Exklusives Kapitel aus „The Autobiography of Gucci Mane“

VI

LAFLARE

»Er trinkt nicht, raucht nicht – der Mann flucht nicht mal!«

Zaytoven war neu in Georgia; er war in der Bay Area drüben an der Westküste aufgewachsen. Nach dem Ausscheiden seines Vaters aus der Army war seine Familie in den Süden gezogen. Zay war erst noch in San Francisco geblieben, um dort die Highschool fertig zu machen, aber als er sich das nicht mehr leisten konnte, war er schließlich zu seiner Familie gezogen.

In Georgia hatte er eine Lehre als Friseur angefangen; dabei hatte er auch meinen Kumpel kennengelernt. Zay war ein guter Friseur, aber als Musiker hatte er noch mehr drauf. Bei seinem Ohr für Musik hatte er als Kind schon Klavier und in der Kirche Orgel gespielt. Und diese Skills hatten ihn zu einem verdammt guten Produzenten gemacht.

Heute ist Zays Sound gleichbedeutend mit der Musik, die aus Atlanta kommt, damals noch nicht. Seine Beats waren hochgradig beeinflusst von seinen Wurzeln in der Bay Area. Er hatte sich als junger Kerl mit dem Output von Produzenten wie DJ Quik befasst und noch an der Highschool Beats für Typen wie E-40 und Messy Marv gemacht.

Er war das älteste von vier Kindern, und ich spürte irgendwie, dass er der verhätschelte Favorit der Familie war. Seine Eltern hatten ihm den Keller ihres neuen Zuhauses zu einem Aufnahmestudio ausgebaut, damit er seinem Handwerk nachgehen konnte. Ich hatte keine Ahnung, was ein gutes Studio ausmacht oder ein schlechtes, aber ich sah, dass es eine Stange Geld gekostet haben musste; in meinen Augen war es professionell.

Zay und ich hätten verschiedener nicht sein können. Ich meine, der Typ geht sonntags in die Kirche. Er trinkt nicht, raucht nicht – der Mann flucht nicht mal! Er hatte nie das Geringste am Hut mit dem Scheiß, den ich auf der Straße laufen hatte. Er kommt aus einer gottesfürchtigen Soldatenfamilie und seine Leute halten ihn auf dem rechten Weg.

Trotz unserer Unterschiede auf dem Papier verstanden wir uns vom Fleck weg. Ich fand seine Beats krass und kaufte ihm schließlich für einen Tausender einen Schlag davon ab. Mit den Beats in der Hand konnte ich mit Lil’ Buddy an die Arbeit gehen. Aber zuvor musste ich mich noch beim DeKalb County Jail melden, um meine neunzig Tage abzusitzen.

Ich kann verstehen, dass Knast für Außenstehende interessant aussieht. Für die meisten ist das eine Welt, mit der sie selbst nie in Berührung kommen. Aber die Wahrheit ist, dass Knast die meiste Zeit über stinklangweilig ist. Meist tut man schlicht nichts. Und wenn es mal nicht langweilig ist, dann liegt das daran, dass was Schlimmes abgeht. Etwas, worüber zu reden sich nicht wirklich lohnt.

Da es mein erster Verstoß war, machte man mich zum Kalfakter, was wiederum bedeutete, dass ich von den neunzig Tagen nur siebenundsechzig abzusitzen brauchte. Ich arbeitete in der Cafeteria, wo ich mächtig die Klappe aufriss. Ich erzählte meinen Mitgefangenen, ich hätte mein eigenes Label, und gab die große Nummer im Rap-Game. Vorzuweisen hatte ich natürlich in Wirklichkeit nichts.

Die siebenundsechzig Tage waren im Nu vorbei. Als ich wieder nach Hause kam, war es Zeit, meinen Sprüchen Taten folgen zu lassen. Aber ich musste erst mal wieder von vorne anfangen. Meine Pläne mit dem Jungen waren nicht aufgegangen. Ich war zwar nur zwei Monate weg gewesen, aber für einen Teenager war das lange genug, um sich ablenken zu lassen. Als ich rauskam, hatte er keinen Bock mehr, Rapper zu werden, und was anderes im Sinn.

Ich war also wieder am Anfang und hatte obendrein noch tausend Dollar für Zays Beats hingelegt.

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