Bartek: „Jeder hat Probleme, warum soll man sich mit meinen beschäftigen?“

bartek_pressebild_3_webServus!
Kaum ein Bevölkerungsgrüppchen leidet in Berlin wohl unter solch einem schlechten Ruf wie die Schwaben. Bartek ist nicht nur ein Schwabe in der Hauptstadt, sondern auch Chimperator-Künstler, der aktuell mit seiner neuen EP „Servuslichkeiten“ am Start ist.
Das Orsons-Mitglied stand uns im Interview Rede und Antwort. Selbstverständlich sprachen wir über „Servuslichkeiten“, warum er gern als Redman der Deutschrap-Szene wahrgenommen werden würde und wie es um weitere Projekte der Orsons bestimmt ist.

 

Deine kommende EP trägt den Titel „Servuslichkeiten“ – erklär doch mal den Schwaben-Lifestyle in deinen eigenen Worten.

Bartek: Der Lifestyle besteht aus Humor, Offenheit der Welt gegenüber, im-Hier-und-Jetzt leben, und aus pumucklmäßigen Auswürfen! Servuslichkeiten eben.

Wieso genießen Schwaben in Berlin eigentlich meist so einen miesen Ruf?

Bartek: Weil sie weltoffen sind, Humor haben und Servuslichkeiten sagen. Und viele Berliner arbeitslose „Künstler“ denken, die Schwaben nehmen ihnen den „Arbeitsplatz“ weg, im Café hinten links am Fenster.

Deine Musik wird inhaltlich von spaßigen Themen dominiert, wieso ist das so und kannst du dir irgendwann auch ein Projekt vorstellen, in denen wir eine andere, ernstere Seite von Bartek kennenlernen?

Bartek: Ich mache gerne Musik, die mir Spaß macht, bei der ich mich bewegen will oder wo ich mitrappen will. Bestimmt wird es auch ein Projekt mit ernsten Sachen geben, aber dann so wie Johnny Cash es sich vorgestellt hat, dass der Künstler nämlich hinter den Songs verschwindet.

Es muss egal sein, von wem der Song ist. Wichtig ist, dass er Menschen berührt.

Die Ikonisierung meiner Person und das ganze Person-bezogene ernste Zeug, das ist nicht meins, jeder hat seine Probleme, warum dann sich mit meinen beschäftigen als Hörer?

Wie sieht dein persönlicher Musikgeschmack aus? Hast du selbst ein Faible für Musik mit Augenzwinkern?

Bartek: Hätte ich gerne, aber da ich ja den ganzen Tag Wahnwitz als Grundmodus habe, höre ich eher Instrumental Musik, Lambert, oder Chilly Gonzales.

Inwiefern unterscheidet sich die Kunstfigur Bartek bei Soloprojekten von der, die an Orsons-Projekten partizipiert?

Bartek: Dass Bartek solo genau machen kann, was er will, und Refrains machen kann, wie er will. Ich glaube, ein „whipsch du´s a lot“ hätte es nicht auf ein Orsons Album geschafft. Aber der Song ist wichtig!

Ich kann mir vorstellen, dass es oft ziemlich schwierig ist, mit Partnern wie Tua oder Maeckes, die in ihrer Musik beide eher ernstere Töne anschlagen, auf einen musikalischen Nenner zu kommen, oder täuscht das?

Bartek: Das täuscht, wir können alle gemeinsam auf einem Lied abspacken, genauso können wir eine Song wie „Grün“ machen, und alles ist gut.

Apropos Orsons: Ihr wart, bzw. seid aktuell alle mit Soloprojekten beschäftigt. Darf man schon eine Zukunftsprognose stellen, ob und wann sich die Orsons mal wieder für ein weiteres Projekt zusammenfinden?

Bartek: Ich könnte mir vorstellen, dass die Orsons gerne ein Projekt „gemeinsamer Urlaub“ machen würden, denn wir sehen uns durch die Solo Dinge seltener und vermissen uns. Den Rest muss man schauen…

Wie sieht ein typischer Produktionsprozess bei Bartek aus? Wie darf man sich das Texteschreiben bei dir vorstellen?

Bartek: Das frage ich mich auch. In letzter Zeit weiß ich nicht, wie ich schreibe oder wann, aber auf einmal sind die Texte dann da. Im Studio habe ich dann alles parat. Aber wann das entsteht bekomme ich nur am Rande mit, beim Autofahren, auf langen Zugfahrten, sowas halt.

Woher stammt deine Liebe für verfälschte englische Übersetzungen?

Bartek: Aus alten Otto-Kassetten. Ich war früher der größte Otto-Fan der Welt. Und dieses nicht ganz richtig ins deutsche Übersetzen hat mich zum Ausflippen gebracht, ich lache mich tot, und suche immer neue Bonmots, die man dann falsch übersetzen kann

Du warst gemeinsam mit DJ Jopez in London – was habt ihr dort getrieben?

Bartek: Wir waren in den Redbull-Studios und haben acht Tage dort im Akkord im Studio an Songs gearbeitet. Zwei davon sind auf der EP gelandet, die anderen sind für nächste Projekte.

Kannst du besser unterwegs Kreativität für neue Projekte sammeln? Welche sind die optimalen Bedingungen für dich, um kreativ zu werden?

Bartek: Gerne unterwegs. Auf Flohmärkten treibe ich mich zur Zeit gerne rum, in Cafes setze ich mich auch gerne und scheuche Berliner weg.

Bisher gab es von dir als Solokünstler lediglich EPs. Was hat dich bisher daran gehindert, ein Soloalbum aufzunehmen und wird sich das noch ändern?

Bartek: Mal sehen, ob sich das ändern wird.

Den Menschen ist es egal, ob es ein Album von dem Künstler gibt. Hauptsache Content.

Songs, die man anhören kann. viel davon. Ich finde es wie Trettmann das macht, ganz toll. Immer EPs, immer nur das geilste Material. Da höre ich gerne zwei hintereinander, das ist dann auch wie ein Album.

Wie siehst du deine Position in der deutschen Rapszene und wie würdest du gern wahrgenommen werden?

Bartek: Ich sehe mich als Redman, der aus den guten Tagen, wo er fresh war und sehr Rap. Ich würde gerne von der Rapszene als Beyonce wahrgenommen werden, die Redman gegessen hat, und nun sehr Rap ist und tanzt und geil ist. Mit Welthits!

Du stehst bei Chimperator unter Vertrag. Inwiefern übt es einen Leistungsdruck auf dich aus, so viele so erfolgreiche Künstler in deinem direkten Umfeld zu haben?

Bartek: Das passt schon. Überall gibt es Druck, ob nun im Büro ein anderer Grafiker auch erfolgreicher ist, oder in der Post einer schneller arbeitet, das ist normal. Normaler Druck.

Was ist für die Zukunft nach Release von „Servuslichkeiten“ geplant?

Bartek: Besinnung aufs Produzieren, Musik ansammeln, und dann im tiefen Winter einschließen und schreiben. Das wäre toll. Sicher auch kurz ein Urlaub um dann geil ins nächste Jahr zu starten.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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