Autorencharts 2017: Jakob

Es bestätigt sich 2017 wieder einmal, dass immer größer werdender Erfolg nicht automatisch mit einer höheren Qualität einhergeht. Zumindest im deutschen Rapkosmos erging es mir dieses Jahr so. Zwar konnte gefühlt jede Woche ein weiterer Künstler eine neue Goldauszeichnung entgegen nehmen, aber was da künstlerisch die meiste Zeit bei herum kam, das hat mir nur allzu selten zugesagt. Frei nach dem Motto “Hauptsache ich habe eine Hitsingle!”. Das war mir zu einfach.

 Deswegen werdet ihr bei meinen Autorencharts auch keine einzige Single wiederfinden. Ich hab mich extra auf die meiner Meinung nach wirklich wichtigen Dinge meiner Hip-Hop und Rap Sozialisation besonnen – nämlich auf Alben. Denn daran werde ich Künstler auch im Jahre 2018 messen. Eine gute oder auch einfach funktionierende Single kann nämlich jeder mal releasen. Ein gutes Album allerdings nicht. Das hat dieses Jahr nämlich hervorragend gezeigt.

Am Ende ist es eh, wie jeder schon gesagt hat, trotzdem nahezu unmöglich, die Plätze richtig zu ranken. Andere, gute Alben haben es leider nicht mehr in die Liste geschafft. Darunter Alben von Joey Bada$$, Celo & Abdi, Yung Hurn, The Doppelgangaz und A2h. Ich habe euch trotzdem nicht vergessen, aber zehn Plätze waren einfach zu wenig…

 

10.
Bausa – “Dreifarbenhaus”
(Album)

Auch wenn das Album für mich einige eher schwächere Songs parat hält und das teilweise hohe Niveau des Albums nicht immer konstant hoch gehalten werden kann, ist es einer der besten deutschen Alben 2017 gewesen. Gerade für ein Debütalbum hat Bausa quasi alles richtig gemacht. Ein frischer Sound, trotz einer Vielzahl an Produzenten ein nachvollziehbares und in sich griffiges Soundbild, ehrliche und persönliche Texte und eine große, geniale Musikalität. Auch wenn es stellenweise wirklich sehr weich ist und so etwas eigentlich nicht meinen Geschmack trifft, hat Bausa es trotzdem geschafft, dass ich die Tracks nicht direkt skippen möchte. Nun bin ich gespannt, wie es nach seinem Platin-Hype weiter gehen wird. Hoffentlich nicht so wie bei RAF Camora


  

Damselfly9.
Loyle Carner – “Yesterday’s Gone”
(Album)

War auch schon in meinen Halbjahrescharts dabei und hat es aus dieser Liste auch nicht mehr herausgeschafft. Musikalisch ein unglaublich durchdachtes wie smoothes Soundbild, auch wenn es sehr klassisch aufgebaut ist, ist es kein Stück aus der Zeit gefallen. Die jazzigen und souligen Einflüsse machen einfach Spaß. Dazu gesellen sich wieder spannende Geschichten, ehrlich und authentisch gerappt.Viel mehr geht nicht.


 

8.
XXXtentacion – “17”
(Album)

Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist XXXtentacion der Einzige aus der diesjährigen Freshman Class, der mich nachhaltig überzeugen konnte. Natürlich ist die Person hinter XXX eine streitbare, aber die Musik ist für mich zweifelsfrei sehr packend wie unkonventionell. XXX zieht oft künstlerische Reißlinien und erschafft damit ein sehr authentisches Werk. Gerade auf der kurzen Spielzeit bei “17”  kommt XXXs dystopische Denkweise hervorragend zur Geltung, ohne dadurch anstrengend oder monoton zu werden.


 

7.
Capo – “Alles auf Rot” / Kalim – “Thronfolger”
(Alben)

Da mein Herz nach wie vor für Straßenrap schlägt, dürfen Capo und Kalim in dieser Liste natürlich nicht fehlen. Letztendlich konnte ich mich nicht entscheiden, da beide Alben auf eine andere Art und Weise stark sind. Für mich haben sie die beiden stärksten “kommerziellen” Straßenrap-Alben des Jahres gebracht.

Auf der einen Seite Capo, der mit “Alles auf Rot” und SOTT, Zeeko und Veteran ein krass produziertes, modernes Soundwerk erschaffen hat, welches sich nah am aktuellen Zeitgeist orientiert, jedoch mit einer pointierten Individualität und Authentizität präsentiert wird. Auf der anderen Seite Hamburgs-Billstedt Legende, der sowohl auf modernen Trapbeats wie auf klassischen 90s Laidback Songs sein Potenzial unter Beweis stellt, ohne dabei sein künstlerisches Profil zu verlieren. Hits hatten beide Künstler auch, auch wenn reflektierte Songs der beiden mindestens genauso gut funktionieren. Big Up!


 

weiter mit den Plätzen Sechs bis Vier auf Seite 2

 

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