BRKN: „Dieses Büro-Roboter-Sklaven-Dasein ist nichts für mich, Alter“

Nach Produktionen für unter anderem Said und Mach One, Gastspielen bei K.I.Z. und Raf Camora sowie mehreren ausverkauften Touren mit dem Trailerpark-Schützlin Alligatoah, ist es nun an der Zeit für das Debütalbum von BRKN. Seit vergangenem Freitag steht die Liebe des Kreuzbergers in Form von „Kauft meine Liebe“ auf LP-Länge frei verkäuflich im Plattenladen eures Vertrauens. BRKN singt, rappt, spielt viele seiner Instrumente selber ein und bringt durch Funk- und Souleinflüsse ein sommerliches Album an den Start. Wir haben mit dem jungen Berliner über seine musikalischen Einflüsse, seinen Nebenjob und Augenbraun gesprochen. Auf ein Gespräch mit BRKN.

Erst mal Gratulation zu deinem gestrigen Debütrelease. Wie ist die Gefühlslage?

BRKN: Vielen Dank Alter. Generell bin ich schon gespannt was die Leute so darüber denken werden. Erst mal bin ich froh, dass ich viele Nachrichten kriege von Leuten die es feiern – von so fern ist alles wunderbar. Einerseits ist natürlich Stress von mir abgefallen, jetzt wo „Kauf meine Liebe“ draußen ist, andererseits sind wir im Moment auf Promo-Konzert-Tour und geben noch mal richtig Gas, schlafen alle wenig und ziehen durchs Land. Aber das ist alles in Ordnung. Das gehört dazu und ich mache das liebend gerne.

Apropos Tour. Du spielst aktuell auch deine erste Solo-Tour. Vorher warst du mehrmals mit Alligatoah auf ausverkaufter Stadiontour. Wo liegt der Unterschied zwischen Solo- und Support-Act-Tour?

BRKN: Das hat beides seinen Charme auf jeden Fall. Na klar ist es ist überkrass vor 8.000 Leuten zu spielen, die dich zwar alle nicht kennen, aber am Ende trotzdem mit springen. Andererseits, wenn du vor 180 Leuten spielst, die wirklich nur wegen DIR gekommen sind und die fast alle Texte mit brüllen können, dann ist das noch mal richtig Gänsehaut auf einem anderen Level – vielleicht finde ich das noch mal ein bisschen geiler. Aber das sind beides zwei wahnsinnige Erlebnisse und ich feier das eine wie das andere.

Mal was anderes. Warum hast du die Augenbrauen zu deinem Logo gemacht?

BRKN: Keine Ahnung Dicka. Ich glaube Said hat irgendwann mal gesagt: „Eigentlich müsste man mal ein T-Shirt machen wo nur die Augenbrauen und die Haare drauf sind.“ Dann haben wir das aus Spaß gezeichnet und es sah ganz gut aus und dann ist es irgendwie so passiert. Es ist jetzt auch nicht so, dass das auf jeden Fall mein Logo ist, aber wir werden es auf jeden Fall häufiger benutzen und mein Management findet das aus Marketingtechnischer Sicht auch Bombe. Das hat voll Wiedererkennungswert – das ist mir zwar erst mal egal, aber ich feier das selbst ja auch. Ich habe nun mal diese Augenbrauen und ich werde die auf jeden Fall nicht weg zupfen oder so, Alter.

Mein Vater sagt immer: Augenbrauen sind Ausdruck des Charakters…

BRKN: (lacht) Killa. Ich finde dein Vater hat auf jeden Fall richtig krass Recht.

Lass mal bisschen über BESTE reden. Ihr seid ein Label, habt eine eigene Partyreihe und jetzt auch noch eine Bar im Wedding. Wie ist die Aufstellung bei euch?

