Back2Tape: „Mit Musik kannst du jede Krankheit besiegen“ – Pete Philly im Portrait

In Kooperation mit Porsche begab sich Niko 2018 auf Spurensuche der deutschen Hip-Hop-Geschichte. Innerhalb von fünf Tagen machte Niko in sechs deutschen Städten Halt und überquerte dabei 2300 Kilometer. Herausgekommen ist eine filmische Dokumentation, die die lebendige Geschichte prägender Figuren der Kultur darstellt. Mit Gästen wie Samy Deluxe, Curse, Toni-L, Namika, Falk Schacht und Scotty76 skizziert „Back to Tape“ ein abwechslungsreiches Bild von Hip-Hop, das vor allem eins verdeutlicht: Das Lebensgefühl und die Liebe für die Kultur.

Zwei Jahre später hat sich Niko erneut auf dem Weg gemacht. Mit dem Blick auf die wichtigsten Details der Kultur, führt „Back2Tape“ Niko diesmal quer durch Europa. Berlin, Paris oder London sind nur ein paar der Städte, denen Niko einen Besuch abstattet. Was schweißt Rapper, Graffiti-Maler, DJs und Breakdancer zusammen? Und was macht das Lebensgefühl von Hip-Hop so besonders? Diesen und weiteren Fragen geht Niko in „Back2Tape“ – in Kooperation mit Porsche – auf den Grund. Heute führt ihn der Hip-Hop-Roadtrip nach Amsterdam. Pete Philly zählt zu den erfolgreichsten Rap-Musikern in den Niederlanden. Doch spricht man von Pete Philly, ist auch immer von dem Auf und Ab seiner Lebensgeschichte die Rede. 

Geboren 1980 auf der karibischen Insel Aruba, verschlug es ihn und seine Familie, als er sechs Jahre alt war, ins Heimatland seiner Mutter, in die Niederlanden. Musik spielte bereits früh eine wichtige Rolle im Leben von Pieter Monzon – so sein bürgerlicher Name. In seiner Kindheit waren es vor allem Prince und Michael Jackson, genauso wie karibische Musik wie Salsa und Merengue, die ihn früh begeisterten. Doch das entscheidende Fundament für seine spätere Karriere, sollte im Jahr 1989 gelegt werden, als der Song „Me, Myself and I“ von De La Soul veröffentlicht wird und ihn für sein gesamtes Leben prägt. Damals wie heute ist es vor allem der Groove und die Rhythmen, die ihn an Musik faszinieren. Durch De La Soul kam nun die Ebene der Rap-Lyrik und Selbstermächtigung hinzu. 

Back to Tape / Porsche / Markus Schwer

„Ich bin respektiert in der Rap-Szene, aber ich habe zu niemandem Kontakt.“

 

 

Bereits im Alter von 14 Jahren fing er an auf englischer Sprache zu rappen. In der englischen Sprache spiegelt sich für Pete Philly, der mit vier Sprachen aufgewachsen ist, sein Anspruch an Poesie besser wieder als auf niederländisch. In den Niederlanden betrat er damit Neuland. Denn bisher gab es hier erst wenige Rapper, und schon gar nicht rappten sie auf englisch. Früh fing er an, sich durch Freestyles einen Namen zu machen. Dass er in seiner Schulzeit auch im Theater aktiv war, ist nur ein weiterer Beleg dafür, dass Pete Philly seit jeher einen hohen Anspruch an seine Live-Qualitäten und Performance hat. Mit 18 Jahren fing er an Musik als seine Berufung zu betrachten, die ihm auch Geld einbringen könnte. Bis dahin sollte es aber noch etwa fünf Jahre dauern, bis er sein erstes richtiges Geld damit verdiente. Trotz seines zwischenzeitlichen Graphik-Design-Studiums war ihm immer klar, dass er nur in der Musik sein Leben erfüllt sieht. Pete Philly selbst sieht in seiner Musik seine verschiedenen kulturellen und musikalischen Einflüsse abgebildet. So fällt es oft schwer, sich festzulegen, ob er nun Rap, Soul oder R’n’B macht.

 

Die ersten Erfolge konnte er gemeinsamen mit Perquisite feiern. So releaste das MC/Produzent-Duo die Alben „Mindstate“ (2005) und „Mystery Repeats“ (2007). Nach Support-Shows für James Brown und Kanye West und dem Erfolg von „Mystery Repeats„, der das Duo auf Platz Zwei der niederländischen Album-Charts führte, trennen sich allerdings 2009 die Wege von Pete Philly und Perquisite. Danach veröffentlichte Pete Philly noch die Alben „Open Loops“ (2010) und „One“ (2012) in Eigenregie, bis es still um ihn wurde. 

„Das ist die Prämisse von Hip-Hop: Du entscheidest nicht wer ich bin und wie es mir geht. Ich entscheide das.“

Seit seiner Jugend hatte er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die lange Zeit nicht diagnostiziert werden konnten. Nachdem diese bei der gemeinsamen Tour mit Perquisite durch Asien und Europa stärker als zuvor auftraten, ließ sich Pete Philly 2009 nochmals untersuchen. Es stellte sich heraus, dass er bereits seit 20 Jahren an der Krankheit Lyme-Borreliose litt. Wie ihm später klar wurde, infizierte er sich mit dieser Krankheit, die in der Regel über Zeckenstiche übertragen wird, bereits während eines Ausflugs in seiner Schulzeit. Die folgenden Jahre beschreibt Pete Philly als seine schwierigsten. Da die Krankenkasse in den Niederlanden bei der Krankheit nicht finanziell aufgekommen ist, kam er in Nöte, um sich eine medizinische Versorgung leisten zu können. Dies führte soweit, dass er sogar zwischenzeitlich ohne ein richtiges Zuhause leben musste.

 

Mittlerweile konnte Pete Philly die Krankheit besiegen: Die Musik gab ihm die Kraft dafür. Im Speziellen war Hip-Hop ein großer Motivator, diese Leidenszeit zu überstehen. Insbesondere die Dringlichkeit von Rap, die sich sowohl in den Texten wie in der Musik offenbart, war dafür ein wichtiger Faktor. Sieben Jahre nach seinem letzten Album „One“ kehrte Pete Philly 2019 mit neuer Musik an die Öffentlichkeit. Dass seinen Fans die Musik immer noch viel bedeutet, zeigte sich bei seinem Auftritt zum Release seiner aktuellen „Lift„-EP in Amsterdam, bei der etwa 15.000 Menschen kamen.  Die Zeit seiner Krankheit, stärkte nochmals die Beziehung zwischen ihm und der Musik. Während es ihm früher nicht gefiel, nur als MC gesehen zu werden, ist er nun noch mehr im Produktionsprozess seiner Musik involviert. Außerdem hält er Vorlesungen an Universitäten und ist als Songwriter auch für andere aktiv. Aller Widrigkeiten zum Trotz, lehrte die schwierige Phase seines Lebens ihm, niemals aufzugeben. Pete Philly ist sicher: „wenn du Musik in deinem Herzen trägst, kannst du jede Krankheit besiegen„.

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