Azab Ata: „Ich will durch mein Standing motivieren und nicht durch meine Texte.“

Das türkische in den Vordergrund stellen, hast du ja auch mit Alpa gemeinsam. Hast du ihn auch deshalb auf dein Album geholt? Wolltest du ihm was zurückgeben, weil er dich damals gefeatured hat? Hat er eine bestimmte Rolle oder Vorbildfunktion für dich?

Azab Ata: Es ging mir nicht darum irgendetwas zurückzugeben oder so. In erster Linie ist das für mich mehr als Freundschaft und so lange wie ich rappe, werde ich mit Alpa Musik machen – das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Wie du schon sagst: wir sind beide Türken, wir machen beide dieses Türken-Ding und darum passt es voll. Das ist kein Featuretausch. Wir machen zusammen Musik und so wird es auch bleiben, denke ich mal.

Neben Alpa steuern auch Fler, Kitty Kat und Silla Gastparts bei. Wie hast du dir deine Features ausgesucht? 

Azab Ata: Das sind alles Künstler von Nachbarlabels, sage ich mal. Erstens kenne ich Silla schon ewig und wir wollten schon lange einen Song zusammen machen, zweitens ist er auch bei Major Movez. Zu einem Song ist es vorher nicht gekommen und jetzt hat es halt gepasst. Ist vielleicht sogar ganz gut so, weil es jetzt mehr Leute interessiert und einer breiteren Masse zur Verfügung gestellt wird. Bei Kitty Kat war es ein bisschen anders. Mein Album ist nicht so eins, wo ein Liebestrack, ein Hoffnungstrack, ein dies-, ein das-Track ist, sondern es geht von eins bis zehn auf die Fresse. Ich wollte auf meinem Debüt auch ein bisschen Farbe drin haben, aber nicht dieses typische ich-such-mir-ein-Sänger-für-die-Hook-mäßige. Bei dem Song war mir klar, dass da eine Rapperin her muss und damit auch, dass es Kitty Kat wird. Für mich ist sie nach wie vor, auch wenn sie nicht mehr so gehyped wird, die beste Rapperin in Deutschland. Sie war bei Gan G mit ihrem Booking und so ging der Kontakt dann ganz schnell. Der letzte ist Fler. Da habe ich ja schon erzählt, dass ich auf einer Tour von ihm als Vorgruppe gespielt habe. Da ist eigentlich auch schon dieser Featureplan entstanden. Das ist, wie bei Silla, ewig nicht zustande gekommen und dieses Mal haben wir es durchgezogen.

Mein Album ist nicht so eins, wo ein Liebestrack, ein Hoffnungstrack, ein dies-, ein das-Track ist, sondern es geht von eins bis zehn auf die Fresse.

Nicht alle deiner Gäste sind unbedingt gut aufeinander zu sprechen. War das für dich ein Kriterium?

Azab Ata: Das hat für mich gar keine Rolle gespielt. Ganz ehrlich: Es gab schon krassere Sachen bei anderen Künstlern, die danach sogar untereinander Musik gemacht haben. Wenn du gemeinsam auf einem Album landest, ist das eher ein Klacks dagegen. Alle wussten Bescheid wer noch auf dem Album sein wird und keiner hat auch nur eine Sekunde gesagt: „Nimm den runter, sonst kriegst du mich nicht.“ oder sonst was. Alles locker easy. Das war mir aber auch von vornherein klar. Es sieht vielleicht überraschend auf der Featureliste aus, aber das wars.

In deiner Pressemitteilung zum Album steht: „Der Deutsch-Türke möchte die Identität seiner hier lebenden Landsleute in ihrem Bewusstsein stärken.“  Wie gehst du daran?

Azab Ata: Du siehst ja selber was gerade in der Türkei abgeht. Für mich fühlt es sich teilweise wie ein Türkeibashing an. Die Bild-Zeitung hat es geschafft den Islam in den Dreck zu ziehen und viele Medien versuchen das gleiche jetzt mit der Türkei. Viele Türken die ich kenne, egal ob Rapper oder nicht, distanzieren sich jetzt von ihrem Land. Wenn jeder so anti ist, denke ich mir: „jetzt erst Recht, Alter.“, damit die Leute sehen, dass man sich nicht für sein Land schämen muss nur weil man vielleicht mit Erdogan nicht zufrieden ist. Das hat damit nichts zu tun. Jeder soll auf seine Herkunft stolz sein – das ist absolut okay. Mir kommt es so vor, als ob es den Türken gerade ein bisschen weggenommen wird. Darum ist das mit der türkischen Fahne und dem Titel auch so wie es ist. Lieber ein bisschen zu viel, als zu wenig. Mir schreiben so viele kleine türkische Jungs und Mädchen, deren Selbstbewusstsein dadurch gestärkt wird. Es wäre doch traurig, wenn der Ruf einer Nation so geprägt wird. Wenn jemand sagt: „Alle Deutschen sind Nazis.“ ist das doch schlimm.