BRKN: Der harte Kern von der Organisation BESTE an sich, sind Hansi, der das Management macht und Filatow, der alles macht was du von uns sehen kannst. Sprich: Art-Direction, Artwork, Regie und so weiter und so fort. Die beiden sind quasi das Label, aber ansonsten sind wir wie eine große Gang. Dazzle, Merlin und ich haben früher schon zusammen Mucke gemacht und machen das jetzt halt bei BESTE. Dazzle und ich machen zum Beispiel nur Musik und haben gar nichts damit zu tun wenn irgendwo eine BESTE-Deutschrapparty steigt. Weder organisatorisch noch anderweitig. Wir kommen da einfach nur gratis rein (lacht). Um es zusammenzufassen: Wir sind ein Label aber zeitgleich auch irgendwie ein Kollektiv, das alles Mögliche macht. Mit der Bar habe ich auch nichts am Hut. Hans und Filatow gehört der Laden. Ich bin wirklich nur bei dem Label unter Vertrag und man hat auch neben der Künstler-Label-Beziehung noch eine freundschaftliche Bindung, aber geschäftlich hänge ich sonst nirgendwo mit drin. Trotzdem kann man uns natürlich alle zusammen auf den Deutschrappartys und in der Bar treffen. Mit den Partys, meinem Release plus dem was da noch in Zukunft kommt und der Bar sind alle auch erst Mal gut bedient. Wir haben alle genug zu tun.

Neben der Mucke hast du auch noch einen Bachelor in Architektur gemacht. Geht da noch was?

BRKN: Nee auf keinsten, Alter. Ich wusste schon eineinhalb Jahre vor dem Abschluss, dass ich da keinen Bock mehr drauf habe, habe das dann aber doch noch fertig gemacht. Das war richtig anstrengend und es ist ein Weltwunder, dass ich das bestanden habe, weil die Prüfer mich für meine Arbeit gut zerrissen haben. In der Zeit habe ich auch richtig eklig zehn Kilo zugenommen, so stressig war das. Ich habe auf jeden Fall keinen Bock in dem Bereich zu arbeiten irgendwann.

Worüber hast du deine Abschlussarbeit geschrieben?

BRKN: Wir mussten so ein leeres Gebiet am Herrmannplatz, da wo „Huxleys Neue Welt“ ist, bebauen und da habe ich so ein Haus entworfen – nix aufregendes auf jeden Fall.

Du singst auf „Song über irgendwas“ wie sehr du deinen „verfickten Nebenjob hasst“. Was machst du , wenn nichts mit Architektur?

BRKN: Seitdem ich Mucke mache, hatte ich schon eine ganze Reihe von Nebenjobs. Mal habe ich bei Zara gearbeitet, mal ein bisschen Bürokram in einem Verlag. Jetzt sitze ich gerade bei einer Werbeagentur am Empfang, gehe da ans Telefon und so. Wenn man weiß, dass man Mucke machen will – und ich weiß das definitiv – dann ist alles andere sowieso Zeitverschwendung für sich selber. Miete und Essen müssen ja aber trotzdem rein und darum mache ist das.

Also hustlen bis du von der Musik leben kannst?

BRKN: Genau so. Bis man aber von der Musik leben kann, muss man am Ball bleiben und darf nicht schlafen, sonst wird man überholt. Deswegen habe ich zwei Tage die Woche, an denen ich das nötigste durch die Arbeit in der Agentur rein hole und den Rest der Woche kann ich mit meiner Musik hustlen und an der Karriere schrauben so gut es geht.

Du hast schon mal gesagt, dass man durch so eine Pleitephase durchgehen muss, wenn man Musik machen will.

BRKN: Die wenigsten fangen an und können sofort davon leben. Natürlich hätte man versuchen können sich einen Major-Deal inklusive Vorschuss zu angeln, aber wir haben uns in sofern für den harten Weg entschieden, dass wir alles selber machen, independent bleiben, dafür aber alles entscheiden können wie wir wollen. Wir finden das geiler so, wir wollen das so haben und uns ist allen klar, dass man da hustlen muss und es mal mehr und mal weniger gut läuft. Vielleicht dauert es ein Jahr, vielleicht fünf Jahre, Dicka keine Ahnung. Mir ist auf jeden Fall klar, dass das ein harter Weg ist, wo nicht sofort die dicke Kohle bei rum kommt. Die meisten Musikkarrieren, auch wenn man direkt ein krassen Hit hat, sind durch konstante Arbeit entstanden und nicht direkt mit dem ersten Album.

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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