Autorencharts 2016: Yannick W.

Es ist kaum zu glauben, aber das Jahr 2016 ist schon vorbei. Es ist also an der Zeit, einen Blick zurückzuwerfen und aus der BACKSPIN-Sicht Revue passieren zu lassen. Da jedes Mitglied der BACKSPIN-Gang das Jahr für sich selbst erlebt hat, wird es neben einem gesamten Jahresrückblick auch von jedem Autor eine persönliche-Top 10 geben. Grenzen bei der Auswahl gabt es keine, sowohl Songs, Videos und Alben, als auch Konzerte, Events, Interviews und andere Hip-Hop-Momente konnten ausgewählt werden. Wenn es dann endgültig auf den Jahresabschluss zugeht, schließen wir 2016 mit unseren 50 besten Alben ab. Viel Spaß euch beim Lesen!

Und Zack!: Mein erstes komplettes Jahr als Redakteur bei der BACKSPIN ist auch schon vorbei. Aber sind wir mal ganz ehrlich, es gab im Hip-Hop Jahr 2016 auch kaum einen ruhigen Tag und eine Menge gute Musik. Auch wenn es bei der Menge an Input, gerade als Mensch hinter dem Soundcheck fast unmöglich ist, sich festzulegen, habe ich’s versucht. Aber schaue ich mir mein 2016 in Zahlen an, habe ich allein über mehr als 220 Releases geschrieben und dazu noch ein ganzes Stück mehr, auch außerhalb der Rap-Welt, gehört. Zwar werde ich beim Grübeln in einer Woche sicher doch noch Minimum einen Platz tauschen wollen, trotzdem habe ich versucht, meine zehn Highlights aus 2016 zusammenzustellen und mir überlegt, alles rund um die Musik (Festivals etc.) einfach mal außen vor zu lassen. Dabei musste ich feststellen: Erstaunlich wenig Straße bei mir dabei dieses Jahr. Dabei war doch grade da so einiges Los. Komisch. Vielleicht ist mir das für eine Jahresbestenliste auch einfach zu kurzweilig… Naja egal, los jetzt:

 

 

10.
Goldroger – „Avrakadavra“
(Album)

 

Das Album kam für mich komplett aus dem Nichts. Zwar hatte ich Goldroger in den vergangenen Jahren immer mal wieder Gehör geschenkt und mich auch schon von seinen Live-Qualitäten überzeugt, trotzdem sind mit Ausnahme der Ankündigung alle Infos und Singles zur Platte an mir vorbeigegangen – weiß Gott warum. Vielleicht war das aber sogar besser. Zum Release gab es für mich dann nämlich die große Überraschung. Verträumter Gitarrensound gepaart mit ausdrucksstarken Texten aus dem Leben eines Tagenichts, der auf den insgesamt 15 Songs weder zahlreiche Beatles-Referenzen noch eine klare Haltung scheut. „Avrakadavra“ hält, was das Cover verspricht und lädt dazu ein, sich einfach fallen und von der Musik treiben zu lassen. Genau so muss es klingen, wenn 2016 Rap auf Gitarren trifft, wahrscheinlich der Geheimtipp dieses Jahres.

 

09.
Audio88 & Yassin – „Halleluja“
(Mini-LP)

 

Wer hat so viele zitierbare Zeilen? Ich kenn kein‘ (neben Audio88 und seinem kongeniale Duo-Partner Yassin.) Was im vergangenen Jahr nach vier Jähriger Abstinenz als ein Rundumschlag gegen die Szene begann, weitet sich auf dem knackigen Nachfolger auch auf Politik und die Gesellschaft aus, schießen die Beiden dabei doch gegen alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Das geht vom Auf-der-Rolltreppe-rechts-Steher bis hin zum braunen Pegida-Sumpf Anhänger, der sich durch Nationalstolz definiert. Und auch wenn die acht Songs prinzipiell keine leichten Themen verarbeitet, kommt man dank den pointierten und treffsicheren Seitenhieben und dem konzentrierten Menschenhass aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus. Hinzu kommt das von vorne bis hinten stimmige Konzept „Halleluja“, das sich durch Artwork, Texte, Live-Bühnenbild und teils sogar Samples in den Beats zieht und auch hier keine Gefangenen macht. Zwei Jahre, zwei Klassiker. Das muss ihnen auch erst einmal jemand nachmachen.

 

08.
Fler – „Lifestyle der Armen und Gefährlichen“
(Video)

 

Was ich im Sommer bereits zu prognostizieren wagte ist tatsächlich eingetreten: Fler hat mit „Vibe“ sein bis dato bestes Album aus dem Ärmel geschüttelt. Im Mittelpunkt der wuchtigen Platte steht dabei dieser Hit. Produziert von Iad Aslan und Nico Chiara zeigt sich der Berliner von seiner musikalisch absolut besten Seite, kombiniert dreckige CCN-Attitüde mit düsteren Samples und ratternden Drums a’la Boi-1-da. Regelrecht untermauert wird die Atmosphäre durch das Video der 100 Black Dolphins, die in den vergangenen Monaten ja bereits mehrfach eindrucksvoll ihr gutes Auge unter Beweis stellen und hier vielleicht sogar ihre bis jetzt stimmigste Arbeit abliefern – auch wenn es etwas reduzierter ausfällt als bei einigen früheren Produktionen. Bei so einem runden Produkt mag man das Hin und Her beim Label und erneute Streitereien mit Ex-Künstlern oder Journalisten fast vergessen und sich einfach freuen, dass Flizzy endlich seinen Sound gefunden zu haben scheint. Wieder einmal ein Beweis, dass man niemanden vorschnell abschreiben sollte.

 

07.
The Weeknd – „False Alarm“
(Video)

 

Eine visuelle Meisterleitung, die das Sahnehäubchen auf einem auch sonst durchweg gelungenen Album bildet. Schon mit „Beauty behind the Madness“ konnte mich The Weeknd im vergangenen Jahr komplett überzeugen. Er schien seine Bestimmung als Pop-Star erkannt zu haben und legte das düstere Post-R’n’B Gewand weitestgehend ab. Auf dem mittlerweile dritten Soloalbum präsentiert sich der Kanadier so gut wie nie vorher, bleibt seinem „Der Wolf im Schafspelz“-Image weitestgehend treu, taucht gemeinsam mit Daft Punk allerdings in den Elektro-Pop der 80er ein und zeigt damit, wohin die Reise in Zukunft gehen kann. Wir haben vielleicht einen neuen Anwärter auf den Pop-Thron.

 

 

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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