Bass Sultan Hengzt: „Heutzutage sind Disstracks langweilig“

Am 24. Februar erscheint mit „2ahltag: Riot“ der Nachfolger des „Zahltag“-Albums von Bass Sultan Hengzt, das 2009 erschien. Schon vor Albumrelease ist in den letzten Wochen einiges passiert: Eine musikalische Auseinandersetzung mit Jennifer Weist, eine Videokopplung namens „Donald Trump“ und einen Disstrack gegen Chakuza zum Beispiel.Wir haben uns in Berlin mit Hengzt zum Interview getroffen und mit ihm über „2ahltag: Riot“, Sexismus und den Index gesprochen.

Der „Zahltag“-Nachfolger „2ahltag: Riot“ steht in den Startlöchern. Seit „Zahltag“ sind mittlerweile acht Jahre vergangen. Was sagt es über dein aktuelle Stimmung aus, dass genau jetzt der Nachfolger kommt?

Bass Sultan Hengzt: Wie auch bei „Zahltag“ war bei „2ahltag“ sehr viel Aggression in mir, die ich auf dem Album rauslasse. In den letzten Jahren gingen mir einige Leute tierisch auf den Sack, weil sie respektlos mit mir geredet haben. Außerdem wollten die Fans unbedingt ein „Zahltag 2“, also war jetzt der passende Zeitpunkt. In der Box ist neben dem Antistressball und Kopfhörern noch ein Remixalbum drin, das ich selbst produziert habe. Außerdem ist in der Box noch ein geheimes Album enthalten. Ich habe das in der bisherigen Promophase extra noch nicht erwähnt. In der heutigen Zeit schiebt eh jeder Abfuck wegen der Deluxeboxen, deshalb dachte ich mir, ich packe einfach noch ein Album rein.

Du hast während des Produktionsprozesses direkt noch ein Album aufgenommen?

Bass Sultan Hengzt: Genau. Wir haben letztes Jahr im November damit begonnen. Die Haupttracks von „2ahltag“ haben vielleicht einen Monat in Anspruch genommen. Das geheime Album ist auch ein Battlerap Album, aber da finden sich auch lustigere Songs drauf.

Wie ist die Liste der Personen und Institutionen zusammengekommen, die auf „2ahltag“ Erwähnung finden?

Bass Sultan Hengzt: Ich bin meine Twitter-Timeline durchgegangen und habe geguckt, wer die letzten Jahre frech zu mir war. Oder es waren Aktionen wie die von Four Music, die einfach Songs von mir sperren lassen. Jennifer Weist (Sängerin Jennifer Rostock, Anm. d. Vf.) hat einen Song veröffentlicht, der „Hengstin“ hieß. Aus Gag habe ich mit einem Song namens „Stute“ reagiert. Daraufhin hat Four Music den Song auf YouTube sperren lassen. Außerdem gab es total viele Online-Portale, die sich selbst als HipHop-Medium schimpfen, sich aber nicht mal mit meiner Story auseinandersetzen und mich als total sexistisch betiteln.

Wie entgegnest du diesen Sexismus-Vorwürfen?

Bass Sultan Hengzt: Natürlich bin ich kein Sexist. Aber ich mache Battlerap und ich glaube, 2017 muss ich nicht mehr erklären, was Battlerap ist.

Früher habe ich immer noch versucht, dagegen anzukämpfen, aber inzwischen ist mir das völlig egal.

Ich mag die Musik von Jennifer ja eigentlich und fand sogar den Song cool. Der Grund für meinen Song war ja auch nicht, dass ich mich als Mann angegriffen gefühlt hätte oder sowas. Ich fand den Beat cool, fand das Video cool und wollte einen Song darauf machen. Dann habe ich erst gesehen, dass der Song ja „Hengstin“ heißt und habe eben auf meine Art und Weise geantwortet.

Gibt es für dich Grenzen im Battlerap? Kürzlich hast du einen Disstrack gegen Chakuza veröffentlicht, in dem Nazi-Anspielungen machst, nur, weil er Österreicher ist.

Bass Sultan Hengzt: Natürlich gibt es Grenzen. Nachdem der Anschlag am Berliner Breitscheidplatz passiert ist, habe ich mich dazu entschieden, mit der Promo zu warten und das Album einen Monat später zu veröffentlichen. Das wäre einfach zu makaber gewesen. Ansonsten sollte es aber keine Grenzen geben, wenn es witzig gemacht ist. Dennoch gibt es Themen wie Kinderpornografie oder sowas, die einfach kacke sind. Das würde ich natürlich auch nicht machen.

Jemanden als Nazi zu betiteln ist aber in Ordnung?

Bass Sultan Hengzt: Ich wusste, dass Chakuza sich riesig aufregt, wenn ich ihn als Nazi betitle. Serc hat mir im Studio noch davon abgeraten. Natürlich ist Chakuza kein Nazi und auch Österreicher sind prinzipiell keine Nazis, ich liebe Österreich. Ich wusste aber eben, dass das sein wunder Punkt ist und da der Spaß aufhört. Das war gleichzeitig aber auch eine Art Warnschuss, da ich zu ihm meinte, wenn ich ihn richtig disse, wird es eklig. Das war ein kleiner Vorgeschmack auf das, was passieren könnte.

