Back in the Days: JVC Force (aus BACKSPIN #115)

Es ist seit jeher eine beliebte Rap-Routine: Shout-outs an die Viertel der eigenen Stadt. Im Falle von New York geht es nicht ohne die Bronx, Brooklyn, Queens und wahlweise Harlem oder ganz Man- hattan. Der fünfte Borough Staten Island wurde vor Wu-Tang oft vernachlässigt. Dafür bekam Long Island bereits früh seine Props – und das zu Recht, denn bemerkenswert viele Künstler, die die Golden Era entscheidend prägten, stammten nicht aus der Inner City, sondern den östlich von Queens und Brooklyn gelegenen Vororten wie Brentwood, Wyandanch, Amityville, Uniondale oder Central Islip. Während Public Enemy, EPMD, De La Soul, Prince Paul und Rakim die Bekanntesten sind, lieferte eine andere Gruppe die inoffizielle Hymne der Boondocks: die JVC Force mit „Strong Island“.

JVC Force ist ein Akronym für „Justi ed by Virtue of Creativity for Obvious Reasons Concerning Entertainment“ – etwas überflüssig, aber seiner- zeit nicht unüblich, siehe „King Asiatic Nobody’s Equal“, „Ladies Love Cool James“ oder „Knowledge Reigns Supreme Over Nearly Everyone“.

Vor allem aber ist die JVC Force ein talentiertes Trio bestehend aus den MCs B-Luv (William Taylor) und AJ Rok (AJ Woodson) sowie dem DJ und Produzenten Curt Cazal (Curtis Small). Die drei Freunde aus Central Islip wachsen Ende der Siebzigerjahre nur jeweils einen Block voneinander entfernt auf. Beeinflusst von den ersten Hip-Hop-Gruppen, insbesondere den Cold Crush Brothers, starten Curt und B-Luv im Grundschul- alter ihre ersten Rap-Versuche und bedienen sich dabei der Plattensammlung von B-Luvs Vater. In der Highschool stößt AJ dazu, und es entstehen die ersten Demos. Der Song „Nu Skool“ landet schließlich auf dem Schreibtisch von B-Boy Records. Das kleine Label aus der Bronx, das von zwei dubiosen Geschäftsmännern geführt wird und gerade mit „Criminal Minded“ von Boogie Down Productions das Album der Stunde am Start hat, bietet ihnen kurzerhand einen Deal an. Als geplante B-Seite von „Nu Skool“ entsteht „Strong Island“. Der Song mit dem eingängigen Riff-Sample, das wie die Drums vom Freda-Pay- ne-Album „Band of Gold“ stammt, sowie ein triumphales Chuck-D-Vocal-Sample aus „Rebel Without a Pause“ machen „Strong Island“ zu einem der größten Rap-Hits des Jahres und einem Klassiker, den bis heute jeder Hip-Hop-Head kennt beziehungsweise kennen sollte.

Die Single – nun mit „Nu Skool“ auf der B-Seite – erscheint 1987 und macht JVC Force nach B.D.P. zum meist beachteten B-Boy-Act. Auch in der europäischen Szene schlägt der Song ein. Auf dem Kölner Label Rhythm Attack Productions erscheint der „Blue Mix“, der danach in den USA als B-Seite der zweiten Single „Take It die ersten Demos. Der Song „Nu Skool“ landet schließlich auf dem Schreibtisch von B-Boy Records. Das kleine Label aus der Bronx, das von zwei dubiosen Geschäftsmännern geführt wird und gerade mit „Criminal Minded“ von Boogie Down Productions das Album der Stunde am Start hat, bietet ihnen kurzerhand einen Deal an. Als geplante B-Seite von „Nu Skool“ entsteht „Strong Island“. Der Song mit dem eingängigen Riff-Sample, das wie die Drums vom Freda-Pay- ne-Album „Band of Gold“ stammt, sowie ein triumphales Chuck-D-Vocal-Sample aus „Rebel Without a Pause“ machen „Strong Island“ zu einem der größten Rap-Hits des Jahres und einem Klassiker, den bis heute jeder Hip-Hop-Head kennt beziehungsweise kennen sollte.