Inwiefern passt da der Albumtitel„Asozialer Türke“?

Azab Ata: Guck mal: Das sind absolut zwei Paar Schuhe. Die Musik hilft keinem, die motiviert keinen – das ist reines Entertainment. Die Musik ist der Titel. Man kann aber auch, pädagogisch gesehen, trotzdem eine positive Message mitbringen, indem man meine Fahne sieht und dadurch weiß, dass ich dafür einstehe. Das stärkt dann das Selbstbewusstsein. Wenn mich zum Beispiel Kurden anschreiben und fragen ob ich was gegen die habe, dann antworte ich: „Bruder, derjenige der das fragt, hat ein Problem.“ Wenn es ums musikalische geht, will ich keine Vorbildfunktion vermitteln. Meine Musik ist asozial – darum ja auch der Titel:„Asozialer Türke“. Ich mache keine Hoffnungsmusik um jemandem zu helfen, weil das nicht ich wäre. Es wäre bei diesem Album gelogen zu sagen meine Musik ist positiv, aber wenigstens die Türken sollen sehen, dass man die Landesflagge zeigen kann ohne politisch rechts, links oder sonst was zu sein. Ich will durch mein Standing motivieren und nicht durch meine Texte.

Die Musik hilft keinem, die motiviert keinen – das ist reines Entertainment. […] Man kann aber auch, pädagogisch gesehen, trotzdem eine positive Message mitbringen, indem man meine Fahne sieht und dadurch weiß, dass ich dafür einstehe.

Nicht nur in deinem Titel kommt die Türkei vor. Dein Cover ist eine Collage von dir und der türkischen Fahne. Letztens gab es ein Spiegelcover von Erdogan das so ähnlich aussah. Wie hast du da reagiert?

Azab Ata: Es hat mich wirklich an mein Albumcover erinnert. Das war zu dem Zeitpunkt schon seit Monaten im Netz. Ich glaube das alle, egal ob Spiegel, Bravo oder Juice, sich überall inspirieren lassen. Würde mich zumindest nicht wundern. Andererseits ist es auch kein großes Werk was die da gemacht haben. Das kann natürlich auch Zufall sein. Aber wie schon gesagt, hat das hat mich in erster Linie an mein Cover erinnert. Ich habe auf meinem Album ja auch ein Song der so heißt. Darum habe ich spontan diesen Post gemacht.Azab

Wie bist du dazu gekommen Erdogan einen Song zu widmen bzw. einen Song nach ihm zu benennen?

Azab Ata: Ich habe ihm überhaupt gar keinen Song gewidmet. Kennst du von Haftbefehl „Julius Cesar“ oder „Julius Caesar“ von Shindy? Das sind auch keine Widmungen. Man hört häufig sowas wie: „Ich bin Toni Montana“. Das muss aber nicht heißen, dass man denjenigen besonders gut findet. Ich gehe da ohne positive oder negative Wertung ran. Es geht eher darum das Verhalten eines Menschen dadurch zu charakterisieren. Erdogan wird vorgeworfen, ich weiß es nicht ob es stimmt, dass er sich nicht ans Gesetz hält. In meinem Song sage ich über mich, dass ich nicht besonders viel aufs Gesetz gebe und eine klare Antihaltung habe. Der Song ist absolut unpolitisch. Wenn mich Leute fragen: „Bist du Pro oder Anti-Erdogan?“, ist meine Antwort immer dieselbe: Ich halte nichts von Politikern.
Als ich den Song geschrieben habe, war das Thema Erdogan noch nicht so heiß, wie es heute ist. Wäre die Lage nicht so, wie sie gerade ist, würde vielleicht niemand über den Song reden. Gerade weil das Thema so heiß ist, haben wir dazu auch ein Video gedreht.

Wenn mich Leute fragen: „Bist du Pro oder Anti-Erdogan?“, ist meine Antwort immer dieselbe: Ich halte nichts von Politikern.

Auf dem Song sagst du: „Ich bin sowas wie ein türkischer Diktator.“ Der Song ist sicherlich schon älter als der Putschversuch, oder?

Azab Ata: Klar, natürlich. Der Song ist gut ein Jahr alt. Zu der Zeit gab es in Deutschland nicht eine einzige Schlagzeile über ihn. Nicht mal die Flüchtlingskrise mit Erdogan war zu der Zeit Thema, als ich den Song geschrieben habe.

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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Razer

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