BEATCORNER 2.0 DEZEMBER 2015

Ergänzend zum Printmedium, ist die Beatcorner-Kolumne seit August diesen Jahres auch als Netzversion verfügbar. Mit dieser sollt ihr weiterhin Anregungen zum Plattenkauf bekommen. Nach wie vor wird die Sozialromantik um das Vinyl herum thematisiert, da wir das Kulturgut Schallplatte unverändert lieben und für wertvoll erachten. In regelmäßigen Abständen werdet ihr hier über Re-Issues, Edits, Klassiker, 45s und sonstige Errungenschaften informiert. Wir betrachten die Wurzeln der Hip-Hop-Kultur in all ihren Facetten zwischen Jazz, Funk, Soul, Disco und Reggae und schauen, wie gewohnt, über den Tellerrand in die Subgenres.

Neu ist die Möglichkeit, dass ihr euch an der Auswahl der präsentierten Platten beteiligen könnt. Wir nennen das„SUCK MY DIG!“ Erachtet ihr eine Scheibe als besonders und erwähnenswert, dann könnt ihr diese Entdeckung mit anderen teilen. Schickt eine Mail an beatcorner@backspin.de und wir werden diese Scheibe in dieBeatcorner integrieren.

Von Phonk Zander

Geschenke-Casting. Was legen wir uns denn Schönes unter unseren Weihnachtsbaum? Die Amy Winehouse-DVD? Die Illmatic-Dokumentation? Eine Bert Kempfert Biografie? Oder doch eine Schallplatte?! Hier kommen die Nominierungen für „das beste Weihnachtsgeschenk für einen Vinyl-Liebhaber“!

In der Kategorie „Liebe und Sammeln“:

A1thC85QDVL2Dusty Grooves – Plattensammler und ihre Heiligtümer

Format: Buch

Verlag: Eden Books

Das Buch von Eilon Paz ist über die letzten Jahre zu einem verehrungswürdigen Monster gewachsen. Der israelische Plattenfreund hat Sammler besucht und interviewt. Das umfangreiche und sehr schön visualisierte Werk dokumentiert jede jene Formen der Liebe zum Vinyl, die manchen Menschen wirklich Angst macht. Hier ersten prominente (Questlove, Gilles Peterson, RZA, Hieran Hebden) und unbekannte Sammler was Passion wirklich bedeutet. Sie gewähren fast schon intime Blicke in ihre Welt zwischen Ordnen, Entdecken/Wiederentdecken, Entstauben, Philosophieren und Feiern. Die Fotografien sind fast schon phänomenal und sagen oft mehr über die Leidenschaft der Schallplattensammler aus, als die Texte. Paz hat sein fast schon unglaubliches Meisterstück über eine Nischenkultur geschaffen. Erschienen ist es in deutscher und in englischer Sprache!

 

In der Kategorie „Christbaum & Musik“:

V/A – Santa’s Funk & Soul Christmas Party Vol. III51AacZSPFaL

Label: Tramp Records

Format: CD / Download / LP

Marc Hype diggt ja seit drei Jahren immer schön in den staubigen Plattenkisten um einen neuen, wunderbaren Christmas-Mix zu veröffentlichen, auf den man sich immer riesig freut – allein schön, weil man dann Oma’s Kassette “Heintje singt traditionelles Liedgut zu Weihnachten” (oder respektiv Helene Fischers CD zum Fest?) nicht ertragen muss. Tramp Records aus München hat sich als heimliches Nikolausliedlager markiert. Zum vierten Mal haben sie tief in den internationalen Archiven gewildert und feinstes Soulvergnügen zum Fest ausgegraben. Jahrelange Recherche führte zu den einzelnen Titeln, die Sean Delany und Jan Kohlmeyer ausgewählt haben. Diese Funk- und Soul-Perlen sind die abschließende Krönung der Serie. Kaum zu glauben, welch wundersamen Fundstücke erst jetzt den Weg auf
eine CD und Langspielplatte fanden – meist erstmals in ihrer Geschichte. Exklusive Shit!

