BACKSPIN Unterwegs auf dem Summerjam Festival 2018

Fotos: Alexios Pressel

Dieses Jahr fand parallel zum Splash auch das 33. Summerjam Festival statt. Das Festival ist eines der größten Reggae-Festivals in Europa und findet seit 1986 jährlich am Fühlinger See in Köln statt. Zu den 30.000 Besuchern gehörten dieses Jahr neben den vielen Reggae Fans aus Deutschland, Frankreich, Belgien und Holland auch viele Hip-Hop Fans.

Vor zehn Jahren hätte man sich noch sehr gewundert, wenn Hip-Hop Acts auf einem Reggae und Dancehall-Festival aufgetreten wären. Aber was damals schon mit Seeed und Peter Fox den ersten Weg in die deutsche Rap Szene fand, ist heute im Zentrum von Hip-Hop angelangt. Alles natürlich in einem modernern, der Zeit angepassten Gewand, aber seit „Palmen aus Plastik“ ist Dancehall im Hip-Hop nicht mehr wegzudenken.

Dass Raf Camora und Bonez MC diejenigen waren, die das Ganze groß gemacht haben, merke ich überall hier auf der Festival-Insel. Ob der DJ von Bausa kurz den Beat von „Ohne mein Team“ für die Crowd zum Feiern anspielt, Trettmann nochmal großen Applaus für die beiden fordert, weil diese das Genre in die Radios gebracht haben oder die Jugglerz, die z.B. „Was du Liebe nennst“ von Bausa und sonst auch gefühlt jede zweite Gold-Deutschrap Single produziert haben, mir erzählen, dass der Erfolg von Dancehall den beiden zu verdanken ist.

Das Produzenten-Team kommt eigentlich aus dem Reggae und sind dieses Jahr zum zehnten Mal am Fühlinger See auf dem Summerjam. Dafür, dass so viel Hip-Hop hier auf dem Festival ist und so viel Dancehall in deutschen Rap-Songs zu hören ist, sind die Jungs rund um DJ Cutlass, Meska, Jopez und Shotta Paul mit verantwortlich. Letzterer hat sogar ein wenig beim Line-Up mitgeholfen. Seit 2016 haben die Produzenten Songs für unter anderem KaasNimo, Gzuz, Olexesh, die KMN Gang oder Bausa produziert und haben dem Subgenre, was die Boom Bap Zeit in Deutschland endgültig aufgebrochen hat, ihren neuen Sound gegeben.

MHD weint beim letzten Song auf der Bühne

Einer der das Ganze in Frankreich groß gemacht hat, mit seinem eigenen Subgenre Afrotrap, ist MHD. Dieser ist der erste Hip-Hop Act den ich am Freitag auf dem Festival sehe. Der Franzose ist gleich mit einer ganzen Band gekommen und hat alle seine Hits im Gepäck. Während er seinen letzten Track spielt, wird der 23-Jährige aber nochmal emotional. Minutenlang sitzt der Rapper auf der Bühne, schwenkt seinen Arm und muss plötzlich anfangen zu weinen. Ob er sich gerade bewusst geworden ist was er alles in den letzten Jahren erreicht hat oder er einfach von dem Moment und den Menschen überwältigt ist, weiß keiner. Der Künstler, der vor ein paar Jahren noch Pizza ausgeliefert hat, geht, nachdem ihn sein Security-Mann und seine Bandkollegen aufgemuntert haben, nochmal durch die erste Reihe, klatscht alle ab und verabschiedet sich dann von der Bühne.

Als nächstes kommt Ty Dolla Sign auf die Bühne. Wie der Kalifornier einen Tag später auf dem Frauenfeld Festival zu Aria von Hip-Hop.de sagt, war das hier einer seiner besten Auftritte. Und da hat er Recht. Wer Ty Dolla Sign bisher nur als Feature-Gast auf dem Zettel hatte, konnte sich hier den Fähigkeiten des Kaliforniers nochmal bewusst werden. Der 33-Jährige machte Tracks wie „Real Friends“ mit Kanye West oder „Psycho“ mit Post Malone erst zu etwas Besonderem. Am Anfang merkt man, dass Ty erst noch ein bisschen wach werden muss, doch schnell ist er auf Betriebstemperatur und singt sich einen Hit nach dem nächsten von der Seele weg, bevor dann der Headliner Marteria auftritt. Über seine Live-Qualitäten muss man eigentlich keine Worte verlieren. Der 5. Auftritt von Marten Laciny auf dem Summerjam Festival war ein Fest, dass einfach allen Spaß gemacht hat.

Am nächsten Tag sehe ich leider nur Chefket und Bausa und verpasse Dendemann und die Show der Jugglerz, aber die Shows der beiden Schwaben waren erwartungsgemäß sehr gut. Auch wenn am Anfang nur wenige der 30.000 Festivalbesucher vor der Bühne standen, füllte sich das Ganze zunehmend mit der Zeit. Chefket, in eigens angefertigter weißer „Alles Liebe“ Jeansjacke, hatte viel Spaß beim Performen seiner neuen und alten Songs, was vielleicht auch daran lag, dass seine Familie vor Ort war und sich den Gig aus der Crowd heraus anguckte. Am Ende gab es noch einen anno 2018 Hip-Hop standesgemäßen Moshpit zum Song „Live Mcs“. Bei Bausas Auftritt waren die Moshpits natürlich vorprogrammiert. Ob bei „Baron“, „Casanova“ oder „Was du Liebe nennst“, die Leute waren trotz stechender Sonne und 30 Grad am Start und ready für den Turn-Up.

Der letzte Tag hatte es aus Hip-Hop Sicht nochmal in sich. Nugat, Kelvyn Colt, 3Plusss, Ace Tee und Kwam E. sowie J Hus, Trettmann und Rin waren am Start. Nach einer langen Bachelor-Abschluss Party bin ich leider erst zur Show von 3Plusss da, treffe aber noch Kelvyn Colt vor der Bühne, der sich nach seinem Auftritt nochmal die Zeit genommen hat mit seinen Fans Fotos zu machen und sich den Auftritt von Ace Tee und Kwam E. anzugucken, der sich darüber sehr freut. Bei beiden Hamburgern und J Hus war der Platz vor der Bühne schon gut gefüllt, doch vor dem Auftritt von Trettmann, der auch schon letztes Jahr hier war, gab es eine Massenwanderung zu der Green Stage. Alle wollten sie Tretti sehen, der mit seiner DJ Josi Miller für ordentlich Stimmung sorgte, bevor Rin dann das Festival als letzten Act schließ. Sein DJ und Produzent Mintendho stand hinter einer beeindruckenden Konstruktion aus dem Roboterkopf seines neuen Mixtapes „Megatron“, während Renato seine Songs mit gewohnt hoher Energie und beeindruckender Licht-Show zum Besten gab.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Summerjam-Festival 2018 einen sehr coolen entspannten Vibe hatte mit vielen guten Künstlern. Auf dem Festival sind alle möglichen Altersgruppen sowie Nationalitäten anzutreffen und hat somit für alle etwas. Ob die vielen kleinen Shops, die große Auswahl an indischen, afrikanischen oder mexikanischem Essen, verschiedene Nebenveranstaltungen oder Trommel-Workshops auf dem Festival-Gelände. Wer allerdings wirklich auf drei Tage Turn-Up aus ist, kommt auf dem Splash wahrscheinlich eher auf seine Kosten. Allerdings lässt es sich auch sehr gut auf Dancehall abtanzen. Die Hip-Hop Szene macht es gerade vor.

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