BACKSPIN History ( aus BACKSPIN #118)

 

118 Ausgaben – das bedeutet auch, 118 Mal wurde eine Entscheidung getroffen, was auf dem cover zu sehen sein sollte. für unseren Rückblick fragten wir einige auf einem BACKSPIN-cover abgebildete Künstler, was sie mit “ihrem” cover verbinden. Ebenso zu wort kommen einige Redakteure und Autoren unserer Titelgeschichten, die ebenfalls die eine oder andere Erinnerung einstreuen. Zeit für ein paar Reminiszenzen …

Frank Petering über das Cover der Ausgabe #1

Ganz an Anfang war unser Gedanke der, die vier Elemente des Hip-Hop auf den Titelbildern dar- zustellen. Die alte Krylon-Dose kam aus meinem Dosenvorrat und war zur damaligen Zeit noch etwas ziemlich Besonderes für mich. Sie verkörperte ein bisschen das New-York-Feeling der alten Tage. Es gab noch kein Internet, keine Digitalkameras und auch am Rechner konnte man nicht mal eben was Tolles zaubern. Ich ging also mit meiner kleinen Kompaktkamera auf den gegenüberliegenden Parkplatz hinter dem Supermarkt. Im Gepäck auch eine Leinwand von mir und die Krylon-Dose. Dose vor Leinwand gestellt und geknipst, was das Zeug hält. Ab zum Entwickeln und ein paar Tage später hatte ich auch „schon“ die Ergebnisse, die nun zum Cover werden sollten. Das Logo, das ich 1993 zeichnete, wurde, wie auch die restlichen Bestandteile des Covers, mit dem Cutter fein säuberlich ausgeschnitten und teilweise mit Copics koloriert. Dann alles zusammengeklebt, schon war das Cover der ersten BACKSPIN fertig. Zu- mindest analog. Nun gab ich das montierte Cover an einen Dienstleister, der mit daraus Druckvorlagen (Filme) für den Druck belichtete. Ich war in der Ausbildung, wohnte noch zu Hause und hatte keine Ahnung, wie das funktionierte, ein Magazin zu machen. So viele Vorlagen hatte man damals, zumindest in unserem Bereich, ja auch nicht. Ich habe damals natürlich die 14K, Make’t Better und Mzee als Inspiration gehabt. Technisch gesehen habe ich mir aber alles nach und nach beigebracht. Die Zeiten waren einfach total anders und alles hat damals auch länger gedauert. Wir haben noch mit richtigen Fotos in- klusive Abzüge entwickelt, Interviews per Band- Diktiergerät aufgenommen, mit Briefpost gearbeitet – E-Mail gab es ja auch noch nicht. Wir hatten anfangs nicht einmal einen Scanner. Das Cover war schon etwas Besonderes für mich. Es war unbewusst der Beginn einer Sache, die bis heute Bestand hat. Es war eine verrückte, an- strengende, schöne, kreative und lehrreiche Zeit mit tollen Menschen! Eine andere Zeit als heute – nicht besser, nur anders. Hip-Hop wuchs erst in Deutschland ran, war noch recht frisch und keiner wusste, wo die Reise hinging. Viele Jahre haben wir mit mehreren Leuten von BACKSPIN unseren Lebensunterhalt verdient und gearbeitet, bis uns die Kraft ausgegangen ist.

DAS LOGO, DAS ICH 1993 ZEICHNETE, WURDE, WIE AUCH DIE RESTLICHEN BESTANDTEILE DES COVERS, MIT DEM CUTTER FEIN SÄUBERLICH AUSGESCHNITTEN UND TEILWEISE MIT COPICS KOLORIERT.                                                                                               

Egal, an welchen Tagen oder um welche Uhrzeiten, wir waren am Start. BACKSPIN ist ein recht großes Kapitel in meinem Leben. BACKSPIN hat mich viel gekostet, hat mir aber auch viel gegeben!

