Blog Report (aus BACKSPIN #115)

Rap ist Religion. Wer Gott sucht, ndet ihn heutzutage mitunter auf YouTube. So geschehen im Fall von God aus Chicago – einem mysteriösen Rapper, der an Pusha T in seinen düstersten Momenten erinnert. Im Januar sorgten erste Videos wie „God Vs. Devil“ und „Judgement Day“ für Aufsehen. Nach der EP „Before the Bible“ ist nun das Free-Album „The Bible“ erschienen. Auf zehn Songs, zusammen- gehalten von Interludes mit Gewaltnachrichten aus Chicago, bereichert God das Chiraq-Movement mit teilweise bemerkenswertem Storytelling um eine weitere interessante Facett.  

Alle, die jetzt laut „Blasphemie!“ rufen, weil der einzig wahre Gott Rakim und der letzte Prophet Nas heißt, sollten den wie God aus dem Nichts aufgetauchten New Yorker Rapper Your Old Droog checken. Dessen gleichnamige EP, produziert von El RTNC und DJ Skizz, bietet Grown- Man-Rap à la Ka und Roc Marciano. Droog erinnert dabei so sehr an Nas, dass einige Blogs zunächst spekulierten, „God’s Son“ höchstpersönlich stecke hinter den Songs.  In eine ähnliche Kerbe schlägt Rast RFC von der berüchtigten New Yorker RFC Crew mit seinem Mixtape „Across West 3rd Street“.

Der Graffiti-Writer im Ruhestand sagt über sich selbst: „I founded a street gang, lived a life of crime, drugs and adventure, and now I rap about it.“ Im Ergebnis klingt das wie ein älterer 50 Cent, der ausschließlich über dreckige Boom-Bap- Beats rappt.

D.I.T.C.-Jünger kamen sich im Mai vor wie an Weihnachten: A.G. verschenkte mit „Return to 1999“ die unveröffentlichte LP seiner Protegés Ghetto Dwellas alias Party Arty (R.I.P.) und D

Flow. Neben Bekanntem wie „God Made Dirt“ und „Get It Dusty“ ndet man hier viele bis dato ungehörte Songs, produziert von Showbiz und Amed – einziger Wehrmutstropfen: Nach zwei Minuten ist bei jedem Titel Schluss. Gnädiger zeigte sich die Crew, als sie das „D.I.T.C. – The Remix Project“ – auf Vinyl beim Label Slice of Spice erhältlich – kurzerhand komplett zum ko-stenfreien Download bereitstellte. Unter anderen DJ Premier, Alchemist, Lord Finesse, Diamond D, Showbiz und Buckwild liefern auf dem Album zeitgemäße Überarbeitungen diverser D.I.T.C.- Klassikerab.

„Rap God“ Eminem plant, 2014 das dritte Al- bum seiner Schützlinge Slaughterhouse zu veröffentlichen. Als Teaser gibt es vorab das Mixtape „House Rules“. Auf zehn Songs mit Beats von u. a. Nottz, Illmind, AraabMuzik und Harry Fraud bieten die vier, was ihre Fans erwarten: Lyrics.

Colorado assoziiert man hierzulande mit Thomas Gottschalk, in den USA seit 2014 mit Marihuana-Legalisierung – 28 Gramm pro Kauf sind erlaubt. Wiz Khalifa konnte daher nicht anders, als sein Mixtape „28 Grams“ zu nennen. Sound- mäßig schielt der Dauerkiffer dabei nach Atlanta – die passenden Beats stammen u. a. von Metro Boomin, 808 Ma a und Sonny Digital. Auf „Word on the Town“ mit Juicy J ist zudem ein posthumer Verse von Pimp C zu hören – Chuuuch!Drake ist der CR7 des Rap – oft verteufelt, aber stets treffsicher. Mit „0 to 100“ hat er mal wieder jenen Beat, von dem keiner die Finger lassen kann. Aus der großen Masse an Free- styles stechen die von Joell Ortiz, Papoose, Meek Mill, Vado, Fat Trel und der wiedervereinten G-Unit heraus.

Mit der Bekanntgabe seines „Freshmen Covers“ sorgt das XXL Magazine stets für ähnlich hitzige Diskussionen wie Jogis WM-Kader. 2014 sind sich die Stammtische einig: Es gab schon schlimmere Nominierungen. Nach der kurzfristigen Absage von Young Thug wurden Chance the Rapper, Isai-

ah Rashad, Ty Dolla Sign, Rich Homie Quan, Vic Mensa, August Alsina, Troy Ave, Kevin Gates, Lil Bibby, Jon Connor, Lil Durk und Jarren Benton ins Team berufen. Exclusives von allen zwölf gibt es auf DJ Dramas „XXL 2014 Freshmen Mixta- pe“. Hintergründe liefert die Folge „Inside the XXL Freshmen Cover“ des ohnehin empfehlenswerten Podcasts „NPR: Microphone Check“ mit Host Ali Shaheed Muhammad – oh my god!

Text: Christian Luda

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