Blut & Kasse: „Die Künstler nehmen sich zu wenig Zeit für Musik“

Blut & Kasse ist im Modus. Im „Machermodus“, um genau zu sein.
Teile seiner Kindheit verbringt der gebürtige Würzburger im Süden der USA, kehrt erst mit 13 Jahren wieder nach Deutschland zurück. Die USA ist es, wo auch seine Affinität für Rapmusik geweckt wird. Zurück in Deutschland werden auf eigene Faust Demos aufgenommen und verschickt, welche ihm prompt eine Zusammenarbeit mit dem Berliner Duo Hecklah & Coch einbringt.

Rappen bleibt nicht die einzige Passion von BK: Das eigene Label Macher Musik wird auf die Beine gestellt, ein eigenes Modelabel befindet sich im Aufbau.
2013 erblickt das Solo-Debüt „Macher oder Träumer“ das Licht der Welt, es folgen diverse Kollabos, unter anderem das Projekt „100% Macher“ mit Pedaz.
Im Oktober 2015 steht mit „Machermodus“ nun die zweite Solo-Platte in den Startlöchern und nicht nur der Titel zeigt deutlich, was es heißt, sich seiner Linie treu zu bleiben.

 

Wir treffen uns hier im Rahmen deiner Promophase zu „Machermodus“ – du ziehst also nicht „den Drake“ durch? 

Blut & Kasse: Der Trend, gar keine Promophase zu machen, ist meiner Meinung nach ein Hype.
Die Amis haben damit angefangen und die Deutschen kopieren es wieder sofort. Wir machen nicht die riesengroße Promophase, aber den Standart nehmen wir schon mit.

Wie ist die Gefühlslage so kurz vor Release? 

Blut & Kasse: Wir sind immer noch am Machen. Wolfpack und Universal haben wir als Partner, aber ansonsten machen wir ja alles selbst. Wolfpack als Label und Universal, also Chapter One, eben als Vertriebspartner. Um den Rest kümmert sich ein Zwei-Mann-Team. Daher sind wir natürlich sehr eingebunden und haben wenig Zeit, uns groß Gedanken zu machen.

Wie kam diese Konstellation zustande? 

Blut & Kasse: Als mein erstes Album „Macher oder Träumer“ erschien, hatte ich Wolfpack als Vertrieb.
 Durch unsere Arbeit und die Resonanz, hat sich einfach ein anderes Geschäftsmodell ergeben, sodass wir mittlerweile als Partner agieren und Wolfpack gemeinsame Sache mit uns macht.

Auf der Auskopplung „Hunger wie ein Bär“ schießt du unter anderem gegen die Juice – was genau ist da vorgefallen?

Blut & Kasse: Es ging einfach darum, wie dort mit Künstlern umgegangen wird. Das war schon bei „Macher oder Träumer“ der Punkt. Wie gesagt haben wir uns vollkommen eigenständig um die Labelarbeit gekümmert und was die Pressepartner in der deutschen HipHop Szene anbelangt, wurden wir wirklich wie Scheiße behandelt. Die Juice hat auf jeden Fall einen guten Teil dazu beigetragen.
Es wurden einfach inkompetente Fragen gestellt – die Leute müssen einfach mal lernen, vernünftig mit den Menschen umzugehen. Ansonsten kommt irgendwann die Retourkutsche, weil du nie weißt, was noch aus den Leuten wird. Ich habe mich schlecht behandelt gefühlt und daher resultiert die Aussage im Text.

Dennoch ist es mutig, die Angelegenheit mit einem Track an die Öffentlichkeit zu tragen.

Blut & Kasse: Das war doch noch gar nichts.

Was fasst „Machermodus“ thematisch?

Blut & Kasse: Natürlich handelt sich die Platte komplett um mich und den Machermodus.

Der „Machermodus“ beschreibt das Anti- Industrie-Lebensgefühl.

Wir stellen uns gegen den ganzen Quatsch außen rum – es geht ausschließlich um Musik und ihre Qualität. Dabei haben wir Joshimixu als einen der krassesten Produzenten Deutschlands. Dazu komme ich als ein vielfältiger MC.

Daher ergänzen wir uns sehr gut.
 Wir wollen nicht kopieren, sondern etwas kreieren. Ansonsten findet man viele persönliche Geschichten auf dem Album und dennoch pusht es die Leute.

Apropos Kopieren: Leider ja ziemlich geläufig in der deutschen Rapszene.

Blut & Kasse: Ach, das bezieht sich nicht nur auf Straßenrap. Genau so hast du die BoomBap Ecke, die genau so viel kopiert und einen auf real macht. Das bezieht sich auf die Musik genau so wie auf die Business-Moves. Kollegah hat damals vorgelegt, was diese langen Promophasen angeht. Daraufhin haben viele versucht, das nachzuahmen. Dann gibt es den Drake-Move, es gibt jedes Mal Künstler, die sich irgendetwas als Vorbild setzen und das eins zu eins kopiert.

Meiner Meinung nach ist das einfach ein Lack an Kreativität und scheinbar auch ein Lack an Zeit der Leute, weil die sich keine eigenen Gedanken mehr darum machen.
Da frage ich mich, wie die es schaffen, keine Zeit mehr für sowas mehr zu haben, wenn sogar ich das schaffe. Ich bin Familienvater, ich habe ein Modelabel, das wir gerade aufbauen, wir haben eine Plattenfirma und ich bringe gerade mein Album.

Was ist los mit den Menschen? Haben die zu wenig Zeit für die Musik?

Wenn die schon Musik machen, sollen die sich 100%ig darauf konzentrieren. Musik ist ein Kunstprodukt. Du musst kreativ sein und deine Arbeit machen. Damals, als ich nach Berlin kam, habe ich schnell bemerkt, wie Leute manche Produkte eins zu eins kopieren. Das ist scheiße.

Aber wie schafft man es denn, alles erfolgreich unter einen Hut zu kriegen?

Blut & Kasse: Seit ich einen Sohn habe, habe ich gemerkt, dass du jede Sekunde des Lebens nutzen musst.

Wie lang habt ihr nun insgesamt an der Platte gearbeitet? 

Blut & Kasse: Im November haben wir begonnen und hatten zwei, drei Studiositzungen. Dann haben wir noch die Videos gedreht und ich finde, man merkt, dass das ganze Konzept rund ist. Zwar haben wir uns Zeit gelassen, aber gerade deshalb ist der rote Faden ersichtlich.

Was sind privat aktuell deine Favoriten? 

Blut & Kasse: Privat höre ich viel Verschiedenes, hauptsächlich allerdings amerikanisches Zeug. Ich bin teilweise in den USA aufgewachsen und habe daher ein ganz anderes Verständnis für die amerikanische Rapmusik. Ich verstehe, was die sagen und ich fühle es viel eher. Da ich viel unterwegs bin, höre ich auch viel, was so im Untergrund passiert. Deutschrap höre ich vieles aus meinem Umfeld. Ich bin momentan mit der 187 Strassenbande auf Tour, wir hören zum Beispiel. das Gzuz Album im Auto. Brett!

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