Meister Lampe über seinen Werdegang, die Vielfalt des Planeten und „Orb“

BACKSPIN SPOTLIGHT

Name: Meister Lampe
Alter: 29
Wohnort: Basel, Schweiz
Aktiv seit: 2010
Favorite Breaks: Tablas aus Bollywood Soundtracks
Favorite Hip-Hop Song: „Onion Head“ von Sean P!
Favorite Non-Hip-Hop Song: „Chop Suey“ von System Of A Down
Favorite Hip-Hop-Produzent: Stoupe, Alchemist
Favorite Non-Hip-Hop Produzent: Rahbani Brothers
Aktuelle Projekte: Am 06. April habe ich mein Album „Orb“ veröffentlich. Des Weiteren sind zwei bis drei Projekte mehr oder weniger weit fortgeschritten, auf jeden Fall läuft was.

Der Produzent Meister Lampe veröffentlichte vor kurzem sein neustes Album „Orb“. Der Name ist abgeleitet von Orbit, der Erde, deren Vielseitigkeit inspirierend für das Album war. Noch mehr Details verrät uns der Schweizer im BACKSPIN SPOTLIGHT.

Wie hat das mit Hip-Hop und dir angefangen? Welcher Sound begleitet dich seit Tag Eins?

Den ersten Kontakt mit Hip-Hop hatte ich durch Puff Daddys Album „Forever“. Ich weiss noch, wie ich anno dazumals bei meinen Grosseltern gelangweilt durch so’n Fernseh-Programmheft geblättert hatte und da auf einen Bericht mit dem Titel „Was ist Hip-Hop“ gestossen bin. Mit einem Bild von dem besagten Album, was ich mir kurz darauf holen ging. Ich war da etwa zehn Jahre alt und das Album hat mir einen Moment lang ganz gut gefallen, jedoch nicht einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dies passierte später, als ich „Cypress Hill – Live At The Filmore“ entdeckte – die hatte ich täglich im Discman am Start! Bereits zu dem Zeitpunkt kam auch meine Liebe zu Metal und Hardcore auf, wodurch ich ein paar Jahre auf Standby war, was Hip-Hop und Rap anging. Cypress Hill hat da rotzdem immer reingepasst, genauso wie Jedi Mind Tricks. Spätestens die melodiösen und melancholischen Produktionen von Stoupe haben mich wieder zurückgebracht auf den Hip-Hop Film, das wollte ich auch machen! Ich konnte mich nie wirklich auf mellow, jazzy Rap einlassen – Battlerap aus der Ecke Vinnie Paz, Celph Titled und sowas haben mich immer mehr angesprochen. Bevor ich zum ersten Mal Sean P hörte und er zu meinem All Time Favorite wurde – was für ein unverkennbarer Style. R.I.P.!

Wann und wie bist du zum Produzieren gekommen?

Seit ich 15 Jahre alt bin, schrieb und spielte ich eigene Songs in einer Death Metal Band. Mal mehr mal weniger. Der damalige Bassist unserer Band tauchte eines Tages mit seinem Macbook auf und präsentierte mit geschwellter Brust Garageband. Nachdem ich mir aus Spass und um bisschen zu experimentieren Fruity Loops gerippt hatte, zeigte mir ein guter Freund – Mase Beats -wie er Beats machte. Er hat wohl die Zeichen der Zeit erkannt und mich rechtzeitig auf die richtige Spur bringen wollen, bevor ich in Trance und Goa abgedriftet wäre… Der werte Herr war mein übertalentierter Mentor und macht auch heute noch die most underrated Beats (P.S.: er hat zum Beispiel das Artwork zur „Broke aber Dope“ EP von Johnny Rakete und mir gestaltet). Als alter Wu Tang/RZA Liebhaber zeigte er mir vor allem, wie und wo er nach ungewöhnlichen Samples diggte. Das passierte so um 2010 herum und das Ganze nahm seinen Lauf.

Wie würdest du deinen eigenen Style beschreiben und hat er sich über die Jahre verändert?

