BACKSPIN unterwegs: Castival in Hannover

Wer schon einmal auf einem Casper-Konzert war, der weiß, dass er bei einem Auftritt mehr erwarten kann und auch darf als lieblos angekündigte und wahllos hintereinander gereihte Songs der momentan aktuellen LP. Wohl kaum ein anderer Vertreter unseres Lieblingsgenres stand die letzten Jahre so häufig auf den Festivalbühnen des Landes und schaffte es uns Rapliebhaber als auch jene über Genregrenzen hinaus zum springen, tanzen und mitsingen zu bringen. Was also tun, wenn das letzte Album „Hinterland“ nun eineinhalb Jahre zurück liegt, man vorerst gefühlt jede Bühne bespielt hat und somit die diesjährige Festivalsaison deutlich übersichtlicher als im vergangenen Jahr daher kommt? Ganz einfach. Man gründet sein eigenes.

Castival soll das Ganze passenderweise heißen. So lädt man sich zusätzlich zu der eigenen Show jeweils zwei Bands ein, von denen man selbst Fan ist, und schon hat man ein eintägiges Festival. Grund genug, sich das Ganze Spektakel einmal aus nächster Nähe anzuschauen. Termin: der 5. Juni. Zugegeben, überraschend ist das Line-Up in Hannover nicht wirklich. Mit K.I.Z.und Kraftklub holt sich Cas langjährige Wegbegleiter als auch gute Freunde mit ins Boot, doch auch hier handelt es sich um Bands, denen es an Liveerfahrungen alles andere als mangelt. Achtung! Ich schildere hier den groben Ablauf von Caspers Auftritt. Wer also noch ein Castival vor sich hat, sollte spätestens nach dem Auftritt von Kraftklub den Text nicht weiter lesen.

Castival-Gelände-in-der-Pause17.30 Uhr: Einlass. Zahlreiche Fans -wie gewohnt in Mit Verachtung-Shirts und Bandmerch- strömen den Expo-Plaza. Das Wetter spielt mit 31 Grad fleißig mit. Aus vertrauter Quelle erfahre ich, dass 11.000 Gäste mit von der Partie sind. Na, das kann ja was werden.

19:00 Uhr: K.I.Z. legt pünktlich los. In schwarz-orangen Uniformen betretenTarek, Maxim und Nico die Bühne. Hinter ihnen steht eine Reihe ihnen gleich gekleideter Statisten. Los geht es mit dem Song „Wir“ vom neuen Album. Wer sich auf dem letzten splash! ihren Auftritt nicht entgehen lassen hat, singt textsicher mit. Der Großteil scheint den Track allerdings noch nicht zu kennen und wippt etwas unbeholfen zum Takt. Doch als nur wenig später ein vertrautes „Partypeopleee…“ aus den Boxen ertönt, ist alles vorbei. Da ist sie wieder die Textsicherheit. Ein Klassiker und perfekt dazu geeignet, die Meute in Feierstimmung zu versetzen.

Castival-KIZ

19:12 Uhr: Die Fans sind warm. Zeit die Single „Boom Boom Boom“ auf die Leute loszulassen. Auch hier wird fleißig mitgesungen. Daraufhin gibt es „Ein Affe und ein Pferd“ vom Mixtape und zu guter Letzt werden „10 Jahre Hurensohn“ gefeiert, während die älteren Besucher ein wenig verwundert ausschauen, als die Mengen liebevoll den Text vor sich her trällern.

19.34 Uhr: K.I.Z. räumt das Feld. Die Show war kurz, aber intensiv. Laut Tarek waren sie da, um die Leute besoffen zu machen. Das oder eben einzuheizen, ihre Aufgabe haben sie trotzdem erfüllt.

19.45: Kurze Verschnaufpause und weiter geht’s. Kraftklub legt los mit „Wir wollen nicht nach Berlin“.

20:01 Uhr: Der erste Song aus „In Schwarz“. Kraftklub performt „Irgendeine Nummer“.

