Beatcorner 2.0 September 2015

Der Herbst ist da und gibt es eine schönere Zeit durch die Plattenläden zu ziehen?! Auch diesen Monat bekommt ihr hier wieder Hinweise auf schöne Veröffentlichungen auf dem zeitlosesten Format aller Formate: der Schallplatte. Wir schauen dieses Mal etwas genauer auf die spannenden Single-Releases und beweisen, dass Breaks wirklich zeitlos sind und wahrlich nicht nur der Sound alternder B-Boys ist.

Neu bei uns ist: SUCK MY DIG! Empfehlen ersetzt nicht (ganz) das selbst „Diggen“ in den Plattenläden dieser Welt. Viele Hände graben mehr als meine zwei! Nach diesem Motto wollen wir nun die Aufmerksamkeit auf bestimmt Fundstücke des schwarzen Goldes für die Öffentlichkeit multiplizieren.

Wenn ihr eine Scheibe als wirklich besonders erachtet und diese Entdeckung mit anderen teilen wollt, dann schickt uns eine Mail – und wir werden diese Scheibe in die Beatcorner integrieren. (beatcorner@backspin.de)

 

Soul Jazz OrchestraThe Souljazz Orchestra – Resistance

Label: Strut

Format: Vinyl

Kanada’s Afro- & Latinjazzkollektiv, The Souljazz Orchestra, präsentieren erneut ein fantastisches Album! Das neue Werk heisst “Resistance” und wird im September über das inzwischen in den Kultstatus erhobene Label Strut Records veröffentlicht. The Souljazz Orchestra bleiben weiterhin ihrer Linie treu und bauen ihre Vielfalt aus. Geerdet im Afrojazz haben sie auf den letzten drei Alben gezeigt, dass sie immer wieder neue Akzente und Schwerpunkte in ihrem Sound setzen. Ihre kraftvollen Afrobeat-Weiterentwicklungen folgten deepe Funkbretter, Ethiojazz-Spielereien und Latin-Groove-Verneigungen. Auch auf dem neuen Album spielen sie all ihre Einflüsse in ihren unverkennbaren, organischen Sound mit ein. Neu sind die Impulse aus frankophon-westafrikanischer Klangwelten. Sie integrieren Coupe-Decale, Zouk oder Cadence und vergessen nicht das fortzuführen, für was sie weltweit geliebt werden: Ihre kraftvollen Songs sind die Plattform für bissige sozialkritische Kommentare die mit eine großen Portion Positivität aufgeladen sind. Dabei geht es schon lange nicht mehr um einen “Anti-Bush/Kriegstreiber”-Aufruf, sondern um ein fiebriges globale Aufrütteln! Must-have-record! Once again!

Mulatu CoverMulatu Astatke – Yegele Tezeta / Yekatit

Label: Mr. Bongo

Format: Vinyl

Das Label Mr. Bongo feiert ein fulminantes Comeback, nachdem es drohte an Relevanz zu verlieren. War es dem britischen Indie-Label schon seit Mitte der 1990er ein Anliegen besonders brasilianische Musik wieder zu veröffentlichen und dem Discogs-Wahnsinn mit
Re-Issues die Preistreiberei auszutreiben. Besonders mit der Compilationsreihe „Brazilian Beats“ konnten sie kontempoäre/zeitgenössische Clubmusik und Untergrundströmungen Brasiliens zwischen Jazz,House und Drum’N’Bass dokumentieren. Danach wurde es etwas ruhig. Nun ist die Digger-Seele in heller Aufruhr bei fast jedem 45-Release. Sie lizenzierten rare Afro/Brazil/Latin-Goldstücke, die teilweise als Original unfassbar teuer sind. So bekommt nun z.B. das Stück „Yegele Tezeta“ von Ethio-Jazz-King Mulatu Astatke wieder auf Wax. Der Song verband vor 40 Jahren äthiopische Klangtradition mit groovigen Jazz zu einem unantastbaren Klassiker, den ja bekanntlich auch Damian Marley und Nas für „As we enter“ ausgeschlachtet haben. Golden!