Die Stieber Twin über das Cover der Ausgabe #8

Ich erinnere mich noch gerne an das Cover, obwohl ich finde, dass ich krank auf dem Cover aussehe und meines Erachtens „schlecht“ wegkomme. Eitelkeit beiseite! Die Fotostrecke für BACKSPIN hatten wir 1998 in New York aufgenommen. Anlass für den Trip mit Akim war eigentlich Cora E’s Cover-Shoot, kombiniert mit unserer BACKSPIN-Titelstory. Curse war auch noch mit von der Partie. Chrissy und ich hatten die Idee, das Foto vor dem „Bomb the System“, einem kleinen Writer-Laden am Anfang der Canal Street in Chinatown, zu schießen. Ich kann mich noch gut erinnern, im totalen Stress gewesen zu sein, da Achim natürlich einen straffen Tagesplan für uns ausgearbeitet hatte. Wir mussten am selben Tag noch zu Mr. Wiggles nach Castle Hill in der Bronx, um mit Cora und der Rock Steady Crew den „Next Stop New York“-Song mit Ken Swift aufzunehmen.

Natürlich war uns damals die BACKSPIN-Titelstory enorm wichtig, da zu der Zeit im Printmedien-Bereich kein adäquates Magazin existierte. Außerdem war die BACKSPIN Bodos Baby, den man schließlich Jahre kannte, und für uns das einzige kredibile Mag. Es war da- mals schon so eine Art „Ritterschlag“ und medial sehr sinnig, da das Internet bei Weitem noch nicht die Rolle spielte und die Platte just released wurde. Beste Erinnerung the good ol’ time.

Toast über das Cover der Ausgabe #10

Vielen Dank, dass ich damals die Möglichkeit bekam, für das einflussreichste Graffiti-Magazin das Cover zu gestalten. Dabei kannte ich Melle Mel damals gar nicht. Aber insgesamt ist das alles schon sehr lange her. Erinnere mich nur noch daran, dass ich damals schon viele Karikaturen gemalt habe.

Storm über das Cover der Ausgabe #14

Das Bild haben wir damals in Berlin in der Technischen Universität im Lichthof aufgenommen.

Ab 1986 war das eigentlich einer der wich- tigsten Trainingsräume in Berlin, bis der Fuß- boden 1994 durch Fliesen erneuert wurde. Da- nach verzogen wir uns zwar auch noch häu g in Nebensäle, doch so langsam gab es weniger Training hier – obwohl die TU immer auf hatte und wir hier sogar nachts herkamen. Der Ort für das Bild war bewusst gewählt. Ich hatte in der Zeit gerade meine Tanzkompanie „Storm and Jazzy Project“ etabliert und Vartan und

NATÜRLICH WAR UND DAMALS DIE BACKSPIN-TITELSTORY ENORM WICHTG, DA ZU DER ZEIT IM PRINTMEDIEN-BEREICH KEIN ADÄQUATES MAGAZIN EXISTIERTE.

Amigo von den Flying Steps ins professionelle Boot geholt. Seit 1997 traten wir überwiegend in Frankreich in Theatern auf. Auch für unsere Proben gingen wir noch lange Zeit hierher. Es herrschte Aufbruchsstimmung in Berlin und aus internationaler Sicht war die Stadt mit all ihren B-Boys wohl die größte B-Boy-Metropole der Welt. BACKSPIN hat Hip-Hop-Kultur mit allen Facetten repräsentiert und war somit das einzig wahre Hip-Hop-Magazin Deutschlands. Natürlich war ich froh, auf dem Cover zu sein, doch habe ich mir ehrlich gesagt auch gedacht, dass ich mir das hart erarbeitet hatte. So manch anderes Cover fand ich sehr fragwürdig, ich hatte jedoch trotzdem Respekt gegenüber den Entscheidungen. Hinzu kommt, dass Frank Pete- ring, Bodo Falk und ich uns schon lange, bevor es die Zeitschrift BACKSPIN gab, kannten und bei Treffen ständig kräftig dialogisiert wurde. Hip-Hop-Leben eben …

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Razer

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