Back2Tape:“Man muss kein Writer oder Sprüher sein, solang man sich Hip-Hop fühlt.“ – Nicolas Couturieux im Portrait

Nicolas Couturieux

In Kooperation mit Porsche begab sich Niko 2018 auf Spurensuche der deutschen Hip-Hop-Geschichte. Innerhalb von fünf Tagen machte Niko in sechs deutschen Städten Halt und überquerte dabei 2300 Kilometer. Herausgekommen ist eine filmische Dokumentation, die die lebendige Geschichte prägender Figuren der Kultur darstellt. Mit Gästen wie Samy Deluxe, Curse, Toni-L, Namika, Falk Schacht und Scotty76 skizziert „Back to Tape“ ein abwechslungsreiches Bild von Hip-Hop, das vor allem eins verdeutlicht: Das Lebensgefühl und die Liebe für die Kultur.

Zwei Jahre später hat sich Niko erneut auf dem Weg gemacht. Mit dem Blick auf die wichtigsten Details der Kultur, führt „Back2Tape“ Niko diesmal quer durch Europa. Berlin, Paris oder London sind nur ein paar der Städte, denen Niko einen Besuch abstattet. Was schweißt Rapper, Graffiti-Maler, DJs und Breakdancer zusammen? Und was macht das Lebensgefühl von Hip-Hop so besonders? Diesen und weiteren Fragen geht Niko in „Back2Tape“ – in Kooperation mit Porsche – auf den Grund. Heute führt ihn der Hip-Hop-Roadtrip nach Paris. Dort trifft er Nicolas Couturieux. Das Multitalent gilt als lokale Hoffnung für Graffiti und möchte moderne Künstler oben an der Spitze sehen.

Der gebürtige Franzose fing bereits im Alter von 15 Jahren mit dem Sprühen an. Das lag vor allem an einem Artist: DAIM. Durch seine Technik zählt die Graffiti-Größe, mit seinem Markenzeichen, dem 3D-Stil, zu einem der besten Writer der Welt. Nicolas Schwerpunkt änderte sich allerdings mit der Zeit. Vom Künstler immer mehr zum Vertriebler. Er wollte weiterhin mit Künstler*innen arbeiten, sie aber von der Straße, in die Gallerien bringen.

Toulouse hatte damals bereits eine große Hip-Hop-Szene. Allerdings war das Problem, dass sich alle großen Gallerien in Paris befanden. Auch die meisten Artists hielten sich in der französischen Hauptstadt auf. Also machte Nicolas einen großen Schritt und zog nach Paris. Er gründete einen Verlag, mit dem Schwerpunkt auf städtische Kunst. Sie sollte Graffiti besonders den Menschen, die nicht aus der Szene stammen, näher bringen.

Nicolas Couturieux

Back to Tape / Porsche / Markus Schwer

„Das gehört dazu. ‚Du willst meine Sachen wieder wegmachen? Ok. Wir werden sehen.‘ So ist das Spiel.“

Graffiti gehört schon auf die Straße, da ist er sich sicher. Die Problematik die er allerdings sieht, liegt in der Kurzlebigkeit. Die Kunstwerke verschwinden schnell wieder aus dem Straßenbild. Vor allem in Paris, wo nicht nur die U-Bahn Stationen regelmäßig von Graffitis gesäubert werden, sondern auch die Straßen. Nicolas erkannte hier eine Verantwortung. Er wollte, dass sich das ändert. So begann er mit einer Arbeit, die man vielleicht als historisch, sicher aber als zukunftsweisend bezeichnen kann. Er kuratierte Ausstellungen wie die von Rose Beton 2016 im Musée des Abbattoirs und begann zu dokumentieren und zu katalogisieren. Er schrieb Bücher und erstellte Kataloge zu jeder Show. „In 50 Jahren werden die Leute das lesen, um zu verstehen, was hier passiert ist.“ 2017 gründete er sogar seine eigene Gallerie. Den Hangar 107. Nördlich von Paris erfüllte er sich hier im Jahr 2019 einen Traum. Er kuratierte die Austellung anlässlich des 30. Geburtstags von DAIM. Seinem einstigen großen Vorbild.

Neben seiner Arbeit als Berater, Kurator und Herausgeber, arbeitet er auch als Kunsthändler. Einen Interessenkonflikt zwischen der finanziellen Motivation und dem künstlerischen Aspekt sieht er nicht. Wenn er Geld verdient, tun das seine Künstler*innen auch.

Nicolas Couturieux

Back to Tape / Porsche / Markus Schwer

Von Graffiti zur Lithografie

Geschichte ist ihm wichtig. Dass sieht man nicht nur an seiner Arbeit, sondern auch an seiner Arbeitsstätte. 2017 wirkte Couturieux an der Neueröffnung des ältesten Druckhauses in Paris mit. Die 1880 gegründete Druckerei stellte zu ihrer Zeit die Werke von Mattis und Picasso her. Heute drucken – in der Idem Paris – moderne Künstler*innen wie Charlotte Le Bon, Izumi Kato und Shepard Fairey ihre Lithografien.

Was Nicolas an der alten Steindrucktechnik so fasziniert, ist die Qualität des Drucks. Wo das Licht bei vielen anderen Druckarten einen starken Einfluss auf die Farbe haben kann, bleibt sie hier unberührt. Dadurch verändert sich auch nichts. Selbst dann nicht, wenn man eine Lampe direkt darauf richten würde. Zum anderen ist es hier wieder die Geschichte. Nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft. „Diese Lithografien sind wie ein Buch. Sie werden auch noch nach uns hier sein.“

Nicolas Couturieux

Back to Tape / Porsche / Markus Schwer

Kompromisslos

Das Ziel von Nicolas in der Kunstszene ist klar. Er will konfrontieren. Er will die zeitgenössische Kunst revolutionieren. Sie der modernen, urbanen Kunst entgegenstellen, damit eines Tages Invader im Centré Pompidou ausstellt. Und nicht Jeff Koons. Vielleicht noch nicht in in unmittelbarer Zeit, aber in 20 Jahren.

Hier die offizielle Playlist zum Film:

 

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