Autorencharts 2016: Yannick W.

An dieser Stelle habe ich es übrigens mal wieder geschafft, mich nicht zu entscheiden, deshalb gibt es zwei sechste Plätze zum Thema Produktionen in 2016.

06.1
KitschKrieg
(Kollektiv)

 

Wer den Namen KitschKrieg bis heute noch nie gehört hat, der hat 2016 wohl unter einem Stein verbracht. Nicht nur, dass sie maßgeblich an den kometenhaften Aufstiegen von Trettmann und Haiyti beteiligt waren, am Ende waren die Beats, die Fizzle, FijiKris und Awhodat fertigen, in diesem Jahr einfach das Maß der Dinge. Zurecht schmücken mittlerweile zwei goldene Platten aus 2016 (Beginner, RAF Camora & Bonez MC) ihre Wand. Unermüdlich wurde releast, insgesamt fünf EPs produzierte das Trio aus dem Hause Soulforce in diesem Jahr, ohne dabei je an Qualität einzubüßen. Der Soundtrack des Frühlings, Sommers und Herbsts. Dass man das Jahr dann noch mit der Veröffentlichung der Projekte auf Vinyl und dem ersten (!) Live-Auftritt als Kollektiv beendet, passt nach diesen turbulenten Monaten perfekt, um ein Zwischenfazit zu ziehen. Ich freue mich schon jetzt auf KitschKrieg und Tretti auf Albumlänge und wünsche noch die ein oder andere kommende Goldproduktion für die Studiowand.

 

 

06.2
morten
(Künstler)

Einer der talentiertesten und spannendsten Künstler im Jahr 2016. Wer morten schon ein paar Jährchen verfolgt, weiß, dass er schon immer eine Menge Potential hatte, so richtig zu nutzen begann er es allerdings erst mit dem Ende des letzten Jahres. Begonnen mit den Beats auf Maulis „Spielverderber“ hat sich der junge Berliner in wenigen Monaten von einem guten Produzenten zu einem der heißesten Solo-Acts, die noch ein bisschen unter dem Radar laufen entwickelt. Das Lob, das es aus vielen Seiten der Szene für seine Arbeit gibt, stammt nicht von irgendwo her – wenn ein RAF Camora ihn anpreist und schließlich sogar auf eine der großen Single-Auskopllungen seines Soloalbums holt, hat das seinen Grund. Dieser Grund ist schlicht und ergreifend die Lust am experimentieren und dem eigenen Anspruch Kunst zu schaffen. Seien es die 808 & Autotune-Abfahrten, die sich in ihrem Erscheinungsbild noch einmal ein ganzes Stück mehr von der amerikanischen Blaupause und der deutschen Adaption unterscheidet, Experimente mit Rock-Gitarren und ehemaligen Soul-Songs in den letzten Wochen und Monaten oder die Idee ein Musikvideo wie ein Gemälde als soziales Ereignis zu präsentieren. Hinzu kommt, dass er das ohnehin schon produktive Immer.Ready Camp als Mann hinter einem gesamten Soundbild über das gesamte, sehr Releasereiche Jahr mit Produktionen bestückte und dabei ist, der Berliner Crew ihren eigenen Trademark-Sound zu schaffen. Ganz besonders meinen Hut ziehe ich übrigens vor der guten Neuinterpretation von Xavier Naidoos „Frei sein“ für einen guten Zweck. Das geht ins Ohr und unter die Haut.


 

05.
Chance the Rapper – „Coloring Book“
(Mixtape)

 

Das wichtigste Mixtape dieses Jahr. Nicht nur, weil es musikalisch wunderbar funktioniert, auch wegen dem, was dranhängt. Prinzipiell macht Chance the Rapper nichts Neues, ist tatsächlich sogar ziemlich nah am Frühwerk seines Mentors Mr. West (eigentlich hätte auch „TLOP“ einen Platz in dieser Liste verdient, aber zehn Plätze sind auch einfach echt wenig). Dennoch catcht mich „Coloring Book“ noch einmal mehr, als es zum Beispiel das vergleichbare „The College Dropout“ tat. Die Gospel-Ansätze werden intelligent weitergedacht, dadurch, dass im Hip-Hop mittlerweile etwas mehr Platz für Emotionen ist, wirken die generell ruhigen Songs von Chance noch um ein vielfaches intensiver, als es vor einigen Jahren denkbar war. Durch seinen ungewöhnlichen Erfolg bekommt das Tape dann sogar noch eine ganz eigene Bedeutung für die gesamte Musikdistribution. Mit der Grammy Nominierung trotz des Gratis-Releases macht die Industrie einen wichtigen Schritt im digitalen Zeitalter. Schön, dass gerade ein Rapper dabei vorrausgeht.

04.
Ahzumjot – „16qt0x“ (+ „Die Welle“)
(Mixtape-Reihe)

Scheiß mal auf diese Diskussion rund um Inspiration aus Übersee. Für mich ist Ahzumjot das stärkste deutsche Künstler-Gesamtpaket, das das Hip-Hop Jahr 2016 zu bieten hatte. Das fängt bei dem Vorhaben, jedes Quartal ein Gratis-Release auf den Markt zu bringen, an, geht über die fesselnden Beats und hört bei den daraus entstehenden, durchweg Songs auf. Dass bei der Mentalität der Reihe, dem Wunsch nach totaler Unabhängigkeit, der Erfolg eines Künstlers wie Chance the Rapper einen entscheidenden Anstoß gegeben hat, merkt man spätestens, wenn dieser im Intro von „Tag Drei“ zitiert wird (Das hörenswerte Radio-Interview mit Zane Lowe gibt es übrigens hier). Immerhin fußt auch Ahzumjots Durchbruch auf dieser Do it yourself Mentalität und funktionierte um einiges besser als der Ausflug in die Major-Welt. Musikalisch drückt sich dieser Mindstate allerdings nicht nur in den Texten aus, die bis dato drei Releases dieses Jahr von bzw. mit Ahzumjot (eine paar Tage Zeit für Nummer Vier sind ja noch) werden besonders von den Beats getragen. Was beim Anhören handwerklich erst einmal nicht allzu komplex wirkt, immerhin bestehen die Beats teilweise nur aus Drums, Basslines und einer Hand voll Synths, kreiert eine wunderbar minimalistische und doch dichte Atmosphäre, der viele Producer mit viel mehr Aufwand trotzdem um Meilen hinterher rennen. Selten wurde „Ich reduzier mich auf das Minimum“ so konsequent und stimmig umgesetzt. Ich bin gespannt, wo die Reise da noch hingehen wird, nach fünf Jahren scheint Ahzumjot langsam aber sicher seinen Platz gefunden zu haben – das freut mich.

 

 

 

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Razer

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