Ohne Skills kannst du keine Atmosphäre schaffen. Bambus aus der Quarantäne über „Shiny“

Die W-LAN Verbindung ist ok, der Laptop Akku ist voll aufgeladen, die PDF Datei mit meinen Fragen ist gut auf dem Desktop sichtbar und ich habe meine gemütlichste Jogginghose an. Unter normalen Umständen wären die aufgezählten Sachen für ein Interview nicht essenziell gewesen. Es ist aber der 20. März 2020 und die Corona-Krise hat auch unsere Redaktion bei BACKSPIN erwischt. Da Not bekanntlich erfinderisch macht, führe ich mein Interview also über Skype. Lang lebe die Digitalisierung, ich darf nach 10 Tagen „Quarantäne“ endlich ein neues Gesicht sehen. Es soll das Gesicht von Bambus sein, der das Interview übrigens um eine Stunde nach hinten verschoben hat, weil er in seinem Zimmer noch am Musizieren war. Ja, das ganze bringt also auch Vorteile mit sich, denn wir haben nun alle sehr viel Zeit. Zeit das zu machen, was wir lieben, solange es sich in unseren vier Wänden abspielt oder eben Zeit Dinge zu erledigen, die wir immer aufgeschoben haben. Ich hatte zum Beispiel genug Zeit mich mit „Shiny“ auseinanderzusetzen. Das ist der Name vom neuen Bambus Album und über das haben wir uns unter anderem unterhalten.

 

„Die Gedanken sind nicht eingesperrt“

Ja, klar geht es erstmal um Corona. Aber Bambus stellt schnell klar, die Umstände hindern ihn nicht daran weiter seiner Leidenschaft nachzugehen. Sein neues Album ist am Tag unseres Interviews erst eine Woche alt, doch ein Home-Studio und die Aufforderung zuhause zu bleiben können nur in Musik machen münden. Bambus und Musik das ist auch ohne Corona immer eine Sache für sich gewesen: Aufgewachsen in einem Dorf, wo „alle anderen immer Fußball gespielt haben“, war er der Einzige, der sich so wirklich für Musik interessierte. Damals hatte es ihm unter anderem Eminem, 50 Cent und Carlo Coxx Nutten angetan. Heute werden Joe Space, Konz und Lugatti & 9ine genannt, wenn man ihn fragt, welche Deutschrapacts man auf dem Schirm haben sollte. Irgendwann zog es ihn nach Dortmund, wo man gleichgesinnte traf und ab da an ging es für Bambus so richtig los.

 

„Du kannst keine Atmosphäre schaffen, wenn du keine Skills hast“

Nach zwei Jahren Arbeit an dem Album seien er und seine Produzenten Philchef und Vanta mit „Shiny“ zufrieden gewesen. Der Ansatz sei bei früheren Projekten schon sichtbar gewesen, aber das aktuelle Album habe den Anspruch, die er an seine eigene Musik hat, vollständig erfüllt: Atmosphäre. Am Album habe man zu 50% mit den Jungs im Studio gearbeitet. Die Produzenten lieferten die angenehmen Trap-Beats, die Hook sei meistens organisch entstanden: „Ich habe die Hooks fast nie aufgeschrieben, sondern gefreestyled.“ Für die Parts habe er sich dann mehr Zeit gelassen und Zuhause weitergeschrieben. Unterstützung gab es in Form von Feature Parts auch von Kollegen Odd John und Muso.

 

An dieser Stelle brechen wir das Interview kurz ab. Doch, die Internetverbindung steht, aber ich darf mir ein vor zwei Stunden entstandenen, neuen Song anhören. Inspiriert von der ganzen Corona-Thematik und die damit verbundene Abschottung von der Welt: Bambus kann auch aggressiv. „Die Umstände inspirieren einen, ich könnte nicht jeden Tag schreiben, ich muss Sachen erleben und verarbeite die dann.“ Ein fröhlicher Song sei in diesem Moment einfach nicht zu machen.

Doch zurück zu „Shiny“. Die anderen 50% des Albums seien durch Erlebtes entstanden. Trennung ist ein großes Thema auf dem Album. „Ich habe mir dann einfach Beats gepickt, die dazu gepasst haben und meine Emotionen rausgelassen.“ Melodische Melancholie. Ich glaube das beschreibt das Album gut. Die Resonanz zu seinem neuen Album, habe ihn erfreut. Fans haben ihm mitgeteilt, dass ihnen die Songs in der Einsperrung helfen, den Kopf öffnen und beim Fantasieren helfen. Übrigens könnt ihr mittlerweile auch in den Geschmack des aggressiveren Bambus‘ kommen. In der Zwischenzeit wurde der Song nämlich veröffentlicht.

Erzähl Digger, erzähl

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