Basstard „Meister der Zeremonie“ (Review)

Basstard-Meister-der-Zeremonie-Album-Cover-475Seit Basstards letztem Release „Zwiespalt (Weiss)“ sind mittlerweile vier Jahre vergangen. Nun stellt sich die Frage: Wo hat sich der Berliner in der Zwischenzeit eigentlich rumgetrieben? Man kann auf jeden Fall sagen, dass er die Zeit sinnvoll genutzt hat. Er absolvierte an der SAE ein Audio-Engineering-Studium und knüpfte dabei zahlreiche Connections. Beispielsweise schnappte er sich zwei Dozenten, Timo Krämer und Sebastian Metzner, die dann als Produzenten an dem aktuellen Album mitwirkten.

Und was ist dabei raus gekommen? Fangen wir bei den Grundlagen an: Flowtechnisch überrascht Basstard mit großer Vielfalt. Hier mal etwas schneller, da mal etwas erzählerisch, und dort dann grade zu geschrien. Er setzt seine Stimme gezielt ein, um eine bestimmte Stimmung, eine Atmosphäre zu schaffen.

Musikalisch ist „Meister der Zeremonie“ ganz großes Kino. Kino trifft es recht gut auf den Punkt, da viele Beats etwas sehr episches, epochales an sich haben und wahrscheinlich auch problemlos als Filmmusik funktionieren würden. Auffällig sind die eingesetzten „richtigen“ Instrumente wie Gitarre, Schlagzeug und vor allem Geige. Die Zugabe einer Instrumental-CD ist hier auf jeden Fall berechtigt und sinnvoll, da die Beats selbst ohne den dazugehörigen Rap Spaß machen.

„Spaß“. Ja, auch das ist eigentlich der korrekte Ausdruck. Dass ein Basstard-Album ausschließlich düster sein muss, stimmt nämlich nicht. Natürlich ist die Grundstimmung der Platte nicht unbedingt blumig – schließlich stammt sie von einem der Mitbegründer des hiesigen Horrorcore-Raps. Trotzdem fährt sie mit jeder Menge Abwechslung auf. Klar gibt es da eher beklemmende, schaurige Tracks, die vermutlich in einer schwarzen Kutte mit Feder und Tintenfass geschrieben wurden. Andererseits sind da aber auch hellere, fröhlichere Titel, die schon fast etwas Poppiges an sich haben. Mit „Prinzessin der Straße“ ist sogar eine soulige Swingnummer vertreten, die sich überraschend gut ins Gesamtbild eingliedert. Gefeaturet wird Basstard dabei auf dem Album von Indira Weis. Weitere Unterstützung gibt es beispielsweise von Prinz Pi, Sido, Kontra K und der Bass Crew. Die Gastparts stellen eine gelungene Ergänzung dar und gerade der Song „Berliner Chaoten“ mit MC Bogy, Manny Marc und Frauenarzt zeigt dem Hörer ein bisschen von Basstards Wurzeln. Außerdem gibt der Berliner tatsächlich etwas von seiner emotionalen Welt preis und lässt den Hörer deutlich spüren, was es eigentlich heißt „Fernweh“ zu haben oder dieses „Mädchen aus dem Osten“ zu bewundern. Wem das alles nicht Horror genug ist, der muss keine Sorge haben: Einfach zu den drei Bonus-Tracks skippen, da findet man mehr als genug davon! Denn es gilt klarzustellen: „Man nennt mich nicht Basstard, weil ich so ein verdammt sympathischer Typ bin!“

Abgesehen von Album und Instrumental-CD gibt es in der limitierten Fanbox übrigens noch ein ganz besonderes Extra: Ein 3D-Hörspiel. Mit Hilfe von Kopfhörern kommen die darin erscheinenden Geräusche aus verschiedenen Richtungen, das lässt den Zuhörer als Protagonisten ganz tief ins Geschehen eintauchen. Betrachtet man die sonst üblichen, kleinen Geschenke in Fanboxen, macht das schon richtig was her.

Dass sich an Basstards Horror-Rap die Geschmäcker scheiden, liegt nahe. Objektiv betrachtet haben wir es hier aber mit einem Künstler zu tun, den man zu Recht als solchen bezeichnet. Zudem ist er ein wirklich gebildeter, eloquenter Kollege und hat eine so mitreißende Art, dass man nach dem Hören des Albums große Lust bekommt, zu recherchieren, wer eigentlich dieser „Asmodeus“ ist, dem gleich ein ganzer Track gewidmet wurde.
Fazit: Für „Meister der Zeremonie“ haben sich vier Jahre warten absolut gelohnt!

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Sie verknallte sich schon lang vor ihrem Journalistikstudium in die Rapmusik und schreibt gerne mal via BACKSPIN.de den ein oder anderen Liebesbrief.

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