Beatcorner 2.0: April 2017

Beatcorner April
Was kann man sich den so schönes als Vinyl in Osternest legen? Hier eine kleine Auswahl an Empfehlungen an bärenstarken 45s die Tanzflächen zu euphorischen Funk-Tempeln machen können. Und ja, es ist schön zu sehen, dass sich plötzlich alle so für Funk & Disco-Sounds begeistern seit „The Get Down“ auf Netflix läuft. Ehre der alten Schule und den Pionieren. The Funk is still hot.
 
Interpret: Jungle Fire
 
Titel: Comencemos / Tokuta
 
Label: Colemine Records
 
Format: 7inch
 
Beatcorner April
Da ist so viel B-Boy-Energie drin! Die Kombo Jungle Fire aus Los Angeles feuert mit einer unglaublichen Leidenschaft und Kraft einen Oldschool-Groove zwischen Latin, Funk und Afro durch die Welt, wie man es sehr lange nicht mehr gehört hat. Die Mitglieder der Gruppe sind jedoch keine Unbekannten. Sie haben bereits in allseits geschätzten affinen Projekten wie Breakestra, Orgaone oder Quantic Soul Orchestra gespielt und kooperierten mit Latin-Groove-Legenden wie Joe Bataan oder Celia Cruz. Wie explosiv die Kapelle von der Westküste ist, zeigen sie bei ihren Live-Auftritten regelmäßig. Diese unfassbare Power ihrer Afro-Latin-Funk-Eskapaden können sie wie kaum ein andere Gruppierung auf Platte übertragen. Nun also die neue Auskopplung aus ihrem erstaunlichen 2015er Album „Tropicoso“. Hier gibt es mit „Tokuta“ und „Comencemos“ schweisstreibenden Afrogroove der Marke Nigeria70 mit diesem ansteckenden, druckvollen Funk – der süchtig machen kann. Hot Stuff!

 
 
Interpret: Brass Horizons
 
Titel: Horizon’s Theme
 
Label: Minda Mark Records
 
Format: 7inch
 
Beatcorner April
Bay Area zwischen 1967-1977: Der Funk ist heiß und es floriert eine sehr unabhängige, kleine Szene an kreative Musikgruppen. Dabei mischten sich Elemente von Psychedelic Jazz mit dem James Brown’schen JB’Funk und dem Shing-A-Ling Soul Sound der sich so gerne mit karibischen Einflüssen vereinte. In den Tagen vor Disco gibt es hier ordentlich zur Sache und es kam so manche Perle zu Tage, die heute unter Sammlern ultra-rarer Goldstücken sehr geschätzt und gejagt werden. Die DeepFunk-Experten Kenny Dope und Keb Darge glorifizierten Brass Horizon bereits Anfang der 2000er ausgiebig und wie man an diesem bisher gänzlich unbekannten Killer hören kann auch absolut zurecht. Hier gibt es toughe WahWah-Riffs, slicke Horns und brachiale Drums  mit krassem „Get Down“-Break. B-Boys Herz, was willst du mehr! Hymne!

 
 
Interpret: Ray Barretto
 
Titel: Right on
 
Label: Pink Elephant
 
Format: 7inch
 
Beatcorner April
Der Nuyorcian-Sound hat große Hymne hervorgebracht die zeitlos gut sind und auch noch in 100 Jahren Menschen verzückt auf die Tanzfläche ziehen wird. Ein Meister der Latin-Grooves war Ray Barretto. Der Sohn puerto-ricanischer Einwanderer wuchs in „Spanish Harlem“ in New York City und dort entstand im Schmelztiegel Ende der 1960er ein wunderbares Soundgemisch aus den traditionellen Klängen der Herkunftsländer der Latinos und dem schwarzen Sound Amerikas. Latin fusionierte mit Jazz, Funk, Soul und Rock und wurde zu einem Sound, den Labels wie Fania um die Welt trugen. Initiator und Pionier dieser Experimente war Mr. Ray Barretto. Der Perkussionist und Conga-Experte entwickelte mutig und innovativ diese Verschmelzungen weiter und weiter. Heute muss man ihn unbedingt im gleichen Atemzug wie Tito Puente oder Joe Bataan nennen. Nun gibt es einer seiner größten Hymnen „Right on“ als Reissue auf 7inch – ein zeitloses Latinfunk-Meisterwerk. Auf der B-Seite gibt es noch ein ansteckender  Salsa-Vorreiter von den Latin Brothers. Sollte man schnell kaufen, da die 45 auf 200 Stück limitiert ist.

 
 
Interpret: DJ Soopasoul
 
Titel: Give it up
 
Label: Soopastole
 
Beatcorner April
Format: 7inch
 
Jalepeno Records sorgt seit Jahren für frischen Wind in der Szene. Label-Künstler wie Kraak & Smaak haben über Jahre den Funk modernisiert und weiterentwickelt. Spielarten von Funk hat auch der Jalepeno-Haus-und-Hof-DJ Soopasoul auf Lager. Dieser gibt es jetzt in kleinsten, limitierten Auflagen als 45. Und diese haben es ähnlich in sich wie die 7inches von J.Rocc. Auf der Vol.2 dieser Reihe pimmt er sehr dick Kool & The Gang-Breaks und lässt James Brown  und einen Eric B & Rakim-Classic durchleuchten. Auf der Rückseite bekommt Aretha mit ihrem Klassiker „Rock Steady“ ein leichte Neubehandlung, was natürlich wie für die Tanzfläche geschaffen ist. Man darf nur hoffen, dass dieser Herr Soopasoul weiterhin bei den Klassikern klaut und Hand anlegt. Sure Shot!

 

 

Text: Peter Parker

 
 
 
The following two tabs change content below.
Phonk Ribery aka Peter Parker aka Peter Piper aka Phonk Sinatra aka Phonky Balboa schreibt seit über 15 Jahren über Musik. Er war u.a. tätig für das Uptown Strut Magazin, The Message, die Badische Zeitung, das Subculture Mag oder die Juice. Er ist Vinylist, Sammler, Schreiber, Plattenleger und seit einigen Jahren für die Kolumne Beatcorner in der Backspin zuständig. Neuigkeiten ballert er über www.1beat.de in die Blogosphäre. Hier und da sieht man ihn zwischen Straßburg, Basel, München, Köln und Freiburg auch an den 1210ern mit geschmackvollen Tunes zwischen Funk, Afro, Latin Grooves, Reggae, HipHop und viel Soul, wenn er nicht gerade Partys mit DJ-Legenden wie Marc Hype, DJ Lifeforce oder DJ Friction organisiert. Was ihn garnicht stört ist, dass man ihn als "Oldschool" beschimpft weil er Bücher, Printmagazine, guten Wein und Vinyl lieber mag, als Mp3s, Flatrate-Saufen und E-Books. Everybody, Mazeltov!

Neueste Artikel von Peter (alle ansehen)

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.