Exklusives Kapitel aus „The Autobiography of Gucci Mane“

VI

LAFLARE

»Ich stand auf den Scheiß, den sie zu erzählen hatten.«

Ich hatte schon lange eine Leidenschaft für Musik, seit der Zeit, in der Duke und ich bei meinem Opa in Bessemer vor Dukes Boombox saßen. Sogar nach unserem Umzug nach Georgia war es Duke, der uns alle auf den neuesten Scheiß aus den Neunzigern brachte, von 2Pac über Kilo Ali zu Spice 1 und Poison Clan. Er hatte den Finger am Puls der Zeit. Wenn es um Rap ging, war er immer vorn dran. Und ich sog das alles auf wie ein Schwamm. Meine ganze Kindheit über war ich meinen Altersgenossen immer einen Schritt voraus gewesen. So wie meine Mutter mir das Lesen vor allen anderen beigebracht hatte. Wann immer ein neuer Künstler oder Song groß rauskam und die ganze Schule darüber redete, war das für mich Schnee von gestern; mein Bruder hatte mich längst drauf gebracht.

So sehr ich auf Rap stand, die Vorstellung, selbst Rapper zu werden, schien mir eher lahm. Die Rapper, die ich kannte – Klassenkameraden, die bei den Talentshows an der Highschool auftraten, waren alle pleite. Kam überhaupt nicht in die Tüte, dass ich der Nigga mit Rucksack, CD-Player und Kopfhörern wurde, der im MARTA-Bus den Leuten seine Mucke aufs Ohr zu drücken versucht. Da konnte man ja gleich betteln gehen. War mir scheißegal, ob das nötig war, um im Musikbusiness ein Bein auf den Boden zu kriegen. Damit hatte ich nichts am Hut.

Was mir vorschwebte, war, der Mann mit der Knete hinter einem Rapper zu sein. Die ganze Highschool über war ich total auf Master P abgefahren. P war damals schon ein glänzender Unternehmer in Sachen Rap. Sein Label No Limit brachte jeden zweiten Tag ein Album raus, und ich kaufte es, nur weil der Name P dafür bürgte. Ich hätte nie ein Album von Fiend gekauft oder Mac oder Mia X, aber ich hörte mir alle No-Limit-Alben an, um zu hören, was P darauf zu sagen hatte.

Sogar schon vor Master P hatte mich immer eher der CEO interessiert, der Chef, die Person, die das Sagen hatte. Als kleiner Junge in Alabama war mir Eazy-E lieber gewesen als Ice Cube. Ich fand Tony Draper cooler als 8Ball oder MJG. Ich wäre lieber J. Prince gewesen als Scarface. Später, als Cash Money groß rauszukommen begann, wusste ich vom Fleck weg, wer meine Favoriten waren: Baby und Mannie Fresh. Echt geschafft haben mich die Big Tymers. Ich stand auf den Scheiß, den sie zu erzählen hatten.

Ich hatte einen Freund, dessen jüngerer Bruder sich in den Kopf gesetzt hatte, Rapper zu werden. Er war vierzehn und nannte sich Lil Buddy. Ich sah das Potenzial in dem Kleinen und dachte, er könnte eine Art Kris Kross oder Lil’ Bow Wow werden. Und ich könnte der Mann mit der Knete hinter ihm sein, der Mann, der die Strippen zog. Einen Versuch, so fand ich, war’s wert.

Derselbe Freund erzählte mir von einem Produzenten, von dem ich Beats kaufen könnte, um meine Idee an den Start zu bekommen. So fuhr er mich irgendwann 2001 rüber nach Decatur im DeKalb County und stellte mich dem damals dreiundzwanzigjährigen Beatmaker Zaytoven vor.

The following two tabs change content below.
Triff mich U1 Endhaltestelle und ich erzähl dir was von Hip-Hop.

Seiten: 1 2 3 4 5 6

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.