Back to the Roots: Mit diesen Instrumenten legst du die besten Musik-Grundlagen

Bild von Alec White auf Pixabay

Wer heute nicht nur als Hörer, sondern Macher in die Welt des Rap eintauchen will, kann sich dabei komplett „aus der Konserve“ bedienen. Das Netz quillt über vor loopbaren Drumsamples, vor fertigen Beats– und natürlich ist man kaum dichter an den Wurzeln des Rap als wenn man bestehende Stücke sampelt und daraus einen Beat strickt.

Soweit so gut. Und hunderttausende Musiker können eigentlich nicht irren, oder? Jein. Denn obschon das natürlich ein unglaubliches Potenzial hat, kann es doch von Vorteil sein, nicht nur auf Vorproduziertes zu setzen, sondern wirklich selbst in klassischer Hinsicht zum Musiker zu werden.

Warum das die bessere Methode ist und welche Instrumente dafür am besten geeignet sind, zeigt der folgende Artikel.

1. Warum es sich bei Null am besten startet

Vielleicht sollten wir für die Erklärung dieser Gründe mal kurz die Musikwelt zverlassen: Warum bekommt jeder, der heute Kfz-Mechatroniker lernt, noch ansatzweise vermittelt, wie ein Vergaser funktioniert, obwohl die Dinger im PKW-Bereich schon vor über 30 Jahren durch die Einspritzanlage ersetzt wurden? Ganz einfach: Weil es die Wurzel ist, auf der jedes moderne Auto basiert. 

Denselben Effekt bekommt man im Rap-Game, wenn man zunächst mal „was Grundständiges“ erlernt. Tatsächlich hat das sogar mehrere Vorteile:

  1. Man muss sich zwangsläufig mit dem Lesen von Noten, mit Harmonien, mit Rhythmen auf einer theoretisch-praktischen Ebene auseinandersetzen. Man kann sich zwar vieles über das Komponieren auf andere Art beibringen und die Musikwelt kennt genug Künstler, die keine Noten lesen konnten. Aber ein Instrument vollständig zu beherrschen, gibt einem die ungleich solideren Grundlagen.
  2. Man bekommt einen erweiterten Musikhorizont. Indem man seine eigenen musikalischen Brötchen backen kann, wird man automatisch kreativer – und ist in Sachen Urheberrecht wasserdicht.
  3. Man wird freier und schneller. Kein Suchen von Samples, kein Chopping. Instrument ergreifen und loslegen. Hinzu kommt, dass man durch simples „Herumklimpern“ oft genug über einen perfekten Beat stolpert, ohne vorher komponiert oder auch nur überlegt zu haben.

Ein oder mehrere Instrumente zu beherrschen, ist die Do-it-yourself-Herangehensweise an unsere Musiksparte. Man muss sich bei nichts mehr auf andere verlassen, sondern ist wirklich im pursten Sinne selbstständig.

Und Tatsache ist auch: Schaut man sich mal die ganz großen Producer an, können die meisten von ihnen sich im Zweifelsfall auch einfach mal ein Instrument schnappen und selbst loslegen.

2. Das Piano

Und das wohl bodenständigste, grundlegendste, ja, wichtigste Instrument dafür ist tatsächlich das klassische Piano. Okay, es muss kein Hammerklavier sein, das man stimmen lassen muss. Auch dieses Instrument hat einen weiten Entwicklungsweg gesehen und ist heute ein Digitalpiano. Das ist schon deshalb die bessere Option, weil sich das, was man damit spielt ungleich leichter digitalisieren lässt, weil die Tonerzeugung selbst elektronisch ist.

Doch warum ein Piano?

  1. Es gibt praktisch kein Instrument, mit dem man auf einfachere Weise Harmonien erlernt. Taste drücken, es erklingt eine klare Note.
  2. Jeder kommt damit klar, weil es nur die Hände benötigt – das mit den Fußpedalen kann man auch noch später erlernen.
  3. Man bekommt alle Grundlagen, um später(!) auf eines der vielleicht universellsten Instrumente für den Rap-Bereich überhaupt umzusatteln, das Keyboard.

Stellt sich manchem vielleicht jetzt die Frage, warum es nicht direkt das Keyboard sein sollte. Ganz einfach: Mit dem Piano kann man durch unterschiedliche Anschläge die Töne nachhaltig beeinflussen. Ihre Tasten sind zudem „gewichtet“, man hat ein ganz anderes Spielgefühl.

Und müssen wir noch Still D.R.E. als Meisterbeispiel für einen perfekten Piano-Beat erwähnen?

Bild von Free-Photos auf Pixabay

3. Das Schlagzeug

Zugegeben, in einem Zeitalter, in dem man am PC perfekte Schlagzeugsamples herstellen kann, ist es schwer, pro Schlagzeug zu argumentieren.

