B-Tight: „Aggro Berlin hat den Weg geebnet“

Manch einer ist einfach für’s Rappen geboren.
Da wäre zum Beispiel B-Tight, wenn man seinem aktuellen Albumtitel „Born2B-Tight“ Glauben schenken mag. Pause scheint für ihn ein Fremdwort: Ziemlich genau ein Jahr, nachdem mit „Retro“ seine letzte Soloplatte erschien, geht das mittlerweile sechste Soloalbum „Born2B-Tight“ an den Start. Auch auf die Rückendeckung irgendwelcher Labels wird komplett verzichtet: Nach wie vor hält Bobby alles rund um die Musik in Eigenregie. Als ob der Releaserhythmus nicht schon knapp genug bemessen wäre, findet er auf unergündliche Art und Weise noch Zeit, Busenfreund und Ex-Royal-TS-Kollege Sido auf dessen Tour zu begleiten.

Wir freuen uns, dass B-Tight außerdem genügend Zeit hatte, uns in Berlin zum Interview zu treffen und bei dem einen oder anderen Heißgetränk über aktuelle Themen zu quatschen. Wie sieht heutzutage eine gemeinsame Tour mit Sido aus? Darf man in Zukunft auf ein weiteres Royal TS Projekt hoffen? Wer steht aktuell an der Spitze des deutschen Straßenrap? Und wie zur Hölle kommt eigentlich ein Featurepart von Evil Jared von der Bloodhound Gang auf die Platte?

Während du Sido auf Tour begleitet hast, konntest du dem Publikum ja bereits erste Eindrücke in „Born2B-Tight“ liefern. Wie haben sie reagiert?

B-Tight: Es war allein schon krass, wie ich von den Leuten begrüßt wurde – ich hätte nicht gedacht, dass mich so viele feiern. Die zwei neuen Songs, die ich vor dem Publikum performt habe, wurden auch direkt angenommen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Man weiß eben nie, wie viele neue da sind, die mich überhaupt gar nicht kennen. Oder eben wie viele Oldschool-Fans da sind. Das war eine gute Mischung und ich glaube, im Endeffekt konnte ich beide Partien überzeugen.

Als ich das von Nirvanas „Nevermind“ inspirierte Cover sah, war ich eigentlich fest davon überzeugt, dass uns stilistisch ein „Drinne“-Nachfolger erwartet.

B-Tight: Das Cover ist vielleicht ein wenig irreführend, weil es eben auch so gut zu einer Rockplatte gepasst hätte. Es war klar, dass ich nach „Retro“ wieder ein HipHop-Album mache. Ich bin aber tatsächlich ein großer Nirvana-Fan. Eigentlich habe ich den Titel „Born2B-Tight“ aber sofort mit Wasser und einem Baby assoziiert. Dass es dann so wie das „Nevermind“-Cover ausfiel, war eher Zufall.

Ein nahtloser Anschluss an „Retro“ ist es aber eben auch nicht geworden.

B-Tight: Mir ist wichtig, dass nie ein direkter Nachfolger entsteht. Es fängt an wie „Retro“, aber ich bin eben Künstler geworden, um nicht immer dasselbe machen zu müssen.

Rekapitulierst du die Vorgänger-Platte, wenn du im Begriff bist, ein neues Projekt zu beginnen?

B-Tight: Während den Aufnahmen hört man die Platte meist so oft, dass man das Album nach Release einfach nicht mehr hören kann. Was ich aber gerne mache, ist eine Platte nach zwei, drei Jahren reflektieren.

Hörst du jetzt die Releases von damals – kannst du noch verstehen, wieso du manche Dinge so gesagt hast?

B-Tight: Verstehen kann ich tatsächlich alles. Viele Themen hätte ich heute vermutlich einfach ganz anders umgesetzt. Man sollte mit den Jahren wachsen. Dementsprechend höre ich mir die alten Sachen gern an und verstehe, wieso ich mich damals auf diese Art und Weise geäußert habe, würde es aber heute anders tun. Ich kann aber immer zu einhundert Prozent dazu stehen, weil das damals einfach ich war.

Wie hättest du reagiert, hätte man dir damals die aktuellen, deeperen Tracks vorgespielt?

B-Tight: Die Thematiken sind gar nicht mal so weit hergeholt, weil ich auch früher viel über persönliche Dinge gesprochen habe in meiner Musik. Zwar wurde es nie als Video veröffentlicht, aber nur, weil mir da die härteren Sachen einfach besser gefallen haben. Natürlich hätte ich mir den Song für meine Kinder zum Beispiel früher nicht vorstellen können. Das hätte ich 2001 einfach nicht gedacht. Alles in allem sind aber all das Themen, die ich damals schon locker angesprochen hätte.

Viele Künstler, die damals sehr hart waren, sind inzwischen auf harmlosere Texte und massentauglichere Musik umgestiegen. Spielt der Faktor Alter da eine tragende Rolle?

B-Tight: Ich weiß nicht, ob das so ein allgemeines Phänomen ist, oder ob es einfach daran liegt, dass man die ruhigeren Sachen heute einfach besser umsetzen kann. Schlichtweg dadurch, dass man seinen Horizont erweitert und inzwischen über einen größeren Wortschatz verfügt. So gelingt es leichter, die Angelegenheiten wirklich auf den Punkt zu bringen. Ich glaube, das hätte man damals mit denselben Themen nicht geschafft. Das ist etwas, was ich mit der Zeit definitiv gelernt habe.