Existiert jemand in der deutschen Rapszene, den du niemals musikalisch angehen würdest?

Bass Sultan Hengzt: Orgi. Ich würde Orgi aus dem einfachen Grund niemals angehen, weil ich ihm einiges zu verdanken habe und nicht vergesse, wo ich herkomme.

Eine Singleauskopplung aus „2ahltag“ trägt den Titel Donald Trump – wieso widmest du ihm einen Song?

Bass Sultan Hengzt: Donald Trump ist ein krasser Punchline-Rapper. Ich habe mir die Dinge angehört, die er gesagt hat, und habe daraus einen Song gemacht.

Hast du keine Angst, fälschlicherweise für einen Trump-Sympathisanten gehalten zu werden?

Bass Sultan Hengzt: Ja, aber was soll dann passieren? Selbst, wenn man mich in der Hinsicht kritisiert, verkaufe ich dadurch nicht weniger Platten. Vor ein paar Jahren habe ich damit aufgehört, mir Gedanken darüber zu machen, was Leute über mich denken. Solange mein Freundeskreis, in dem ich mich bewege, mich feiert und mit mir cool ist, ist mir egal, was Außenstehende denken. Ich hatte in der Bild mal eine Schlagzeile, die lautete: „Ist Bass Sultan Hengzt ein Nazi?“. Die kam zustande, weil das Doppel-S in meinem Logo dem SS-Zeichen ähnlich sah. Die Leute, die mich feiern und die meine Musik hören, verstehen mich aber und wissen, wer ich bin. Was irgendwelche anderen denken, interessiert mich nicht.


Wünscht du dir, dass Künstler öfter ihre Musik sprechen ließen anstatt sich für Dinge zu rechtfertigen?

Bass Sultan Hengzt: Ich glaube, das kommt von alleine. Gerade Leute, die diese Erfahrung noch nicht gemacht haben, rechtfertigen sich andauernd. Ich mache lediglich meinen Standpunkt klar, dass es mir egal ist. Mach doch einfach das, was dir Spaß macht und was die Leute von dir erwarten.

Kommen wir noch einmal auf Disstracks zu sprechen: Was macht für dich prinzipiell einen guten Disstrack aus?

Bass Sultan Hengzt: Der Beat. Der Disstrack muss nicht zwingend eine Story ergeben, aber er muss definitiv treffen. Wenn die Lines sitzen, feiere ich es.

Wie haben sich Disstracks in den letzten Jahren in deinen Augen entwickelt?

Bass Sultan Hengzt: Sie sind viel länger geworden. Keine Ahnung, ob man das unbedingt machen muss, aber, wenn er dann noch gut ist, ist’s natürlich super. Mit Ausnahme von Eko Fresh und Kool Savas damals, haben die Leute damals, glaube ich, nie so lange Disstracks rausgehauen. Es bewegt sich mittlerweile auch auf einem viel höheren Niveau.

Ist es heute schwieriger, einen treffenden Disstrack zu liefern als es noch vor ein paar Jahren war?

Bass Sultan Hengzt: Heute sind Disstracks einfach nicht mehr so spannend. Ich habe mich neulich sogar öffentlich bei meinen Fans entschuldigt, dass ich einen Disstrack gegen Chakuza mache, weil ich auch einfach ein bisschen albern finde.

Ist früher ein Disstrack veröffentlicht worden, war das ein richtiges Highlight, heute ist vieles langweilig.

Eine Ausnahme ist natürlich, wenn zwei große Nummern wie Kay One und Bushido aufeinandertreffen.

Welche Rolle spielt Social Media und die Stimme der Fans?

Bass Sultan Hengzt: Du brauchst trotzdem eine Grundeinstellung, die du vertrittst. Dann kommunizierst du mit den Fans. Ich habe zum Beispiel meine Grundeinstellung zum Thema Chakuza. Dazu kam dann die Fans, die zusätzlich immer etwas gepikt und mich animiert haben, den Disstrack aufzunehmen.

Apropos Fans: Du hast eine Wette mit deinen Fans laufen – sie sollen den konkreten Tag der Indizierung von „2ahltag“ erraten. Bist du dir jetzt schon sicher, dass die Platte auf dem Index lande wird?

Bass Sultan Hengzt: Nein, komplett sicher bin ich mir nicht. Es gibt ein, zwei Lines, die sehr hart sind und die dazu führen könnten, dass es auf dem Index landet. In der Vergangenheit habe ich ja schon meine Erfahrung mit der BPjM gemacht und weiß, was sie sicherlich nicht so witzig finden werden. Ich habe wirklich ein ganz komisches Verhältnis zu denen, die haben alle meine Alben indiziert – warum auch immer. Die wollten sogar „Millionär“ indizieren, das muss man sich mal reinziehen.

Bei der Wette klang es fast so, als sei eine Indizierung eine Art Qualitätsmerkmal von Musik für dich. Was würde eine erneute Indizierung für dich konkret bedeuten?

Bass Sultan Hengzt: Ich fände es witzig, wenn es wirklich indiziert wird, weil das heißt, dass auch 2017 noch indiziert wird und somit wirklich alle Hengzt Alben auf dem Index sind. Allerdings habe ich jetzt auch nicht unbedingt so geschrieben, dass es definitiv drauf landen wird.

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