Die Single – nun mit „Nu Skool“ auf der B-Seite – erscheint 1987 und macht JVC Force nach B.D.P. zum meist beachteten B-Boy-Act. Auch in der europäischen Szene schlägt der Song ein. Auf dem Kölner Label Rhythm Attack Productions erscheint der „Blue Mix“, der danach in den USA als B-Seite der zweiten Single „Take It mit dem Hip-House-Track „It’s a Force Thing“ auf der B-Seite als einzige Single erscheint, sind auf dem Album eine Reihe großartiger Songs wie „Tear the Show Up“, „A Musical Sample“ und „Trivial Pursuit“ versteckt.

In der Folge gelingt es der Gruppe, das wenig hilfreiche Label zu verlassen und beim Atlantic- Unterlabel Big Beat anzuheuern. Hier kommt 1992 die starke Single „Big Trax“/„6 Feet Back on the Map“ heraus. Die A-Seite basiert auf jenem De- Barge-Sample, das später in „MVP“ von Big L und Biggies „One More Chance“-Remix zu hören ist. Während der Aufnahmen für ein drittes Album, bei dem Stretch Armstrong als A&R fungiert, ent- scheiden sich die drei – desillusioniert vom Musikgeschäft –, die Karriere als Gruppe zu beenden.

B-Luv gründet später eine Veranstaltungs rma in Atlanta und tritt vereinzelt als Produzent in Erschei- nung, etwa 1998 bei der Single „War“ von Yankee B. AJ Rok schreibt als Musikjournalist für Publikationen wie On The Go, The Source, Vibe sowie The Village Voice und veröffentlicht 2009 das Buch „Spiritual Minded“.Curt Cazal macht unterdessen weiter. Bereits seit den Aufnahmen zu „Doin’ Damage“ sind die legendären North Shore Studios von EPMD-Tonin- genieur Charlie Marotta sein zweites Zuhause. Hier nimmt er Demos für junge Talente aus Central Islip auf, darunter spätere Stars wie K-Solo und Keith Murray. Letzterer veröffentlicht 1992 als Keefy Keef seine von Curt Cazal produzierte und heute bei Sammlern hoch im Kurs stehende Debütsingle „Cause I’m Keefy Keef“, um kurz darauf Teil der Def Squad um Erick Sermon zu werden.

Eine andere Zusammenarbeit erweist sich dahin- gegen als langfristiger: In dem alten Highschool- Kollegen Q-Ball findet Curt Cazal, der nun auch selbst zum Mic greift, einen neuen Rap-Partner. Auf dem eigens gegründeten Label VZQ Records veröffentlicht das Duo 1994 die EP „Makin’ Moves“. In den Folgejahren erscheinen einige weitere Singles von Q-Ball & Curt Cazal alias QNC. 1996 verlagert

Curt Cazal seinen Zweitwohnsitz in die legendären D&D Studios, wo u. a. auch DJ Premier und Da Beatminerz Hip-Hop-Geschichte schreiben. Ende der Neunziger entsteht das Label D&D Records, wo neben zwei QNC-Singles Alben von Afu-Ra, Krumbsnatcha und Craig G erscheinen, auf denen Beats von Curt Cazal zu hören sind. Außerdem produziert er den Possetrack „Ghetto Like D&D“ sowie „Foundation“ vom vierten M.O.P.-Album und mit „And So“ eines der Highlights vom Boot- Camp-Clik-Album „The Chosen Few“. Auch D- Flame sichert sich 2000 für sein Debütalbum einen Beat des New Yorkers.

Nach dem Ende von D&D veröffentlichen Q-Ball & Curt Cazal 2005 auf Grand Central, dem Label des britischen DJs Mark Rae, ihr einziges Album „Duo Dynamic“ mit Features von Camp Lo und M.O.P.

Das Liebhaber-Label Chopped Herring sorgt schließlich dafür, dass die verschollen geglaubten Songs des dritten JVC-Force-Albums 20 Jahre nach ihrer Entstehung auf Vinyl gepresst wer- den: 2012 erscheint „The 1992 – 1993 Unreleased EP“ mit fünf, und im Jahr darauf eine weitere EP

mit nochmals vier Songs vom Big-Beat-Album. 2013 bringt das Label zudem EPs mit unveröf- fentlichtem Material von QNC und Keefy Keef he- raus. Alle vier Releases untermauern: The Force is the Boss and the Island is Strong!B

Text: Christian Luda

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