BRKN: „Dieses Büro-Roboter-Sklaven-Dasein ist nichts für mich, Alter“

Wo wir gerade über Kohle reden. Die Pleite-Thematik wird häufig von dir thematisiert. Ist das eine Inspirationsquelle für dich?

BRKN: Ach, was heißt Inspiration?! Seitdem ich bei meinen Eltern ausgezogen bin und selber meine Kohle ran schaffe, ist man natürlich pleite. Ich war nie wirklich arm in meinem Leben und habe nie gehungert, aber ich habe auch keine Lust mehr mir Geld von meinen Eltern zu pumpen und die können das mittlerweile vielleicht auch gar nicht mehr. Also meine Songs sind jetzt nicht krass inspiriert davon, aber wenn ich einen Beat höre und anfange darauf zu schreiben, dann kommt sowas oft dabei raus, weil es mich eben beschäftigt. Jeder der broke ist und mal kein Geld hat um raus zu gehen, der weiß wie anstrengend das ist und wie das einen nervt keine Kohle zu haben. Darum ist die Thematik eher so ein bisschen Herz ausschütten, als jetzt die pure Inspiration.

Du sagst ja auch auf einem Album „Lieber ein armer Künstler, als ein reicher Roboter“.

BRKN: Ja klar. Du hast ja schon nach meinem Studium gefragt. Damit könnte ich sicherlich irgendwas anfangen, was mir jetzt erst mal mehr Geld bringt, als das was ich mache. Aber jeden Tag ins Büro zu gehen, ist für mich kein Leben. Man ist selber dafür verantwortlich, was man für ein Leben hat und meine Chance werde ich definitiv nutzen. Ich habe jetzt keine Verantwortung wie zum Beispiel ein Kind, dass ich durchfüttern muss. Ich muss keine 1.500 nach Hause zu bringen, damit wir essen können. Ich habe noch die Möglichkeit in meinem Leben das zu machen, was mir Spaß macht und ein schönes Leben zu haben. Darum versuche ich jetzt erst mal achtzig oder hundert Stunden die Woche Musik zu machen und irgendwann davon zu leben. Wenn das klappt, ist das hundertmal schöner als für 5.000 Euro in einem Architekturbüro zu sitzen, wenn ich darauf gar keinen Bock habe. Dieses Büro-Roboter-Sklaven-Dasein ist nichts für mich, Alter.

Dazu passt ja auch ganz gut, dass du entgegen dem Trend auf eine Box zu deinem Album verzichtet hast.

BRKN: Ich habe da aus verschiedenen Gründen drauf verzichtet. Wir müssen da auch keinen Hehl drum machen, dass ich wahrscheinlich keine 1.500 Boxen absetzen würde. Diese Boxen sind erstens Mal erst nach einer gewissen Stückzahl gewinnbringend, dass heißt: selbst wenn wir ein paar hundert verkaufen würden, würden wir immer noch Minus machen. Zweitens: Wenn ich schon eine Box mache, dann will ich auch eine richtig geile machen statt ein Tribal, einen Aufkleber und ein Poster da rein zu klatschen. Mir geht es auch erst mal darum, mich den Leuten vorzustellen und mich auf den Schirm zu bringen. Es kann uns an diesem Punkt gar nicht darum gehen so viel Geld wie möglich umzusetzen, darum ist mir das auch scheißegal. Ob ich jetzt in der ersten Woche 1000 Einheiten absetze oder das vier, fünf, acht Wochen dauert, ist mir auch nicht wichtig. Hauptsache ich finde Gehör. Wenn du jetzt mein Management fragst, sagen die dir aber bestimmt noch mal was anderes. (lacht)

Genug von Zahlen und Cash geredet. Kommen wir zu deiner Musik. Du spielst viele Instrumente selber – was spielst du alles?

BRKN: In erster Linie Klavier. Saxophon kann ich aber ganz gut und auf der Gitarre rum klimpern geht auch ziemlich solide. Wenn ich mich ans Schlagzeug setze, bekomme ich sicherlich auch noch einen vernünftigen Loop gespielt aus dem ich einen Beat machen kann und an der Keytar gilt das gleiche. Klavier spiele ich aber am besten von allen Instrumenten. Das ist auch das einzige Instrument von dem ich sagen würde, dass ich es wirklich spielen kann. Ich bin jetzt kein krasser Pianist, aber ich bekomme schon was hin. Wenn ich an der Syntie oder an der Talkbox bin, macht es aber auch richtig viel Spaß.