Ein einjähriger Releaserhythmus ist schon sehr kurz. Dazu kommt, dass du immer noch all deine Projekte in Eigenregie hältst.

B-Tight: Ehrlich gesagt hat sich das quasi von selbst ergeben. Ich war mit „Retro“ durch und habe nachgedacht, was ich als nächstes tun soll. Dann kamen auch schon die Ideen – richtig geplant war das nicht. Erst, als ich schon fast fertig war, haben wir angefangen konkret zu planen und ab dann musste auch plötzlich alles ganz schnell gehen (lacht).

Bei den Featuregästen, die auf der Platte vertreten sind, bin ich über ein paar Namen gestolpert – Zum Beispiel Evil Jared. Erzählst du uns, wie das zustande kam?

B-Tight: Ich hatte einen Oldschool-Beat liegen und dachte, da würde ein eingespielter funky Oldschool-Bass gut dazu passen. Wer spielt Bass? Klar, Evil Jared! Wir kennen uns mittlerweile schon ein paar Jahre und das hat sich dann ergeben. Dann dachte ich mir, wenn er schon im Studio ist, kann er auch direkt die Hook mitgestalten. JC von DogEatDog kenne ich auch schon eine Weile, ich war Support-Act auf deren Tour. Die Band habe ich damals immer beim Skaten gehört. Außerdem dachte ich mir, dass so ein Ami-Feature doch auch mal ganz cool wäre. Es ist mir eine Ehre, dass er mit mir einen Song aufgenommen hat.


Hast du eigentlich aktuelle Newcomer auf dem Schirm?

B-Tight: Ich kriege superviel geschickt, aber da komme ich meist gar nicht mehr hinterher. Damit ich Newcomer auf dem Schirm habe, müssen die schon ein wenig geleistet haben. Die verfolge ich schon und das macht Sinn – die kann man schon feiern oder sogar mal über ein Feature nachdenken. Da bin ich so gut wie es geht hinterher.

Straßenrap ist in Deutschland aktuell wieder super populär. Ist es heute einfacher, damit kommerziell erfolgreich zu sein?

B-Tight: Das ist definitiv einfacher heutzutage. Damals wollte ja niemand einsehen, dass es so eine Schicht gibt in Deutschland. Wir hatten schon zu kämpfen, um unsere Art von Rap zu positionieren. Glücklicherweise hatten wir einen Sido, der die Mitte gefunden hat. Mit mir hätte das definitiv nicht geklappt, weil ich zu hart für die Medien war.

Gemeinschaftlich haben wir den Weg für die Leute, die heute Straßenrap hören, frei gemacht.

Ich find’s cool, dass es noch existiert und aktuell so erfolgreich ist. Es freut mich wirklich, dass wir dazu beitragen konnten, dass die Sparte heute ganz normal ist.

Aggro Berlin genoss damals seine Vormachtstellung, was das Genre anbelangt. Wer steht denn heute an der Spitze? Ich ziehe immer gern den Vergleich zu Alles oder Nix Records.

B-Tight: Alles oder Nix Records ist noch einen Tick mehr Straße als Aggro Berlin es war, glaube ich. Für damalige Zeiten waren wir auch hart, aber vergleicht man beide Labels, sind sie schon rougher. Ich denke immer direkt an die 187 Strassenbande, wobei die auch einen Zacken schärfer sind als wir es waren. Vergleichen ist in diesem Fall echt schwer. Wir hatten unseren Mittelweg gefunden, der beide Aspekte erfüllt hat – das Straßending und den kommerziellen Aspekt. Sowohl Alles oder Nix als auch die Strassenbande sind wenig kommerziell, dafür aber sehr Straße.

Gemeinsam mit Sido hast du schon etliche Tourneen überstanden – Was sind denn die prägnanten Unterschiede zwischen heute und dem Touralltag damals?

B-Tight: Es ist alles ein wenig gechillter. Damals war ja alles sehr durcheinander. Wir im Kopf, die Konzerte, die Parties nach den Konzerten und so weiter. Natürlich ist es auch größer geworden. Allein auf dieser Tour hatten wir fünf Trucks und vier Nightliner dabei. Je größer der Aufwand einer Tour ist, desto strukturierter muss auch der Ablauf sein.

Man ist lange nicht mehr so frei wie früher.

Dafür ist es aber bequemer (lacht). Damals war es völlig egal, wenn man zum Beispiel zu betrunken auf der Bühne war und deshalb einen Part verkackt hat. Außerdem konnte man sich freier bewegen und auch mal rausgehen zu den Leuten. Heutzutage würde Sido bestimmt halb zerfetzt, wenn er einfach so ins Publikum gehen würde.

Wie realistisch ist es eigentlich, dass man nochmal auf ein Royal TS Projekt hoffen darf?

B-Tight: Ich sage mal so: Ich rufe mal den Siggi an und frage, wie es so mit seiner Zeit aussieht und hoffe, dass wir das ein bisschen vorantreiben können.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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