Du kannst in meinen Beats sicher den Jedi Mind Tricks Einfluss raushören. Zumindest was die Samplewahl früherer Produktionen betrifft. Meine Drums sind aber meist komplett synthetisch beziehungsweise kaum gesampelte Loops, weswegen der Vergleich hinkt. Irgend so eine Mischung zwischen Beatnuts und Timbaland passt sicher eher. Da ich mich hauptsächlich querbeet durch Folklore und World Music sample und die jeweiligen Stilmittel miteinbeziehe, wirds oft ziemlich tanzbar und verspielt. Das werde ich auch beibehalten, genauso wie das poppige Arrangement von Strophe1 zu Strophe2 zu Refrain. Verändert hat sich in den Jahren sicherlich das tontechnische Feeling. Früher habe ich gar nicht wirklich gemischt, da ich einfach zu faul war und null Plan davon hatte (lacht). Bin froh, dass ich da was dazugelernt habe. Was sich auch verändert hat, ist die Herangehensweise. Meist wurde ich von Rappern für die überladenen Beats kritisiert. Das hat mich früher ganz schön verunsichert. Seitdem ich 2015 aber mit den Beatsets auch live unterwegs bin und die ausgelassenen Reaktion des Publikums auf die Instrumentals erlebte, traue ich mich heute viel eher, stiltechnisch über den Tellerrand zu schauen. Ich denke weniger an potenzielle MCs beim Produzieren und fokussiere vermehrt auf in sich geschlossene Tracks.

Dein Album behandelt sich thematisch mit der Vielseitigkeit der Erde. Woher kam die Idee?

Für mich lag das Thema auf der Hand. Ich wollte nach all den Kollabos mal etwas machen, das 100% dem Lampe-Sound entspricht, mit möglichst wenigen Kompromissen. Das führte zwangsläufig zu den Soundschnipseln aus aller Welt. Ich höre die Songs die ich sample auch in meiner Freizeit sehr gerne. Mein Go-To-Sound ist nicht Rap/Hip-Hop, sondern Pop aus dem Iran, Funk aus dem Libanon, Easy Listening aus Italien… Dementsprechend hatte ich bereits eine ordentliche Menge an Instrumentals und Beat-Ideen zuhause, aus denen ich einigermassen entspannt eine Auswahl für das Album treffen konnte.

Welcher Track/ welche Region viel dir am unbeschwertesten?

Am Leichtesten fiel mir was aus der Türkei zu finden. Ich hatte vor Jahren mal eine ganze Library an türkischer Musik angesammelt, da ich ein Album für einen türkischsprachigen Rapper produzieren sollte, was aber leider nie zustande kam. Mit der Region setzte ich mich also schon ein bisschen länger auseinander. Da hatte ich noch ein paar richtig gute, fertige Beats in der Hinterhand. Kuba, Kolumbien und Israel gingen ziemlich reibungslos,, mittel- und südamerikanische Mucke und Klezmer sample ich schon seit Tag eins.

Und in welche musstest du dich am intensivsten einarbeiten?

Bei China hatte ich Glück, eine wirklich gute Vinyl rumliegen zu haben. Ich hatte mit dem Song auch so sicher am meisten zu tun, um nicht in einen 0815-Westler-macht-auf-China-Sound zu verfallen. Auch bei Nigeria brauchte ich etwas mehr Zeit, da ich mich erst relativ spät in meiner überschaubaren Producer-Karriere mit westafrikanischen Liedern und Afrobeat auseinandersetzte. Aber seien wir mal ehrlich: Den Durchblick habe ich in keinem der verschiedenen Länder auf der Platte. Zum Glück nicht. Das Diggen und das damit verbundene Entdecken von Perlen ist einer der Hauptgründe, wieso Beatmaking auch solchen Spass macht!

Hast du bereits Pläne für die Zukunft?

Ich würde gerne mal bisschen rumkommen auf dem Planeten und ich hoffe dereinst die Möglichkeit zu haben, die Vielfalt an Musik vor Ort entdecken zu können, sei dies auf Platte oder Live. Das Album ist im Prinzip eine persönliche und zumindest virtuelle Rundreise, die hoffentlich auch genügend respektvoll mit den ursprünglichen beziehungsweise gesampelten Songs umgeht.

Worauf freust du dich aktuell am meisten?

Im Moment freue ich mir riesig, dass ich endlich mein eigenes Projekt veröffentlichen konnte und das Teil in den Händen zu halten. Da die Platten bei den Pre-Orders schon so gut weggingen und das Feedback bisher richtig gut war, motiviert das zusätzlich, weiter Musik zu sammlen und zu produzieren. Ich freu mich sowieso immer wenn Sachen abgeschlossen werden und dadurch wieder Raum schaffen, um Neues umzusetzen. Blankes Papier, ersten Strich setzen, nicht wissen, wohin der Weg führt – Bester Moment.

Hier könnt ihr „Orb“ von Meister Lampe bestellen.
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Moin! Aachener, der irgendwas mit Medien studiert, ungern über sich in der Dritten Person schreibt und fest zu BACKSPIN gehört. Kopf ist kaputt, aber Beitrag is nice, wa.

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