Autorencharts 2016: Yannick H.

Es ist kaum zu glauben, aber das Jahr 2016 ist schon vorbei. Es ist also an der Zeit, einen Blick zurückzuwerfen und aus der BACKSPIN-Sicht Revue passieren zu lassen. Da jedes Mitglied der BACKSPIN-Gang das Jahr für sich selbst erlebt hat, wird es neben einem gesamten Jahresrückblick auch von jedem Autor eine persönliche-Top 10 geben. Grenzen bei der Auswahl gabt es keine, sowohl Songs, Videos und Alben, als auch Konzerte, Events, Interviews und andere Hip-Hop-Momente konnten ausgewählt werden. Wenn es dann endgültig auf den Jahresabschluss zugeht, schließen wir 2016 mit unseren 50 besten Alben ab. Viel Spaß euch beim Lesen!

Auch wenn ich in diesem Jahr mit Ausnahme des Spektrums nur Festivals besucht habe, bei denen Rock- und Nu Metal-Bands à la Rammstein, Limp Bizkit oder die Red Hot Chili Peppers im Fokus standen, habe ich natürlich auch mit mindestens einem Auge die Neuerscheinungen im Hip-Hop verfolgt. Und ich muss sagen: Was für ein krasses Jahr, in dem national und international auf höchstem Niveau abgeliefert wurde. Straßenrap, Conscious Rap, genreübergreifende Songs und Alben – an Masse, aber auch an Klasse hat es in 2016 definitiv nicht gefehlt. Umso schwerer ist es mir gefallen, aus all diesen Veröffentlichungen meine persönliche Top 10 zu erstellen. Hier aber sind sie, meine 10 Highlights im Hip-Hop-Jahr 2016:

10.
De La Soul – „and the Anonymous Nobody…“
(Album)

Das erste Album De La Souls nach 12 Jahren, das Soul- und Funk-Elemente, Gesang und Rap, geschickt miteinander kombiniert. Für mich haben Posdnuos, Trugoy the Dove und Pasemaster Mase eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie noch längst nicht zum alten Eisen gehören und auch über 25 Jahre nach ihrem Debüt „3 Feet High and Rising“ immer noch ein gehöriges Wort in der Hip-Hop-Szene mitzureden haben. De La Soul erfreuen sich weiterhin über eine breite Schar an Supporten, die, wenn es sein muss, auch gewillt sind, ihre Heroen finanziell zu unterstützen. So geschehen im Falle einer Crowdfunding-Kampagne, in der über eine halbe Million Dollar zusammengetragen wurden, um das Projekt „and the Anonymous Nobody…“ zu realisieren. Gut angelegtes Geld, denn das Trio gibt sich nicht nur wie gewohnt sozialkritisch, sondern zeigt sich auch von einer angenehm selbstironischen Seite. Und ist offen für Kollaborationspartner aus anderen Genres. Das eher ruhigere Stück „Here in After“ wird durch Blur-Mastermind und Mit-Initiator der Gorillaz, Damon Albarn, bereichert, während die schwedische Synthpopband Little Dragon auf „Drawn“ entscheidend für die soulige Grundstimmung ist. Und nicht zu vergessen das sehr kraftvolle, intensiv vorgetragene „Lord Intended“ mit Singer/Songwriter Justin Hawkins, bei dem mit Hip-Hop und Rock zwei Welten aufeinandertreffen, die eine perfekte Symbiose ergeben.

 

9.
Maeckes – „Tilt“
(Album)

Neben Tua ist Maeckes für mich das begabteste Mitglied der Orsons, das über die Grenzen von Hip-Hop denkt, experimentell agiert und so einen eigenen, wohlklingenden Sound kreiert. „Tilt“ lebt von der lyrischen Finesse des Stuttgarters, dessen Texte wie gewohnt oftmals erst auf der zweiten oder dritten Ebene funktionieren, dann aber umso mehr Freude bereiten. Für mich stellt „Tilt“ das bisher beste Release von Maeckes dar. Und auch das mit der meisten Musikalität, was nicht zuletzt aus der Zusammenarbeit mit Tristan Busch resultiert. „Gettin‘ Jiggy With It“ ist bis heute ein Ohrwurm für mich, der aber nicht anfängt, zu langweilen. Aber auch Tracks wie „Marie-Byrd-Land“, „Wie alle Kippenstummel zwischen den Bahngleisen zusammen“ oder „Inneres / Aeusseres“, der Sicht- und Denkweise sowie den speziellen Humor des Menschen Markus Winter gut darlegt, kann ich rauf- und runterhören.

 

8.
The Weeknd feat. Daft Punk – „Starboy“
(Song)

Ich hätte auch das ganze Album des Kanadiers nennen können, jedoch sticht der Titeltrack für mich heraus. Soundtechnisch stimmt für mich eh alles, aber auch lyrisch kann ich „Starboy“ viel abgewinnen. The Weeknd setzt sich mit dem Thema Extravaganz in Verbindung mit dem Lebensstil von Personen in der Öffentlichkeit auseinander und hinterfragt Exzesse kritisch. Ein Hit also, dem eine Message innewohnt – und der das seit rund 20 Jahren erfolgreiche Electronic-Duo Daft Punk featuret, die sich schon in Zusammenarbeit mit Pharrell Williams („Get Lucky“) in R&B-Sphären bewiesen haben.

 

7.
Fler – „Vibe“
(Album)

Hätte mir Anfang des Jahres jemand prophezeit, dass ich mal ein Album von Flizzy in meine Jahrescharts aufnehmen würde, hätte ich wahrscheinlich nur ungläubig geguckt. Doch an „Vibe“ führt für mich 2016 kein Weg vorbei. Das vielleicht stärkste Album in der langen Diskografie von Fler, bei dem ich nahezu jeden Track ohne Skippen hören kann. Nicht nur wegen „Lifestyle der Armen und Gefährlichen“ und „Bewaffnet & Ready“ empfehlenswert, sondern auch der Beatauswahl, des Flows, der oftmals ignoranten Art des Berliners oder den auf den Punkt gebrachten Aussagen wegen. „Vibe“ liefert zu viele Lines, die bei mir hängengeblieben sind. „Ich hab‘ meine Eigenarten, rappe in meiner eigenen Sparte / Spreche meine eigene Sprache, merkst du nicht, ich vibe gerade?“, mit der das nunmehr 13. Soloalbum des ehemaligen Aggro Berlin-Künstlers beginnt, ist da nur eine. Junge, spürst du nicht seinen Vibe?!

 

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Yannick H. ist seit Oktober 2015 bei BACKSPIN. Wenn er nicht gerade in seinem knallgelben Ostfriesennerz durch die Stadt schlendert, hält er Ausschau nach dem Besten vom Besten in Sachen Hip-Hop.

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