BACKSPIN Unterwegs: Beim Hip Hop Kemp in Tschechien

Der letzte Festivaltag war angebrochen und ich hab mich gefühlt, als hätte ich am vorherigen Tag zehn mal gebrochen. Klar, Ausschweifungen gibt es immer, aber merkt euch Jungs und Mädels: Wenn ihr vier Tage durchhalten wollt und nicht, wie ich, schon nach einer Flasche Schnaps aus den Latschen kippt, dann geht die Sache ruhig an. Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich einiges einstecken kann. Aber Festivalsuff verläuft scheinbar in anderen Dimensionen. Weg von meinem Geheule und wieder zum Festival. Für mich und meine Leute begann dieser Tag erst um 18 Uhr, alles andere als mit der Luftmatratze auf dem See chillen war grundlegend ausgeschlossen.

Für den Abend war man aber wieder startklar und konnte das grandiose Ende des HHK genießen. Während sich auf der Mainstage die Ost MCs vergnügten, konnte man sich im BACKSPIN Hangar den jungen Raz Fresco aus Toronto reinziehen und sich anschließend Ocean Wisdom anhören oder gleich rüber zum Radio Spin Hangar und dem historischen Sound von The Artifacts lauschen. Für mich gab es aber nur eine Sache in Aussicht und das war die Sean Price Tribute Show.

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Sean Price war bekannt durch Heltah Skeltah, Boot Camp Clik und seinen Solowerken und wird, auch ein Jahr nach seinem Tod, als wichtiger Bestandteil der Hip-Hop Szene gesehen. Dafür gab es die diesjährige Tribute Show, welche DJ Logic, Rock von Heltah Skeltah, Smif N Wessun, Top Dog und einige weitere Acts auf die Bühne holte. Die Show war der Wahnsinn. Neben der grandiosen Pyro-und Lichtshow wurden alle Klassiker der BCC aufgegriffen und performt, dabei natürlich auch Sean Ps Finest. Zwischendurch holten Acts immer weitere Künstler auf die Bühne, darunter auch die Duck Down Records Signings Raz Fresco und Chelsea Reject, wobei letztere von der Crowd ordentlich Zustimmung bekam. Zusätzlich spielte DJ Logic immer wieder Snippets von bekannten Liedern verstorbener Rapper, wie Eazy-E, Notorious B.I.G., ODB und weiteren an, was die Menge zum kochen brachte. Noch nie vorher habe ich gehört, wie abertausende Menschen “Cruisin’ down da Street in my 64” sangen.

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Auf der anderen Seite traten zeitgleich Morlockk Dilemma im BACKSPIN Hangar, sowie die Snowgoons im Radio Spin Hangar auf. Doch ich konnte die Mainstage einfach nicht verlassen, schließlich traten anschließend Pete Rock & CL Smooth auf und der Wordsmith-Ghost wollte meinen Körper nicht verlassen.

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Teilweise gespalten, fragte sich ein bestimmter Teil der Crowd, wer die Herren auf der Bühne wohl sein mögen, während der größte Teil einfach zur Musik abging. Es hat sich angefühlt, als hätte ich, wie damals, das erste Mal die CD-Sammlung meines Onkels durchforstet. Das wollte einfach nicht enden, vor allem da laut Plan als nächstes Redman & Method Man auftreten sollten. Wie ich aber vorher im Pressebereich in Erfahrung bringen konnte, ist Method Man nicht mit angereist, da er noch an einem Filmset oder ähnlichem feststecke. Das machte nicht nur mich ziemlich traurig, sondern auch einen großen Teil der Masse. Der einzige Unterschied besteht darin, dass ich wusste wer Method Man auf der Bühne ersetzen wird und das hat mich einige Male im Kreis springen lassen (keine Drogen): Es waren Erick Sermon und Parrish Smith aka EPMD.

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Ist das denn zu fassen? Das Ende des HHK war ein kompletter Zeitsprung. Schade nur, dass viele in der Menge schlichtweg keine Ahnung hatten, wer die beiden eigentlich sind. Und das merkte man in ihrem Auftreten. Schließlich machte Redman eine Ansage zur Attitüde der Masse und hielt einen Vortrag darüber, wie sich die Crowd vor seinem Aufgebot verhalten sollte, zu Recht. Um es in seinen Worten kurz zusammenzufassen “The energy you give to me, I give back to you”.HHKsobota REDMAN & EPMD-4

Leider Gottes endete das Festival hier für mich und ich war nicht mehr in der Lage dazu, mir Onyx, A-F-R-O und Planet Asia reinzuziehen. Aber keine Sorge! Schließlich war ich nicht der einzige BACKSPIN Boy auf dem HHK. Unser Grandmaster Niko BACKSPIN war natürlich auch vor Ort und hat einen Vlog gedreht, der euch schon sehr bald erreichen wird.

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Abschließend kann ich sagen, dass das HHK ein unfassbar großartiges Festival ist und mir Hunger auf mehr gemacht hat. Die Headliner waren grandios und die osteuropäischen Acts haben einen guten Einblick in ihre Hip-Hop Szene gegeben und definitiv überzeugt. Die An- und Abreise waren natürlich reinster Horror. Mit gefühlt 100 Fernbussen, Bahnen und Taxis von Düsseldorf nach Tschechien und von Tschechien wieder nach Hamburg. Das hört sich nicht nur mies an, es ist es auch. Aber lasst euch von der Entfernung nicht abhalten. Jeder furzende Fettsack im Flixbus, jeder muffige Taxifahrer und alle Vollidioten auf dem Festivalgelände waren es wert.

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Hanfosan

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