Aber auch hier gilt der Satz mit den Grundlagen: Es geht auch beim Rap um weitaus mehr als einfach nur hier zwei Snare-Takte, da einmal die Ride zu verbinden. Nur wenn man hinter einem physisch vorhandenen Schlagzeug sitzt, und mit Stöcken und Füßen agiert, lernt man auf körperliche Weise, was Rhythmusgefühl bedeutet. Und damit ist die normale „Schießbude“ gemeint, keine elektronischen Drumsets. Die sollte man nur wählen, wenn man keine Möglichkeit hat, das zugegeben nicht leise spielbare Schlagzeug irgendwo zu nutzen.

Vielleicht sollte man dabei auch einen Fakt nicht vergessen, den jetzt sicher kaum jemand auf dem Schirm hat: Drums ersetzen jeden Gang ins Fitnessstudio. Das ist Workout pur!

4. Die Violine

Schlagzeug und Piano werden die meisten als Instrument noch als logische Kombination zum Rap verstanden haben. Aber die Violine?

Ganz recht, die Violine – oder eben Geige. Sie istschwierig zu erlernen. Aber sie lehrt einen wirklich Harmonie. Zudem gibt es nur wenige andere Instrumente (und auch das sind dann meistens Streicher), die so grandios Emotionen wecken.

Und dann wäre da ja noch die Tatsache, dass klassischer Gangsta-Rap mit traurig wimmernden Violinen eine unsagbar gute Kombination ist. Und das klingt heute noch genau so gut, wie es vor vielenMonden auf Album IV von Cypress Hill klang.

 

Bild von Free-Photos auf Pixabay

5. Die E-Gitarre

Es wird vielleicht so manchen Leser geben, der im ersten Kapitel gestöhnt hat – Noten lesen, uff! Ja, das ist nicht jedermanns Sache. Und tatsächlich geht es instrumental auch ohne. Womit wir bei der E-Gitarre wären.

Zunächst mal eine Entmystifizierung: Nein, die E-Gitarre kann längst nicht nur rockige Sachen spielen. Ja, das ist zwar ihr Haupt-Job und zwischen den Beastie Boys, Ice-T und Jay-Zs All-Time-Klassiker 99 Problems gibt es zahllose Rap-Künstler, die auf den verzerrten Verstärkersound schwören.

Aber das ist eben nur eine Spielart. Die E-Gitarre kann Twang, sie kann Disco, Soul, Blues – und findet sich auf diese Weise in tausenderlei anderen Rap-Tracks wieder, die nicht rockig klingen.

Kommt dazu noch die Tatsache, dass man zum Lernen nur Tabulaturen lesen muss. Und die sind letztlich nichts anderes, als ein paar Punkte auf stilisierten Saiten, die einem zeigen, wo man die Finger auflegen muss. Super-simpel, man muss nicht umdenken und kann ohne Notenkenntnisse eigene Klänge komponieren und niederschreiben.

6. Der E-Bass

Der E-Bass ist ein Wanderer zwischen den Welten. Denn er ist genauso in der Rhythmus-Abteilung in Zusammenarbeit mit dem Schlagzeug verhaftet wie er selbst ein wichtiger Part des melodischen Teils ist.

Und genau das ist auch der Grund dafür, warum es sich für Beats wirklich lohnen kann, den E-Bass zu beherrschen. Schauen wir mal auf die Fakten:

  • Vier Saiten (in der Regel) statt sechs bei der Gitarre, also simpler zu greifen
  • Die Bünde liegen weiter auseinander, auch das hilft beim Greifen
  • Stilistisch ebenfalls sehr vielfältig einsetzbar

Allerdings sollte man nicht dem oft kolportierten Glauben aufsitzen, dass der Bass simpler zu erlernen wäre als die Gitarre. Es sind zwei unterschiedliche Instrumente, die nur auf den gleichen Grundlagen basieren.

Dazu noch ein guter Rat: Wenn man sich nicht sicher ist, ob man zu Bass oder Gitarre greifen sollte und sich mittelfristig als Beherrscher von beidem sieht, sollte man mit der Gitarre anfangen. Von der ist der Umstieg zum Bass für die meisten einfacher als es umgekehrt der Fall wäre.

Zusammengefasst

Man kann nach wie vor die unglaublichsten Beats produzieren, ohne auch nur eine Fingerspitze an ein Instrument zu legen. Wer jedoch wirklich im klassischen Sinn „von der Pike auf“ lernen will, kommt auch im Rap nicht daran vorbei, ein Instrument zu erlernen. Und egal welches es auch ist, man sollte immer auch bedenken, wie wichtig es für die Weiterentwicklung von Beats sein kann, auch seinen musikalischen Horizont zu erweitern.

The following two tabs change content below.
Hausinterner Flachwitz-Generator!

Neueste Artikel von Benjamin (alle ansehen)

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.