Back2Tape: „I’ve got 99 Problems but being a feminist listening to rap ain’t one“ – Miriam Davoudvandi im Portrait

Miriam Davoudvandi

In Kooperation mit Porsche begab sich Niko 2018 auf Spurensuche der deutschen Hip-Hop-Geschichte. Innerhalb von fünf Tagen machte Niko in sechs deutschen Städten Halt und überquerte dabei 2300 Kilometer. Herausgekommen ist eine filmische Dokumentation, die die lebendige Geschichte prägender Figuren der Kultur darstellt. Mit Gästen wie Samy Deluxe, Curse, Toni-L, Namika, Falk Schacht und Scotty76 skizziert „Back to Tape“ ein abwechslungsreiches Bild von Hip-Hop, das vor allem eins verdeutlicht: Das Lebensgefühl und die Liebe für die Kultur.

Zwei Jahre später hat sich Niko erneut auf dem Weg gemacht. Mit dem Blick auf die wichtigsten Details der Kultur, führt „Back2Tape“ Niko diesmal quer durch Europa. Berlin, Paris oder London sind nur ein paar der Städte, denen Niko einen Besuch abstattet. Was schweißt Rapper, Graffiti-Maler, DJs und Breakdancer zusammen? Und was macht das Lebensgefühl von Hip-Hop so besonders? Diesen und weiteren Fragen geht Niko in „Back2Tape“ – in Kooperation mit Porsche – auf den Grund. Neben Michael Rosemann hat Niko sich in Berlin auch mit Miriam Davoudvandi getroffen.

Miriam Davoudvandi

Back to Tape / Porsche / Markus Schwer

„I’ve got 99 Problems but being a feminist listening to rap ain’t one“, so heißt eines von Miriam Davoudvandis Projekten, in dem die ehemalige Chef-Redakteurin des splash! Mags mit Kollegin Lena Grehl und Gästen aus der Rap-Szene über die omnipräsente Sexismus-Debatte im Hip-Hop diskutiert. Der Titel des Vortrags ist gleichzeitig auch der treffendste Satz für Miris Position: Feminismus und Hip-Hop schließen sich nicht gegenseitig aus.

„Sexismus ist eine logische Konsequenz des Kapitalismus.“

Als Tochter einer aus Rumänien stammenden Mutter und einem iranischen Vater, wuchs Miriam Davoudvandi in Bad Säckingen, einer Kurstadt in Baden-Württemberg auf. Obwohl sie in der Grundschule zu den Klassenbesten gehörte, empfahl ihre Lehrerin sie für die Hauptschule. Sie solle dort lieber „unter Gleichgesinnten“ sein, lautete die Begründung damals. Glücklicherweise kam alles ganz anders und Miri begann später ihr Studium der Medien-, Kommunikations- und Politikwissenschaft in Leipzig. Dort entfachte ihr Interesse für feministische Theorien. Deutscher Rap hatte sie dagegen schon lange vorher begleitet. Vor allem Haftbefehl habe sie in ihrer Jugend gebraucht. Denn mit ihm und seinen Texten konnte sie sich als migrantisches Mädchen identifizieren. Identitätskrisen, soziale Ausgrenzung und Rassismus – das kannte Miri aus eigener Erfahrung. Die Problematik einiger Texte und die Aussagen von deutschen Rappern, sind ihr bewusst. Allerdings ist Sexismus für sie kein rapspezifisches Problem, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Eine logische Konsequenz des Kapitalismus.

Rap wird wieder weich

Mittlerweile lebt die 27-jährige in Berlin und arbeitet seit dem Ende des splash! Mags als freie Journalistin, nimmt an Diskussionsrunden teil und legt unter ihrem Pseudonym Cashmiri als DJ auf. Bei ihren Sets achtet sie darauf, keine rassistische, sexistische oder homophobe Musik zu spielen. Da bleibt umso mehr Platz für die Musik weiblicher MCs oder nichtbinärer Personen. Miri hat es sich zur Aufgabe gemacht, Rap wieder weich zu machen und stellt mit ihren Fragen häufig den Menschen hinter den KünstlerInnen ins Rampenlicht. Dabei scheut sie sich auch nicht davor, kritisch nachzuhaken, wenn sie eine Aussage für problematisch hält. Sexistische und gewaltverherrlichende Texte haben für die Journalistin nichts mit Humor oder Kunst zu tun. Miriam Davoudvandi steht zu ihrer Meinung.

Miriam Davoudvandi

Back to Tape / Porsche / Markus Schwer

Hip-Hop ist eine Familie

Miri zählt Empathie zu ihren größten Stärken. Wie es jemandem geht, rieche sie auf 100 Metern Entfernung. Und genau diese Empathie will sie durch ihren Job im Rap etablieren. Ihr ist wichtig, dass die Leute wieder etwas mehr nach links und rechts schauen und sich Gedanken darüber machen, was um sie herum passiert. Mit Leuten außerhalb der Rapszene möchte sie allerdings nicht über Hip-Hop debattieren. Da gehe es immer nur um eine Pauschalkritik an der Kultur, sagt die Journalistin. Dabei muss Empowerment nicht immer politisch korrekt sein. Wenn ein Rapper, den sie mag, in seinen Texten etwas verbreitet, das Miri kritisieren möchte, verletzt es sie zwar, aber durch ihren Job hat sie die Möglichkeit mit den Leuten in den Diskurs zu treten und sich auszutauschen. Hip-Hop ist für Miriam Davoudvandi eine Art Familie, die man sich selbst aussucht. Für diese Familie ist sie in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Stimmen geworden. Angetrieben durch ihren Idealismus und ihre Liebe für die Hip-Hop Kultur.

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