BACKSPIN MAG #111

2012 war ein gutes Jahr. Weniger in der Weltpolitik. Und auch nicht für den Start der Facebook-Aktie. Aber für Rapmusik. Noch nie in der Geschichte schafften es so viele Alben in Deutschland in die Charts. Selbst in der Spitze der Verkaufs- listen fanden sich wahrscheinlich nie mehr Deutschrap-Akteure als in 2012.

Seit der BeginnerFreundeskreis-Ära gab es nicht mehr so einen Hype. Gut, der damals war anders. Einige Dinge passierten für unser Genre zum ersten Mal. Dafür ist es heute jedoch breiter gefächert. Was man damals für undenkbar hielt, nämlich die erfolgreiche Koexistenz verschiedener Stilblüten, ist heute Realität. Cro, Marsimoto / Marteria oder Casper füllen die Hallen, die Altvorderen wie Samy, Max oder Savas erfreuen sich mit ihren aktuellen Platten ebenfalls gebührender Aufmerksamkeit. Und selbst Rekorde lassen sich heute noch aufstellen. Fünf Wochen auf Platz 1 der Albumcharts – das hat tatsächlich erst im vergangenen Jahr ein Deutschrap-Album geschafft: „Raop“. Und die Straßenfront um den Boss und den Banger, von Haftbefehl über Celo & Abdi und Schwesta Ewa bis hin zu Xatar macht ebenfalls mächtig Lärm. Gerade Letzterer überzeugte mich mit seinem Album „415“ und bescherte mir einige unterhaltsame Stunden. Und wenn man, wie ich, sehr viele Stunden im Jahr Auto fährt, gehört gute Unterhaltung einfach dazu. Als ich dann in meinen persönlichen Album-Jahrescharts eben jenes „415“ mit aufgelistet hatte, sorgte das auf einigen Kanälen für Entrüstung. Einige backspin.de-User mutmaßten gar, ich hätte Geld dafür bekommen. Wow. Während meines Weihnachtsurlaubs ließ ich darüber mal ein wenig die Gedanken kreisen und fragte mich, was eigentlich ein angemessener Preis dafür wäre, eine Platte in meinen Jahrescharts zu erwähnen. 1.000€Euro? 5.000€Euro? 10.000€Euro? Schwer zu sagen. Und was müsste man hinblättern, damit Dennis Kraus ein Release in seine Jahres-Top10 aufnimmt. Dem gefällt ja vieles, was es da draußen so an neuen Rap-Alben gibt, ganz und gar nicht. Ihr solltet mal hören, wie der mit mir schimpft, wenn ich hier im Büro das nächste Deutschrap-Album aufdrehe, das nicht von einem seiner Lieblinge ist. Selbst für den läppischen zehnten Platz müsste man wohl schon 20.000 Euro zahlen, mindestens. Benjamin Jäger ist zwar etwas geduldiger mit mir und den neuen Alben. Das heißt aber nicht, dass eine Platzierung in seinen Jahrescharts günstiger wäre. Ein teurer Spaß würde das. Zumal ich nicht glaube, dass sich einer von uns mit Zahngold zufrieden gäbe. Aber nun gut. Das ist wieder eine andere Geschichte. Wem wir alle etwas abgewinnen können, auch wenn meine Euphorie sicherlich die von Benjamin und Dennis übersteigt, ist: Haftbefehl. Ich feiere einfach seine Mucke, Dennis wiederum feiert eher, dass sich große Medien wie die SZ, der Spiegel oder auch die Taz für den Offenbacher interessieren weil Deutschrap auf diesem Wege wieder gesamtgesellschaftliche Relevanz erfährt.
Entgegen unserer Philosophie, nach der wir uns eher ungern an aktuelle Themen dranhängen, haben auch wir eine Haftbefehl-Story für diese Ausgabe an den Start gebracht. Um aber nicht dieselbe Story zu erzählen, die derzeit überall zu lesen ist, haben wir nicht nur mit Hafti selbst gesprochen, sondern auch mit seinem Manager, seinem Sponsor, seinem Vertriebs-A&R sowie einigen Hip-Hop-Journalisten-Größen. So entstand ein größeres Bild des Azzlackz-Ober- haupts, das sich vor allem mit der Frage beschäftigt, ob es für den Rapper noch weiter nach oben gehen kann, oder ob er schon im Zenit steht.

Ich hoffe, ihr habt Spaß am Lesen.

Inhaltsverzeichnis

Rap History: 2003

Blog Report

Wie war das noch mal: Nima Etminan

Music: Silla

Music: T.I.

California Love

Music: Chakuza

Music: Prinz Pi

Hut ab, Fler

Music: Haftbefehl

Music: Fashawn

50 Fragen an: Kollegah und Farid Bang

Graffiti: OBC

Tales from a dirt old Men

Die LP meines Lebens: Megaloh

Music: Vega

Producer Spotlight: Fredwreck

Mein Mixtape: Fard

Soundcheck: Asap Rocky – „Long.Live.Asap“

The following two tabs change content below.
Orginaler Pottboi! Ich liebe das 45er Areal, doch hass‘ mich nicht. Ich komm‘ vorerst nicht zurück zu dir.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.