Autorencharts 2017: Niklas

Da ich dazu neige sehr schwarzmalerisch zu denken, hatte ich bereits einen Intro-Text geschrieben, der sich sehr negativ an den aktuellen Wandlungen unserer Gesellschaft, sowie derer der Hip-Hop-Welt aufreibt. Hier soll es allerdings um die positiven Dinge der vergangenen zwölf Monate gehen, die es sehr wohl gab. Zwar gab es gefühlt in diesem Jahr nicht so viele tolle Platten, Konzerte und so weiter, wie in den vergangenen zwei Jahren, dennoch hier nun meine Top Ten. Unabhängig davon geht ein großes Dankeschön an die BACKSPIN-Familie für die wunderbare Aufnahme, sowie an alle, die dieses Jahr mit mir teilten und diese Zeilen nun lesen:

 

10.
Rin – „Eros“
(Album)

Wenn irgendwer nach der Platte fragt, die den Zeitgeist und die wohl größte Jugendbewegung in 2017 einfängt, ist das ohne Zweifel „Eros“. Was für Viele nach oberflächlichen Belanglosigkeiten sowie sinnfreiem Geprotze klingt, ist in Wahrheit eine unfassbar detailgenau Beobachtung eines Trends, der sich 2017 auf seinem sozialmedialen Höhepunkt befand.

 

9.
Vince Staples – „Big Fish Theory“
(Album)

Fast schon in Understatement-Manier lässt Vince Staples auf seinem Album die aktuelle gesellschaftlichen und politischen Situation in Amerika mit den elektronisch trendigen Sounds aus der Soundcloud verschmelzen. Der Einfluss, den die gemeinsame Tour mit dem Vater elektronischer Weirdo-Beats, Flume, hörbar auf das Album hatte, wirkt alles andere als ein Bruch zu Staples bisherigen Schaffen. Vielmehr setzt „Big Fish Theory“ dieses logisch fort. Die Aufregung, die dem Album an allen Ecken und Enden entspringt koppelt sich nur konsequent mit den aufregenden bis angstmachenden Windungen der amerikanischen Politik. Das pathetische „745“ schwirrt einem schließlich gefühlte Ewigkeiten im Kopf rum und setzt mit dem Outro „Rain Come Down“ einen wunderbaren Konterpunkt zum energetischen Rest der Platte. Ein Release, welches wie angegossen in das Jahr 2017 passt.

 

Gang8.
Gzuz
(Künstler)

Auch wenn 2017 kein Solo-Album erschien, hat Gzuz über das gesamte Jahr hinweg mit seinen Feature-Parts einfach so konsequent überzeugt, dass es fast unheimlich wirkte, wie sehr er sich in sämtliche Platten und Soundentwürfe reinfügen konnte, ohne wie ein Fremdkörper zu wirken. Ganz im Gegenteil gibt er in seiner eigenen Art („38er“), dem ständig experimentierfreudigem Flow („Paff Paff weiter“) oder mit den wahrscheinlich besten Ad-Lips in Deutschrap-Hausen („Knöcheltief“) nicht selten auch mal die Highlight-Parts einer fremden Platte zum Besten. Zudem lieferten Gzuz und die 187 Straßenbande mit „Millionär“ einen der Hits des Jahres, an dem zwischen jeder erdenklichen Deutschrap-Party und Casper-Konzert Umbau-Playlist wohl Niemand vorbeikam. Für 2018 erhoffe ich mir zudem ein Album von Gzuz, welches deutschen Gangsterrap nach „Russisch Roulette“ endlich mal wieder einen wirklichen Meilenstein bringen könnte.

 

7.
Zugezogen Maskulin – „Alle gegen Alle“
(Album)

Thematisch wirklich erschreckend genau an den Fehlern der Gesellschaft sowie vielen Uneinigkeiten in einem selbst, schaffen Grim und Testo tatsächlich mit einer weiteren thematisch ähnlichen Platte das Gegenteil von Langeweile und Wiederholung. Von den großen Ansätzen, die „Alles brennt“ noch innehatte gehen ZM ins Detail und in sich selbst und bringen eine großartige Analyse des Zeitgeist zwischen Yeezy-Hype und Bio-Markt-Arroganz hervor. Vor allem dieses Zwischen den Stühlen stehende Gefühl, welches sich durch die gesamte Platte zieht kann ich unfassbar gut nachvollziehen. Leider reiben sich in den Instrumentalen zu viele Ideen und Ansätze gegeneinander auf. Obwohl viele der Soundentwürfe für sich genommen großartig klingen, wie beispielsweise die Melange aus Orgel-Akkord, Snareroll und Jungle-Drum-Break in „Yeezy Christ Superstar“, erschwert dieses Auf und Ab in den Beats einen wirklichen Fluss. Dennoch eine der am Besten geschriebene Deutschrap-Platte des Jahres.

 

weiter mit den Plätzen sechs bis vier auf Seite 2

 

The following two tabs change content below.
Das Wu-Tang-Pizza-Tattoo auf seinem linken Oberschenkel beschreibt ganz gut seinen Charakter.

Seiten: 1 2 3

Razer

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.