Spielst du alles selber ein?

BRKN: Alles was geht. Auf dem Album sind die Saxophone und die Gitarren von mir eingespielt. Ich habe aber auch die meisten Keyboard- und Klaviersounds, Orgeln und Synthies gemacht. Das aller wenigste ist rein geklickt oder technisch eingefügt. Hier und da haben noch ein paar Freunde ausgeholfen, die dann Trompete, Schlagzeug und Geige eingespielt haben. Auf „Kim Kardashian“ sind die zum Beispiel alle drei mit drauf. Das hat dem Album noch mal einen richtigen Qualitäts-Kick gegeben, finde ich.

Gerade im Hip-Hop werden Beats ja häufig „nur“ gepickt. Wie läuft das bei dir ab?

BRKN: Immer unterschiedlich, Dicka. Mal habe ich nur einen Ton oder eine Atmosphäre im Kopf und versuche das am Klavier umzusetzen. Mal sitze ich im Studio, mache einen Beat und finde den so geil, dass ich unbedingt was drauf schreiben will. Manchmal mache ich auch einen Beat und mir fällt kein passendes Thema ein. Ein Mal habe ich sogar auch einen Beat geschickt bekommen. Aber am Ende wird der Song quasi ganz von vorne gemacht. Ich gehe immer hier und da noch mal drüber und feile am Arrangement, füge Pausen oder extra Instrumente ein und und und. Bei mir gibt es das alles – da gibt es keine festen Schemen.

Du warst ja früher auch selber eher als Produzent tätig. Wann kam der Schritt vor das Mic?

BRKN: Für Außenstehende ist das vielleicht ein Schritt gewesen, aber für mich nicht. Ich habe ja schon immer Mucke gemacht, hatte aber nie Zeit und Motivation so ein großes Projekt anzugehen. Für mich habe ich aber schon immer Songs gemacht und aufgenommen. Bevor ich 2014 die „Yeah Bitch Yeah EP“ raus gebracht habe, lagen die Songs teilweise schon länger als ein Jahr rum. Zwischendurch habe ich für andere Leute Beats gemacht oder, wie zum Beispiel bei Said, mal eine Hook gemacht, aber auch während ich nur produziert habe, habe ich immer an Songs gearbeitet. Ich wusste auf jeden Fall schon, dass irgendwann ein Album von mir kommt. Als das Mach One Album und Saids „Hoodrich“ fertig war, dachte ich: „Jetzt habe ich Zeit mal was eigenes zu machen, ich habe ein paar Skizzen – jetzt mache ich mal.“

Woher kommen deine souligen, jazzigen und funkigen Einflüsse?

BRKN: Das ist einfach richtig geile Mucke, Dicka. Für mich ist da auch kein Unterschied zu Hip-Hop. Ich habe einen meiner Lieblingsjazzkünstler entdeckt, weil einer seiner Songs auf „The world is yours“ von Nas gesampled wird, der wiederum einer meiner Lieblingssongs ist. Für mich sind diese Musikrichtungen mit Hip-Hop gemischt gar kein Wiederspruch. Ich habe auch schon mal in einer Jazzband gespielt und höre privat viele Soul-, Jazz-, oder Funksachen. Genauso sind aber auch die Beatles, Rock, Electro, neue und alte Hip-Hop-Songs in meiner Playlist. Das ist einfach scheinbar mein Geschmack. Was natürlich auch nicht heißt, dass ich nur sowas gut finde. Wenn ich im Club bin, feiere ich auch mies auf irgendwelche Trap-Filme von Travis Scott ab. Für mich gibt es keine Grenzen was Musik angeht – es wäre bescheuert sich da festzulegen.

Apropos Trap und neue Hip-Hop-Sachen. Du hast letztens „Unterwegs“ gecovert. Wie kam es dazu?