Dusty DonutsMarc Hype, Naughty NMX, Jim Sharp – Uptown / Sugar Man

Label: Dusty Donuts

Format: Vinyl

Funk, Soul, Disco, HipHop – die Breaks verspielt und final einfach meisterlich serviert wird zum fünften Mal der staubige 45-Donut aus dem Kreise des Kollektives aus den DJs und Produzenten Marc Hype, Jim Sharp, Naughty NMX und Runex. Was die Jungs regelmäßig an den Plattentellern in Berlin, London und Hamburg zaubern, hat sich bereits rumgesprochen. Ihre 45-Only-Label bleibt dem Motto treu: „Sure Shot Lieferungen für DJs“ und allen, die Spaß am Spiel mit den Breaks haben und den Funk im Herzen tragen. Auf der fünften Single gibt es den modifizierten 1998er-Clubklassiker „Déjà Vu (Uptown Baby)„ von Lord Tariq und Peter Gunz und auf der B-Seite den Soulknaller „Sugar Man“ aus den DJ-Edit-Crates von Jim Sharp persönlich. Da wurde wieder einmal alles richtig gemacht. Chapeau, Männer. Pflichtkauf!

RBBRenegade Brass Band – Take No Chances, Make No Changes (Remixes)

Label: RBB

Format: Vinyl

Die Killer-Brass-Kapelle aus Sheffield sorgt seit einigen Jahren für richtig neuen Wind mit ihren dynamischen Hybridformen zwischen Funk, Samba, Brass und Jazz. Nun haben sie mit Lack of Afro und Diesler zwei britische Remixgrößen für sich gewinnen können, die ihrem Hit „Take no chances, make no changes“ noch einmal etwas mehr Power abgewinnen konnten. Hier spielen die Bläser-Sektionen ein buntes Spiel mit den aufgemotzen Beats und dem verdammt geilen Druck, den das Zusammenspiel zwischen Samples aus dem Original und den programmierten Elementen aufgebaut wird. Uptempo-Spaß für alle Gliedmaßen. Zwei Bretter für die Tanzfläche? Das geht nun wirklich nicht! Doch! Geht! Kleiner Tipp noch am Rande: Wer über Juno keine mehr beziehen kann, versucht es direkt über die Bandcampseite von RBB!

 

Black Feeling 3Various – The Black Feeling III

Label: Freestyle Records

Format: Vinyl / CD / Download

Die Briten sind weiterhin dem Funk-Fieber erlegen und besonders das englische Label Freestyle Records sorgt immer wieder für substantial hochwertige Releases. Auf der Compilationreihe “Black Feeling” widmet man sich auch auf der dritten Ausgabe dem Konzept der Re-Interpretationen von Klassikern. Dabei spielen aktuelle Funkkapellen zeitlose Musikperlen aus den Genres Jazz, Funk und Latin nach. Der Alleskönner aus Australien, Lance Ferguson – seines Zeichens musikalische Triebkraft hinter den Projekten The Bamboos, Cookin’ On’ 3 Burners oder Lanu, hat sich wieder einmal als Szenekenner und Sammler zu erkennen gegeben. Die Werke kommen aus Afrika, USA, Japan und Down Under. Nun gibt es durch die Bank außergewöhnliche Neu-Interpretationen von unvergessenen Stücken von Dexter Wansel, Joe Bataan, Herb Albert, Cymande (!!!) oder Mandingo. Die britischen Radioaktivisten (Craig Charles, Kev Beadle, Mike Chadwick etc.) sind zu Recht voll der Lobeshymnen. Diese Scheibe kann man blind kaufen.

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Phonk Ribery aka Peter Parker aka Peter Piper aka Phonk Sinatra aka Phonky Balboa schreibt seit über 15 Jahren über Musik. Er war u.a. tätig für das Uptown Strut Magazin, The Message, die Badische Zeitung, das Subculture Mag oder die Juice. Er ist Vinylist, Sammler, Schreiber, Plattenleger und seit einigen Jahren für die Kolumne Beatcorner in der Backspin zuständig. Neuigkeiten ballert er über www.1beat.de in die Blogosphäre. Hier und da sieht man ihn zwischen Straßburg, Basel, München, Köln und Freiburg auch an den 1210ern mit geschmackvollen Tunes zwischen Funk, Afro, Latin Grooves, Reggae, HipHop und viel Soul, wenn er nicht gerade Partys mit DJ-Legenden wie Marc Hype, DJ Lifeforce oder DJ Friction organisiert. Was ihn garnicht stört ist, dass man ihn als "Oldschool" beschimpft weil er Bücher, Printmagazine, guten Wein und Vinyl lieber mag, als Mp3s, Flatrate-Saufen und E-Books. Everybody, Mazeltov!

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