Beatcorner 2.0 Mai 2016

Beatcorner Mai 2016
Wo sind die Platten, wegen denen die DJs, Liebhaber und Sammler fieberhaft ständig ihren Plattendealer fragten, wann sie denn endlich da sei!? Wo sind die Platten, auf die man so sehr wartet, dass man den Briefträger fast umarmt, wenn er das ersehnte Gold vorbeibringt? Eventuell gibt es im Mai einige dieser „Sure Shot“-Geräte. Read on!

dusty donuts 7Interpret: Marc Hype & Naughty NMX
Titel: Dusty Donuts 7
Label: Dusty Donuts
Format: Vinyl
Beginnen wir mit DJ-Platten von DJs für DJs. Da haben sich die Mannen um Marc Hype aus Berlin mit ihren kleinen Dopeness-Raketen auf Dusty Donuts ganz schnell einen Namen gemacht. Da gab es sechs Mal in zwei Jahren wunderschöne Edits im Spielraum zwischen B-Boy-Hymnen, Funkbomben, Oldschool-Brettern und immer viel Classic-Charakter. So soll es auf ewig weitergehen. Nun ist der siebte Streich zu haben. Im Mittelpunkt der Godfather James Brown und was eben Nas und Public Enemy dazu gaben. Don’t belive the ants in the boss pants get down hype! Touch down, again.

Interpret: Dam Funk
Titel: DJ Kicks
Label: K7
Format: Vinyl, CD, Mp3
K7332_coverDie DJ-Kicks-Serie hat wahre Wunder zutage gefördert. Die Zusammenstellungen von Kruder & Dorfmeister , Terranova oder Kemistry & Storm sind bis heute Meisterwerke. Es folgten viele Jahre mit DJ-Mixes primär aus den Bereichen der elektronischen Musik. Deren Relevanz hat sich mit Soundcloud und Mixcloud natürlich etwas relativiert. Es war an der Zeit, die wirklich besonderen Momente und besonderen Leute, sprich Innovatoren und Chefdigger, zu aktivieren. Das ist in den
letzten Ausgaben immer deutlicher geworden. Mit Motor City Drum Ensemble und Moodyman haben sich die K7-Leute ein veritables, ja fantastisches Comeback besorgt. Nun haben sie den Westcoast-Funk-Erneuerer geschnappt. Dam Funk, der Pionier des modernisierten und weitergedachten Funk treibt seit über zehn Jahren seine Produktionen, Live-Auftritte und DJ-Sets nach vorne. Er schaut musikalisch natürlich auf die 70er und frühen 80er-Jahre zurück. Modern Funk heißt für ihn immer und überall: Die Kombination von Funk, Boogie, Elektro, Disco, House und Ambient. Auch wenn überall der „Uptown Funk“ salonfähig ist, demonstriert der Kalifornier jenen Pioniergeist, den Afrika Bambaataa oder Arabian Prince immer verkörperten – sie waren und blieben Soundforscher und öffneten immer wieder Türen, erweiterten Horizonte und schufen (Synthie-)Querverweise mit der wichtigen Huldigung der alten Schule. So zaubert er Momente mit massig bisher fast gänzlich unbekannten Platten – die er seit je her sammelt und spielt.

Interpert: Smoove
Titel: Nowhere to go / Return of the beats
Label: Wack
Format: Vinyl
smoove coverWer Vinyl sammelt und auch dazu noch gerne auflegt, wird oft enttäuscht wenn er sich an den Compilations wie „Northern Breaks“ oder „The Latin Leaks“ begeistert und danach feststellen muss, dass sie rein digital veröffentlich werden. Klar, man kann sich das Zeug ins Serato/Traktor ziehen und trotzdem damit arbeiten – aber das Sammlerherz möchte es nun einmal auf Vinyl. Ein gewisser Herr Smoove aus England ist ein leidenschaftlicher Vinylsammler und sicherlich einer der besten Vinyl-DJs dieses Planten. Hinzu kommt, dass er mit seinem Label Wack Records das tut, was er propagiert: Er veröffentlicht geschmeidige Grooves auf Vinyl – bevorzugt als 45. Die neue Wack-Single zelebriert die ganze Bandbreite des Herrn Smoove: Seite A ist ein moderner Soul-Stomper und Seite B eine aufgemöbelte Retrospektive und Hommage an Mantronix und Eric B. in einem dynamischen End-80er-Uptempo-Medley. Sure Shot!

tipps coverInterpret: The Tipps
Titel: Next time / The Story goes
Label: Record Kicks
Was wäre das Frühjahr ohne einen fluffing-leichten Soulshaker? Labelchef Nick hat inzwischen einen wunderbaren Riecher, talentierte Musiker zu entdecken – seine langjährig aufgebauten Netzwerke funktionieren bestens. Die holländische Kapelle The Tipps veröffentlich nun auf dem italienischen Lieblingslabel ihre erste Single. Dabei schippern sie auf „Next Time“ beschwingt ein ska- geschwängertes Soulboot mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit durch die Flut der aktuellen Veröffentlichungen. Die B-Seite ist verträumt-sahniger Northern-Soul mit süßlichem Glanz und großen Bläsern. Must have.

Interpret: Various
badass funk epTitel: Badass Funk EP
Label: BBP
Format: Vinyl, Digital
Schwergewichtig kommt die langersehnte Breakbeat-Paradise-12inch um die Ecke. Da liefen die Ghetto-Funk-Releases leider nur noch in einer eintönige und langweilige Richtung, da hat man sich zumindest bei BBP auf die eigenen Stärken wieder besonnen! Diese liegen klar bei den verrückten NuFunk-Monster-Hybriden – dem aufgemotzten Wildstyle zwischen Sample-Wahnsinn, Oldschool- Glorifizierung und Hip-Hop-Leidenschaft. Den übertriebenen und totgenudelten Wooble-Bass braucht sowie so keiner mehr. Somit wursteln die Mashup-Kameraden und Genre-Veteranen The Breakbeat Junkie & DJP & Badboe sowie die jungen Wilden (Mako & Bristow, Morongroover, B-Side, DJ Roast Beatz & Maars) puren Spaß ineinander. How hard can you go?

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Phonk Ribery aka Peter Parker aka Peter Piper aka Phonk Sinatra aka Phonky Balboa schreibt seit über 15 Jahren über Musik. Er war u.a. tätig für das Uptown Strut Magazin, The Message, die Badische Zeitung, das Subculture Mag oder die Juice. Er ist Vinylist, Sammler, Schreiber, Plattenleger und seit einigen Jahren für die Kolumne Beatcorner in der Backspin zuständig. Neuigkeiten ballert er über www.1beat.de in die Blogosphäre. Hier und da sieht man ihn zwischen Straßburg, Basel, München, Köln und Freiburg auch an den 1210ern mit geschmackvollen Tunes zwischen Funk, Afro, Latin Grooves, Reggae, HipHop und viel Soul, wenn er nicht gerade Partys mit DJ-Legenden wie Marc Hype, DJ Lifeforce oder DJ Friction organisiert. Was ihn garnicht stört ist, dass man ihn als "Oldschool" beschimpft weil er Bücher, Printmagazine, guten Wein und Vinyl lieber mag, als Mp3s, Flatrate-Saufen und E-Books. Everybody, Mazeltov!

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