Back2Tape: “Wenn Picasso heute leben würde, würde er Züge malen.” – El Xupet Negre im Portrait

El Xupet Negre

In Kooperation mit Porsche begab sich Niko 2018 auf Spurensuche der deutschen Hip-Hop-Geschichte. Innerhalb von fünf Tagen machte Niko in sechs deutschen Städten Halt und überquerte dabei 2300 Kilometer. Herausgekommen ist eine filmische Dokumentation, die die lebendige Geschichte prägender Figuren der Kultur darstellt. Mit Gästen wie Samy Deluxe, Curse, Toni-L, Namika, Falk Schacht und Scotty76 skizziert „Back to Tape“ ein abwechslungsreiches Bild von Hip-Hop, das vor allem eins verdeutlicht: Das Lebensgefühl und die Liebe für die Kultur.

Zwei Jahre später hat sich Niko erneut auf dem Weg gemacht. Mit dem Blick auf die wichtigsten Details der Kultur, führt „Back2Tape“ Niko diesmal quer durch Europa. Berlin, Paris oder London sind nur ein paar der Städte, denen Niko einen Besuch abstattet. Was schweißt Rapper, Graffiti-Maler, DJs und Breakdancer zusammen? Und was macht das Lebensgefühl von Hip-Hop so besonders? Diesen und weiteren Fragen geht Niko in „Back2Tape“ – in Kooperation mit Porsche – auf den Grund. Heute führt ihn der Hip-Hop-Roadtrip nach Barcelona, um die Graffiti Icone El Xupet Negre zu treffen. Der Spanier beeinflusste, mit seinem Stil, die Graffitiszene bis heute.

 
El Xupet Negre gilt heute als einer der bedeutendsten Street-Art Künstler Spaniens. Seine Art zu malen hat Artists weltweit inspiriert. Seine Leidenschaft für Kunst entdeckte der gebürtige Spanier bereits in seiner Kindheit. In der Schule verbrachte er die meiste Zeit damit, Bilder zu malen. Auf die Straße ging es für ihn aber erst im Jugendlichen Alter. Mitte der 80er zog er mit seinen Freunden durch die Straßen, und malte – damals noch mit Marker – Songtexte an die Wände. Mit Hip-Hop hatte er zunächst nicht viel zu tun. Er war eher in der Punk-Szene unterwegs. Erst Filme wie Breakdance (1984) brachten ihm die Hip-Hop Kultur näher. Bis heute ist er noch großer Breakdance Fan, allerdings war seine wahre Leidenschaft immer das Malen.
 
Während seinem Grafikdesignstudium sollte er sich ein eigenes Logo erstellen. Da er ein großer Fan von Pop-Art war und besonders Logos von Disney und Hello Kitty als sehr gelungen empfand, kreierte er sein persönliches Pendant dazu. Einen schwarzen Schnuller. Auf Spanisch: “el xupet negre”. Seine erste Sprühdose drückte ihm ein damaliger Freund in die Hand, der ihn zum Malen mitnahm. Die erste Erfahrung mit Graffiti brachte ihm dann auch direkt den ersten Zwischenfall mit der Polizei ein. In Barcelona sprühte er seine ersten Character, den schwarzen Schnuller, an eine Wand. Ein Polizist sah das Geschehen und verlangte, dass er es wieder entfernt. Da er im Anschluss aber wieder wegging, lies El Xupet sein Bild einfach stehen und begann in den folgenden Wochen und Monaten, sein heutiges Markenzeichen, in der ganzen Stadt zu sprühen. 
 
 
El Xupet Negre

Back to Tape / Porsche / Markus Schwer

Der Schwarze Schnuller

Heute ist El Xupet Negre vor allem für seine Logo-Art bekannt. Mit seinem Symbol, dem schwarze Schnuller, begann er etwas, dass sich mit der Zeit zu einem Trend in der Graffiti-Szene entwickelt hat. Statt eines Tags ein kleines Icon oder einen Character zu verwenden, gilt als der effektivste Weg, auf der Straße Aufmerksamkeit zu erlangen. Eingeschworene Graffitiheads erkennen natürlich Künstler an ihren Tags sehr gut, allerdings gilt das nicht für Menschen außerhalb der Szene. Als in den späten 80er Jahren überall in Barcelona Bilder des Schnullers auftauchten, staunten die Menschen nicht schlecht. Sie fragten sich, was dieser bedeutet und wo er herkommt. So wurde er schnell in der ganzen Stadt bekannt.
 
Mitte der 90er Jahre begann ein großer Hype um Streetart in Barcelona. Viele Menschen gingen auf die Straße und tobten sich kreativ aus. Nicht im Wildstyle-Hip-Hop-Stil, sondern mehr in organische Bilder und Character. Das änderte sich 2005, als die Regierung ein neues Gesetz verabschiedete, dass sowohl das Malen, als auch das Skaten, in der Öffentlichkeit verbot. Dadurch endete der Boom vorerst. Auch für El Xupet war das ein Rückschritt. Aufgehalten hat ihn das allerdings nicht.

Evolution statt Revolution

Mit dem Regierungswechsel 2012 entschärfte sich die Lage wieder. Streetart sollte in Barcelona neu etabliert werden und so wurden, neben Skateparks, auch neue Plätze zum Sprühen geschaffen. Die Firma Wallspot kooperierte mit der Regierung und schaffte so über 10 Kilometer Wandfläche, die nur für Graffiti zu Verfügung steht. Dadurch können nun auch Anfänger in Ruhe üben, ohne ständig nach der Polizei Ausschau halten zu müssen. So konnte über die Jahre eine reiche Streetart-Kultur in der Spanischen Hauptstadt erblühen.
 
Graffiti ist für El Xupet kein Ausdruck von Revolution. Mehr von Evolution. Für ihn ist es die nächste Entwicklung der Kunst. Und zwar von Menschen, für Menschen. Ohne, dass ein Unternehmen oder eine Galerie dahinter steht. Hip-Hop ist für ihn nicht in einzelne Elemente, wie Breakdance oder Graffiti, eingeteilt. Er sieht es eher als Mindset. Um die Message seiner Bilder zu beschreiben, reichen schon ein paar Wörter aus: Love, Peace, Respect, Unity, Equality und Freedom. Denn, statt seinen Namen groß an Wände zu sprühen, sprüht El Xupet lieber eines dieser Wörter. Es geht ihm nicht darum, seinen Namen berühmt zu machen. Er möchte einfach kreativ sein und etwas in den Menschen verändern.
 
El Xupet Negre

Back to Tape / Porsche / Markus Schwer

 
Trotz der sehr bescheidenen Einstellung, ist er mittlerweile Weltberühmt. Er gilt als eine Schlüsselfigur der Street-Art-Bewegung. Heute hat er Kooperationen mit Firmen wie Montana und seine Werke stehen in Szenegalerien auf der ganzen Welt. Ob in Paris, Berlin, Amsterdam, Buenos Aires oder Miami. Überall findet man seine Werke oder solche, die von ihm inspiriert wurden. 2013 kürte ihn das Complex-Magazin, als einen der 50 einflussreichsten Streetart-Künstler aller Zeiten.
Während seiner langen Karriere, wurden in Spanien sowohl Gesetze zum Stoppen, als auch Jahre später zum stärken von Streetart verabschiedet. Am Malen gehindert hat ihn das nie. Er hat einfach weiter gemacht. Bis heute.
 

Hier die offizielle Playlist zum Film:


 

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