20:15 Uhr: Auch „Wie ich“ und „Schüsse in die Luft“ werden euphorisch gefeiert. Es wird gesprungen und gesungen. Immer wieder entdeckt man kleinere Moshmits.

Castival-Kraftklub20:23 Uhr: Erfahrene Kraftklub-Besucher wissen Bescheid, der Rest wird eingeweiht. Bei „Randale“ setzen sich tausende Menschen kurz vor Ende alle gemeinsam auf den Boden, um kurz darauf zu einem riesigen, springenden, durchdrehenden Haufen zu werden. Wunderschön sieht das aus!

20:30 Uhr: Nach dem Finale „Wenn du mich küsst“ verlässt Kraftklub unter tosendem Beifall die Bühne. Die Leute sehen mehr als zufrieden aus. Bei dem Auftakt schauen wir zuversichtlich dem restlichen Abend entgegen.

20.45 Uhr: Wird Zeit, mal Ausschau nach den Krasser Stoff-Ständen zu halten. Neben bekanntem Merch, gibt es in schwarz-weiß gehaltene Castival-Shirts mit Datum, Ort und den auftretenden Bands auf dem Rücken. Nebenan gibt es bunte Tüten und Zuckerwatte – For free! Na, wenn das mal nichts ist.

21:00 Uhr: Mittlerweile steht auch der allerletzte Gast in den Rängen. So viele Menschen! Das Piano erklingt. Tausende Menschen singen lautstark „Das ist kein Abschied, denn ich war nie willkommen…“! Es folgt „Auf und davon“, „Alles endet (aber nie die Musik)“ und „Casper Bumaye“.

Castival-Casper-auf-Turm21.20 Uhr: Irgendwie ist alles gerade „Ganz schön okay“ als Cas sich passenderweise Kumpel Felix mit auf die Bühne holt, um den gemeinsamen Song zu performen.

21:28 Uhr: Boah! Auf einem Rick Ross-artigen Brett von Beat gibt Casper„Karate“ zum Besten. Es knallt. Die Leute ticken komplett aus. Es folgen weitere Songs aus „Hinterland“ und „XOXO“.

21:51 Uhr: „Der Druck steigt.“ Mittlerweile ist es dunkel geworden. Der Expo-Plaza erleuchtet in rotem Licht. Überall steigt Rauch auf. Die Stimmung ist fast schon bedrückend. Was für ein Outro. War’s das?

Castival-Casper-rotes-Licht21:56 Uhr: Waaas? Auf einmal steht Casper nur wenige Meter hinter uns auf einem Turm, der mitten in der Menge steht, und performt „Blut sehen“. Unfassbar! Darauf folgen „Nie Genug“ und „Halbe Mille“. Hip-Hop vom Feinsten. Jetzt ist echt alles vorbei!

22:06 Uhr: Roter Rauch steigt empor. Die Band spielt wieder auf der Stage. Ein kurzes Aufkreischen, als Casper den Turm verlässt. Wenige Augenblicke später steht er wieder auf der Bühne und legt mit „Nach der Demo ging’s bergab“ nach.

22:36 Uhr: Bei „Jambalaya“ wird es nochmal richtig heiß! Inklusive Drunken Masters-Remix. Die Feuershow quer über dem Gelände treibt den Gästen den Schweiß ins Gesicht.

22:43 Uhr: Jetzt aber das große Finale: „Endlich angekommen“ Ein Funkenregen fällt vor der Bühne nieder, als Casper den letzten Song des Abends zum Besten gibt. Das war’s! Fast zwei Stunden Show nehmen ihr Ende. Was für ein Abend!

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Seit seinem Praktikum 2014 neben dem Studium der Medienwissenschaft für die BACKSPIN als Autor tätig, seit 2000 bereits von der Marshall Mathers-LP auf Ewig verdammter Hip-Hop-"Stan".
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