Azad: Leben II (Review)

Leben 2 Text

Azad haucht seiner Rückkehr in Form eines der heiß-erwartetsten Alben des jungen Jahres neues Leben ein. Ich würde es nicht als klassisches Comeback betrachten, sondern wie einst vor fast 15 Jahren, als eine zweite Geburt. Hierbei spannen die Cuts von u.a. Gang Starr und Das EFX, die DJ Rafik und er selber setzten, den Bogen vom ersten zum zweiten Leben.

Und wieder filtert der Frankfurter seine Kompetenzen auf die Essenz seiner für ihn typischen Darstellungsform: Dämmrig und introvertiert. De facto änderte die Faust des Nordwestens nicht ihren Stil, sondern der Stil wuchs mit ihrer Persönlichkeit. Das ist maßgeblich für die Realness, die Azad voraussetzt. Ich spüre, wie er sich der Kunstform „Rap“ mit dem Kenntnisstand und der Besonnenheit eines Shaolin-Mönchs widmet und seine, in tieferen Frequenzen angesiedelte, Stimme zu einem eigenständigen Instrument aus schraffiert. Denn Azad baut, wie kein Zweiter, eine tiefe und emotionale Bindung zum Hörer auf. Ich fühlte und wuchs mit dem Album. Zur Abrundung beweist er auch ein exzellentes Händchen in der Wahl seiner Album-Gäste. So sind sowohl die Strassenbande, als auch Motrip vertreten, aber auch Schatten und Helden finden erstmals auf einem großen Album ihren verdienten Freiraum. Azad vermittelt mir durchweg den Eindruck, exakt nur das zu rappen, wofür er selber einsteht, nur mit exakt den Leuten zusammen zu arbeiten, die er als Rap-Fan auch wirklich schätzt. Er macht auf mich den Eindruck, als würde er lediglich sich selbst gerecht werden wollen. Schließlich ist nicht das Endergebnis ausschlaggebend für seinen Respekt in der Szene, sondern vielmehr seine Herangehensweise an die Materie, die ihn als MC qualifiziert und vom Rapper abgrenzt (zur Begrifflichkeit bitte sämtliche KRS-One-Interviews einholen).

Denn letzten Endes hält er es simpel:

„Ich mach des einfach so wie ich des fühle […] hier ist mein Album, freut mich, wenn es euch gefällt“ – Mit dieser Aussage macht sich Azad unangreifbar.

 

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Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.
Hanfosan

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