 

In der Kategorie „Digger, ohne dieses Teil kann ich nicht leben“

V/A – The BrasileiroTreasure Box of Funk & Soul614K15gdXpL

Label: Culture of Soul Records

Format: 7inch

Breaks! Yes! In der kunterbunten Specialbox tummeln sich nur Schätze. Allen voran das Überteil „Bochechuda“ von Toni Tornado. Dessen Name hört sich an wie ein Urwaldsuperheld – und tatsächlich ist er es auch. Die Expertenrunde Greg Caz und Deano Sounds haben sich hier zu einem Schmankerl getroffen. Wenn diese Jungs „Vintage Brazilian Music“ ankündigen, ist das auch in schöner Sorgfalt vorsortiert und ausgewählte Kunst in unterschiedlichster Ausrichtung. Exquisites und teils sehr rares Material zwischen psychodelischem Funk, Bossa und Soul. Die Legende besagt, dass Madlib sich hier die Samplestipps abholt, die er selbst noch nicht entdeckt hat. Recht hat er, weil was Emilio Santiago, Osmar Milito E Quarteto Forma oder Tome Ze hier in den ersten Jahren der 1970er gezaubert haben, ist unfickbar schön. Und nur so ganz nebenbei: Die Bläser auf „Labirinto“ von 2001 & Beto sind zum niederknien. 7 x 45s = 14 x Hymne.

 

In der Kategorie “Feuchter Nerdtraum”R-4427548-1407577333-6977.jpeg

African Souls Band / Wganda Kenya – Afro Funk Gems Volume Four

Label: Mukatsuku

Format: 7inch Vinyl

Nik Weston ist und bleibt eine Institution des weltweiten Diggertums. Die 45-Reihe „Afro Funk Gems” geht limitiert in die vierte Runde und präsentiert zwei extra-dope Afrostomper mit Funk & Disco-Einflüssen. Teilt man die Plattenteller mit Experten wie den DJs und Sammelwundern Marc Hype aus Berlin oder Winston Smith aus Strassbourg entdeckt man nachts um 1 im Club welch eine Energie besondern die Kenya-Nummer hat. Afrikanische Musik, die teilweise nur in Frankreich bisher veröffentlicht wurde, kann man nun auf diese Weise wiederentdecken. Diese dicke Bassline und diese eindringlichen Wah-Wah-Riffs machen „El Abanico“ zu einem Feuerwerk. Interessanter Nebenaspekt: Wganda Kenya veröffentlichte 6 Alben und auf keinem war diese Perle zu finden. Es ist also wie geschaffen für eine 45-Veröffentlichung wie wir sie lieben. Mehr davon, Nik!

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Phonk Ribery aka Peter Parker aka Peter Piper aka Phonk Sinatra aka Phonky Balboa schreibt seit über 15 Jahren über Musik. Er war u.a. tätig für das Uptown Strut Magazin, The Message, die Badische Zeitung, das Subculture Mag oder die Juice. Er ist Vinylist, Sammler, Schreiber, Plattenleger und seit einigen Jahren für die Kolumne Beatcorner in der Backspin zuständig. Neuigkeiten ballert er über www.1beat.de in die Blogosphäre. Hier und da sieht man ihn zwischen Straßburg, Basel, München, Köln und Freiburg auch an den 1210ern mit geschmackvollen Tunes zwischen Funk, Afro, Latin Grooves, Reggae, HipHop und viel Soul, wenn er nicht gerade Partys mit DJ-Legenden wie Marc Hype, DJ Lifeforce oder DJ Friction organisiert. Was ihn garnicht stört ist, dass man ihn als "Oldschool" beschimpft weil er Bücher, Printmagazine, guten Wein und Vinyl lieber mag, als Mp3s, Flatrate-Saufen und E-Books. Everybody, Mazeltov!

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