BACKSPIN unterwegs: Lance Butters & Ahzumjot in Hamburg

Lassensedis

Sanftes Meeresrauschen plätschert aus den Lautsprechern, während das Pubilkum in der Dämmerung des Knust in St.Pauli, Hamburg gebannt auf den Konzertauftakt hinfiebert. Die beruhigenden Geräusche der Wellen, wie sie am Strand brechen und friedlich in der Wassermasse des Meeres wieder untergehen, erzeugen eine „Die Ruhe vor dem Sturm“-Atmosphäre. Nach der akuten Spannungssteigerung ist es so weit: Der Bass setzt ein, die eindringlichen Scheinwerfer strahlen dem vollen Haus entgegen – Ahzumjot und Lance Butters betreten die Bühne. Einen Support gibt es nicht, bei der „Lassensedis“-Tour stehen nur die beiden Rapper im Fokus. Lediglich Chris Miles, der auch mitunter als Tour-DJ aktiv war, betritt für einen Featurepart zusätzlich die vordere Reihe der Bühne. Düstere und atmosphärische Beats, gepaart mit arroganten und harten Punchlines schwirren durch den Raum – Lance Butters und Ahzumjot eröffnen den Tourstopp mit der Performance ein paar Tracks aus ihrer „Die Welle“-EP. Der futuristische, zwielichtige Sound liefert die Basis des Konzerts. Alan, der bei dem Tourstopp ein Heimspiel verbuchen konnte, schlägt innerhalb des besagten Soundrahmens ruhigere, melodische Töne an und präsentiert Songs von der bislang zweiteiligen EP-Reihe „16QT01“ und „16QT02“. Dementgegen stand Lance, der in der gewohnt aggressiven, basslastigen Soundästhetik einen Querschnitt seiner bisherigen Releases aus der nahen Vergangenheit präsentiert. Tiefe, dröhnende Bässe haben den rustikalen Veranstaltungsort ebenso eingenommen, wie dicke Nebelschwaden, die aus Maschinen, Glimmstängeln und ähnlichen Gerätschaften gleichwohl stammten. Das paralysierende Flackern der Schweinwerfer untermalte die einnehmende, teils erdrückende Stimmung und versetzte alle Beteiligten in eine Art Film. Auch die Übertragung des Spekatels auf einer Leinwand, gleich zu Beginn des Knust, auf der im Regelfall die Spiele des FC St. Pauli übertragen werden, konnte durch die Umstände teils nur wenig Aufschluss darüber geben, was auf der Bühne passiert. Nichtsdestotrotz haben die Rapper ordentlich abgeliefert und eine geschmackvolle und stilgerechte Bühnenperformance hingelegt, die ihre aktuelle Kollabo-EP und ihre Solo-Tracks in einen runden Gesamtkontext versetzen konnte. Zwischen leicht genervten und unterschwellig aggressiven Ansagen seitens Lance Butters und heimatverbundenen Ansprachen von Ahzumjot, konnten die beiden das Publikum zum Kopfnicken, Arm wippen und feiern animieren. Dabei mag sich der ein oder andere ein wenig übernommen haben, ironischer Weise musste bei Ahzumjots Performance von „Atmen“ ein Besucher an die frische Luft gebracht werden, dass alles während Alan die Zeile „Sie sind überfordert, lass‘ sie atmen“ mit Unterdruck mehrfach durch den Raum schweben lies – An dieser Stelle gute Besserung!

Die „Lassensedis“-Tour neigt sich langsam dem Ende zu: fünf Konzerte stehen für die Artists noch an. Nach einer heutigen Pause geht es morgen im Bi Nuu in Berlin in eine weitere Runde. Tickets sind hier erhältlich. Die Gigs in Köln und Saarbrücken sind bereits ausverkauft.

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