BRKN: Ein Kumpel hat mir einen miesen Ohrwurm von diesem Song gegeben und dann sollte ich irgendwann, auf einer Feier, ein Ständchen für ihn spielen. Da wurde ihm eine goldene Platte verliehen und er hatte sich das von mir gewünscht und weil ich dachte, damit rechnet er bestimmt nicht, habe ich „Unterwegs“ gespielt. Das ist bei den Leuten und bei ihm so gut angekommen, dass wir das auch noch mal für YouTube gemacht haben. Ich sitze oft zu Hause und spiele irgendwelche aktuellen Songs nach. Auf der Tour spiele ich zum Beispiel immer „Glücklich und Satt“ von Tarek K.I.Z. Einfach weil es Spaß macht und sich gut anhört.

Spielst du nur nach Gehör?

BRKN: Ja genau. Ich höre den Song, setze mich ans Klavier und spiele das einfach nach.

Wenn dein Musikspektrum so breit ist, wen würdest du als deine größten Inspirationsquellen beschreiben?

BRKN: Puuhh. Auf jeden Fall so Leute wie D’Angelo, Rick James, Stevie Wonder und Michael Jackson würden mir spontan einfallen. Aber auch R’n’B-Sachen. Generell höre ich mir aber auch so viele Sachen an, da kann man gar nicht pauschalisieren. Ich höre auch Big Daddy Kane, Nas, Clipse, Travis Scott und J.Cole. Ich glaube wenn man auch nur einen Song hört und den ein bisschen mag, wird man davon unterbewusst schon beeinflusst. Ohne das man es jetzt groß darauf anlegt. Wenn man jetzt aber auf meinen eigenen Sound geht, sind so Funkadelic und Earth Wind & Fire sehr präsent.

Hast du auf deinem Debüt bewusst auf Features verzichtet?

BRKN: Ne. Eigentlich nicht. Ich wollte auf ein, zwei Songs auch noch Features rauf packen, dann habe ich aber doch alles selber geschrieben und fand das dann auch cool. Das Debütalbum darf, meiner Meinung nach, auch gerne mal ganz alleine sein. Wir haben nur einen kleinen Überraschungsgast auf dem Album. Tarek ist ganz kurz zu hören. Das ist aber kein richtiges Feature, sondern fast schon ein Skit. Ich bin sehr froh, dass das so geklappt hat. Ich brauchte irgendwen der mich da vom Song schubst und er kann das einfach perfekt machen. Für die Leute, die mich lieber mit Featurepartnern hören wollen, haben wir ja einen Monat früher die „Kennste einen, Kennste alle“-EP raus gebracht. Zu der Zeit war schon abzusehen, dass ich das Album komplett alleine mache und dann kam es zu der EP.

Wie hast du dir deine Gäste da ausgesucht?

BRKN: In erster Linie wen ich kenne und mit wem ich gerne mal Musik machen würde. Das waren auch alles Leute die ich vorher schon kannte und mit denen ich schon zusammen gearbeitet habe. Bei K.I.Z. habe ich schon mal einen Synthie eingespielt, mit Raf Camora habe ich schon mal eine Hook auf einem seiner Releases gesungen und mit Alligatoah war ich schon oft genug auf Tour. Nur Fatoni kannte ich nicht direkt. Den habe ich mal auf der Straße getroffen und ein bisschen mit ihm gequatscht. Die EP ist extrem unter Zeitdruck entstanden, aber ich bin froh, dass es so geklappt hat.

Das war es von mir aus soweit. Obligatorische letzte Frage: Wie geht’s bei dir weiter? Weiter vor dem Mikro oder lieber wieder produzieren?

BRKN: Der Fokus ist auf jeden Fall bei eigenen Songs. Ich werde definitiv weiter Mucke machen und habe auch kein Problem damit mal wieder was für andere zu produzieren. Das ist alles aber auch sehr zeitaufwändig. Mal sehen was passiert. Ich hoffe jetzt erst mal, dass das Album mehr Gehör findet und vielleicht nehmen wir ja sogar noch ein paar Festivals mit. Was sonst als nächstes passiert, weiß ich noch gar nicht. Erst mal den Leuten das Album in die Köpfe schlagen. Sonst kann ich nur sagen: Danke an alle die mich unterstützen, alle die was mit mir zu tun haben. Grüße, Liebe und Frieden gehen raus an alle. Man sollte mehr positive Energie in der Welt verbreiten (lacht).

 

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