Back2Tape: „Hip-Hop ist Leben man. Es ist mein Leben.“ – Apex Zero im Portrait

Apex Zero

In Kooperation mit Porsche begab sich Niko 2018 auf Spurensuche der deutschen Hip-Hop-Geschichte. Innerhalb von fünf Tagen machte Niko in sechs deutschen Städten Halt und überquerte dabei 2300 Kilometer. Herausgekommen ist eine filmische Dokumentation, die die lebendige Geschichte prägender Figuren der Kultur darstellt. Mit Gästen wie Samy Deluxe, Curse, Toni-L, Namika, Falk Schacht und Scotty76 skizziert „Back to Tape“ ein abwechslungsreiches Bild von Hip-Hop, das vor allem eins verdeutlicht: Das Lebensgefühl und die Liebe für die Kultur.

Zwei Jahre später hat sich Niko erneut auf dem Weg gemacht. Mit dem Blick auf die wichtigsten Details der Kultur, führt „Back2Tape“ Niko diesmal quer durch Europa. Berlin, Paris oder London sind nur ein paar der Städte, denen Niko einen Besuch abstattet. Was schweißt Rapper, Graffiti-Maler, DJs und Breakdancer zusammen? Und was macht das Lebensgefühl von Hip-Hop so besonders? Diesen und weiteren Fragen geht Niko in „Back2Tape“ – in Kooperation mit Porsche – auf den Grund. Heute geht es nach London. Im Stadtteil Brixton trifft er den stadtbekannten Emcee Apex Zero.

Geboren in West London, kam Apex Zero schon im Alter von neun Jahren in Kontakt mit Hip-Hop. Er hörte Künstler*Innen, die im Radio liefen, wie Tupac und Fresh Prince. Damals wurde er in die Schublade gesteckt: „Wenn du schwarz bist, musst du auch schwarze Musik hören.“

Er interessierte sich schon früh für Graffiti und B-Boying, erkannte aber selbst kein Talent dafür. Als er älter wurde, änderten sich auch seine Hörgewohnheiten. Von eher kommerzieller Musik zu härteren Klängen, wie von DMX, Nas oder dem Wu-Tang-Clan. Diese Musik war sein größter Einfluss, als er mit 13 Jahren anfing, eigene Texte zu schreiben.

Durch Hip-Hop zur Politik

Zu der Zeit war in Großbritannien Garage sehr groß. Apex zog mit seinem Kumpels durch die Straßen Londons und battelte andere Crews, fühlte sich selbst allerdings nie als richtigen Emcee. Jedenfalls, bis er das Album „Let’s get free“ von Dead Prez hörte. Der Klassiker brachte ihn dazu, seine Lebenssituation und sein Umfeld zu hinterfragen. Das Leben mit Rassismus. Erniedrigungen der Polizei. Seine Rolle im Schulsystem. Das Album weckte seinen Drang nach Aufklärung. Apex fing an, sich mit Personen zu beschäftigen, die in Songs thematisiert wurden. Er recherchierte das Leben und die Werke von Malcolm X, George Jackson und Huney P. Newton. Er informierte sich über Afrikanische Geschichte, Politik und soziale Philosophie. Zur selben Zeit machte er sich über die Hip-Hop-Kultur schlau und nahm Hip-Hop von da an wirklich ernst. Als einen Weg, der Menschen inspiriert.

Apex Zero

Back to Tape / Porsche / Markus Schwer

„Das ist der Zweck von Hip-Hop: Er bringt Menschen zusammen“

Bei seiner Musik ging es Apex darum, Menschen in Notsituationen zu repräsentieren. Er sah den Sinn von Hip-Hop darin, Dinge zu verbessern, wo man kann. Ähnlich ging er auch an seinen eigenen Stil heran. Angepasst an seine Umgebung. Die Leute in seiner Heimat sollten sich damit identifizieren können. Andernfalls sehe er überhaupt keine Grund darin zu rappen. Zusammen mit seinem Kumpel Omeza bildete er die Gruppe First and Last. Sie sahen das Projekt als eine Art Verteidigungslinie für Unterdrückte Menschen in London. Sich selbst als die erste und letzte Instanz. Zusammen traten sie bei verschiedenen Battles in London auf und wurden mehr und mehr in der Stadt bekannt. Ihre kraftvollen Reime und intelligenten Wortspiele, wie auch ihre starke Live-Performance gelten bis heute als das Markenzeichen der Gruppe.

Apex Zero selbst bezeichnet seinen Stil als „Neo-Hardcore-Hip-Hop“. Er rappt über soziale und politische Themen auf zumeist roughen, abwechslungsreichen Beats. Nach dem Release seines Solo-Debütalbums 2013 begann er mit dem Hosten verschiedener Events. Egal ob Reggae, D&B, Jungle oder Underground Hip-Hop Veranstaltung. 

Etwas später wirkte er am 2012 gegründeten I Am Hip-Hop Magazin mit. Die Zeitschrift wurde als Charity-Projekt gestartet, um Menschen zu helfen, die gerade aus dem Gefängnis kommen. Die sich kreativ ausprobieren wollen und ihre persönlichen Fähigkeiten verbessern wollen, um damit in der Berufswelt leichter Fuß fassen zu können. Dort gibt auch Apex seine Meinung zu Hip-Hop und dessen Verbindung zur Gesellschaft wieder. Seit kurzem auch in Podcast-Form. Neben seiner Arbeit als Journalist, hält Apex Vorträge und Workshops an Universitäten und einem breiten Spektrum an Veranstaltungen.

Apex Zero

Back to Tape / Porsche / Markus Schwer

Den Horizont erweitern

Um seinen Horizont noch mehr zu erweitern – sowohl musikalisch als auch intellektuell – reiste Apex im Jahr 2014 nach Peking, China. Er bekam das Angebot, an der renommierten Tsinghua Universität zu lehren. Natürlich konnte er es nicht lassen, sich die hiesige Musikszene genauer anzuschauen. Bereits nach einigen Monaten zog er Wellen in der Underground-Musikszene, indem er auf Hip-Hop-Events in und um die Stadt auftrat. Er spielte Supportshows für lokale Größen und erlangte bei einem Auftritt 2015, die Aufmerksamkeit der, vor Ort führenden, Bass-Music Gruppe The Syndicate. Kurze Zeit später trat er der Crew offiziell bei und wurde ihr ortsansässiger Emcee. Dazu spielte er, bei dessen China Tour, als Supportact für die Reggae-Größe Perfect Giddimani und auf dem Chinesischen INTRO Festival.

 

Trotz seiner facettenreichen Bandbreite sieht sich Apex Zero immer noch als Emcee. „Das wird sich auch niemals ändern.“ Für ihn war es immer wichtig, die Hip-Hop-Kultur weiter mit aufzubauen. Es ging nie um ihn selbst. Es ging darum, Geschichten verschiedenster Menschen zu erzählen. Ob als Emcee, als Dozent oder als Journalist.

 

Erzähl Digger, erzähl

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