierigkeiten, die den Prozess erschwert haben?

BRKN: Beim Videodreh zu „Atemmaske“ – in dem Song geht es darum, selbstständig zu sein und sein Ding durchzuziehen, auch, wenn Dinge schief laufen – haben wir den teuersten Drehtag unseres Lebens verloren und mussten alles nochmal drehen (lacht). Niemand hat uns beim zweiten Mal irgendwo einen Preisnachlass gegeben. Beispielsweise haben wir ein richtig teures Auto gemietet. Beim Nachdrehen war ich mit dem Smart meines Vaters unterwegs und der Kofferraum war voller Klamotten. Am Ende des Drehs habe ich das Auto geparkt und wollte Sachen zusammenpacken, konnte aber nicht alles tragen. Deshalb habe ich zwei Pullover, Shorts und zwei Paar Schuhe liegen lassen, die dann geklaut wurden. Ein paar Sachen haben wir wieder gekauft, aber die Schuhe zum Beispiel gibt es einfach nicht mehr und das ist immer noch ein bisschen traurig. Aber ey, es hätte noch schlimmer kommen können. Die hätten auch einfach das ganze Auto klauen können. Das hat weh getan, aber es hat uns nicht das Genick gebrochen.

Hast du eigentlich einen Lieblingssong von „Einzimmervilla“?

BRKN: Ich glaube „Irgendwann“. Der ist geil. Eigentlich schreibe ich meine Texte gern auf Papier, aber bei dem Song war ich schon im Halbschlaf und habe den Text einfach in mein Handy getippt.

Mal angenommen, man befindet sich demnächst in einem großen Elektronikfachhandel in der CD-Abteilung. Was ist der absolute Kaufanreiz für „Einzimmervilla“?

BRKN: Ich mag es eigentlich nicht, so etwas zu sagen. Aber ich mache einfach mein eigenes Ding, das gibt es ansonsten so nicht. Mach es einfach in der Sonne an. Mein Kumpel sagt immer: „Boah dazu im Park in der Sonne chillen und kiffen“. Von mir aus mach das. Oder mach einfach mal im Auto an, macht Spaß.

Welche Rolle spielen die Charts für dich und wie sehen deine Erwartungen für das Album diesbezüglich aus?

BRKN: In dem Sinne eigentlich keine. Ob ich jetzt ein paar tausend Einheiten verkaufe und damit auf Platz 3 lande oder auf der 50 – ich freue mich immer noch genau so krass über die Einheiten, die ich verkauft habe. Wenn man plötzlich in den Top 5 landet, ist das bestimmt auch geil, ich habe das ja noch nicht erlebt.

Was steht in diesem Jahr noch nach Albumrelease bei dir an?

BRKN: Erstmal steht im Oktober noch die Tour an in acht verschiedenen Städten. Darauf freue ich mich krass. Dann können wir auch endlich mal neues Merch drucken, da habe ich auch Bock drauf. Es gibt noch ein paar Sachen dieses Jahr, die allerdings nichts mit meinen Projekten zu tun haben. Darüber darf ich aber noch nicht sprechen, außer darüber, dass ich mich mit an das Album von Dazzle setzen werde.

Auf Seite 2 findet ihr die Tracklist konkret.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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