BACKSPIN unterwegs: Marsimoto in „Green Hamburg“

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Marsimoto in den Docks an der Hamburger Reeperbahn

 

Lange ist es her, dass man Marsimoto auf einer kleinen Bühne hat spielen sehen, wie er ihr bereits eine Hymne widmete. Genauer gesagt etwa 3 1/2 Jahre. Solange liegt die „Green Tour 2012“ zurück. Nun, einige Jahre und ein Album später bekommt die Tour ihr Update auf 2015. In der Zwischenzeit bekam man den Marsianer als Support seiner zweiten Persönlichkeit Marteria in weitaus größeren Hallen zu sehen, von Festival – Auftritten bei Rock am Ring oder dem splash!-Festival ganz zu schweigen. Da wirkt die verhältnismäßig kleine Bühne der Docks schon etwas ungewohnt. Draußen, vor dem grün ausgeleuchteten Docks warten bereits zahlreiche Fans, gekleidet in grün und mit auffälligen Accessoires wie Masken, angemalten Gesichtern oder Marsimoto-Merch, hauptsache eins wird eingehalten: Dresscode Green.

KidSimiusLive1Tatsächlich ist schon vor Beginn erkennbar, dass die Show für die Festivalbühnen konzipiert ist, auf der Bühne ist vor lauter Instrumenten kaum Platz. Nach und nach füllt sich die Halle, bevor die Show beginnt, laufen Weihnachtslieder vom Band. Immerhin gab es in diesem Jahr bereits den ersten Schnee, warum nicht also schon auf Weihnachten vorbereiten. Um 19.40 Uhr beginnt sich das erste Mal etwas auf der Bühne zu regen, Dead Rabbit tritt an ein kleines Pult und beginnt den Abend mit einigen Songs, die alle im Zeichen des von Marsi allzu oft angepriesenen Grünen Gold stehen, einzuleiten. Von Samy Deluxe, über Telly Tellz, bis hin zu Marsimoto selbst, gibt es Songs im Dead Rabbit Soundgewand zu hören. Nach etwa 20 Minuten ist das DJ-Pult samt Dead Rabbit bereits von der Bühne verschwunden, The Pimentos betreten die Bühne. Kid Simius und sein Bruder beginnen bereits als Voract aus allen Rohren zu feuern. Es wird weder an Nebel, noch an spektakulärer Lichtshow gespart, die Stimmung des Publikums steigt sichtbar. Zu hören bekommt man die ein oder andere Darbietung aus seinem aktuellen Album Wet Sounds, für die der Spanier gefühlt fünf Instrumente gleichzeitig spielt. Ob Theremin, Gitarre, Keys oder einfach an der Mundorgel, es scheint wenig zu geben, das er nicht beherrscht. Da der Abend im Zeichen des grünen Mannes steht, darf auch hier ein Mix nicht fehlen, die Pimentos nehmen sich „Tijuana Flow“ von Ring der Nebelungen vor.

MarsiLive4Um 21 Uhr ist es dann soweit, das Docks ist prall gefüllt, das Publikum ist richtig gut drauf und auch auf der Bühne ist mittlerweile genug Platz für Marsi geschaffen. Die perfekte Voraussetzung für ein gutes Konzert. Es wird dunkler, die Nebelmaschinen laufen auf Hochtouren, die Bühne wird in grünes Licht getaucht, spacige-mystische Klänge geistern durch die Boxen. Schließlich setzt der Beat ein, Marsimoto betritt die Bühne durch die Nebelschwaden und der Bühnenvorhang, der eine riesige, grün ausgeleuchtete Maske verbirgt, fällt. Der Auftritt wird direkt durch seinen dröhnenden Hit „Illegalize it“ eröffnet. Nahezu jeder der rund 1500 Gäste kann mitrappen. Mitsamt Live-Band wird ein Querschnitt der Diskographie Marsimotos dargeboten, egal ob als alteingesessener oder als gerade erst dazugestoßener Fan, hier kam keiner zu kurz. Vom neuen Album konnte man sich über „Usain Bolt„, „Anarchie„, „Green Pangea„, oder auch „Meisterwerk„, zu dem sich die Halle zum ersten Mal mit dem süßlichen grünen Rauch füllte, freuen. Begleitet wurde die von A bis Z minutiös durchgeplante Live-Show von Strobos en masse, für Epilepsie-Kranke stellt die Show somit wohl eher ein mutiges Unterfangen dar.

Überhaupt ist es durchaus ambitioniert, die für die größten Bühnen des Landes konzipierte Show auf das beschauliche Docks zu übertragen, der Marsimoto-Cru gelingt dies allerdings ausgezeichnet. Ohne vollkommen überladen zu wirken wird ein Effekt-Feuerwerk nach dem anderen abgefeuert. Einige Songs werden für die Bühne neu aufgelegt, mit Elektro und Dubstep-Elementen versehen oder um ein Live-Outro verlängert, wer bereits einmal einer Marteria oder Marsimoto-Show beiwohnen durfte, dem ist dieses Konzept nicht fremd. Besonder gut gelingt dies bei dem Titelsong des letzten Albums. Die eigentlich ruhigere Kiffer-Hymne „Grüner Samt“ wird um ein Synthie-Gewitter verlängert, das die ganze Menge zum Toben bringt. Der Stimmungs-Peak wird bei „Wellness“ und „Grünes Haus“ erreicht. Flankiert von zwei Gitarristen bekommt man eine spektakuläre Show von Marsi geboten. Ein glücklicher Fan darf sich zudem über den Indianer-Kopfschuck freuen. Als dieser während der Show von der Maske rutscht, wird er einfach kurzerhand in die Menge geworfen.

MarsiLive9Nach etwa einer Stunde verabschiedet sich Marsimoto von der Bühne, die Verwunderung im Publikum ist zunächst erkennbar. Schließlich wurde  die Tour im Vorhinein als 100% Marsimoto angekündigt, mit einem Besuch seines musikalsichen Bruders Marteria war also nicht zu rechnen. Auch das Hit-Kontingent war noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Ein paar Minuten später steht er also wieder auf der Bühne, in komplett neuem Outfit und mit „Halloziehnation„-Banner. Stolz kann er verkünden, dass man in diesem Jahr etwas ganz besonderes zu feiern hat. Sein Debüt feiert tatsächlich schon seinen zehnten Geburtstag. Das sollte natürlich gefeiert werden. Klassiker wie „Bongladesh„, „Halloziehnation“ oder die Live-Monster „Der Döner in mir“ und „Der Nazi und das Gras“ folgen. Für den Abschluss sorgen schließlich „Absinth“ und der Namensgeber des aktuellen Langspielers. Zu „Ring der Nebelungen“ gehen alle Feuerzeuge in der Menge an, Handylichter sucht man auf dem Konzert vergebens, aber sind wir mal ganz ehrlich, von Marsimoto-Fans kann man erwarten, ein Feuerzeug in der Tasche zu haben. Nach insgesamt drei Stunden Show verabschiedet sich die Marsimoto-Cru von der Hamburger Bühne, denn das war erst der Auftakt der Tour. Nun warten 15 weitere Städte auf den grünen Außerirdischen, komplettiert wird die Tour mit dem Heimspiel auf der Bühne Green Berlins. Danach wird Marsi wohl wieder auf den größeren Bühnen und Festivals anzutreffen sein, wann es ihn wieder auf die kleineren Bühnen führt, weiß wohl nur er. Bleibt nur zu hoffen, das man nicht erneut stolze 3 1/2 Jahre warten muss.

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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