Exklusives Kapitel aus „The Autobiography of Gucci Mane“

Der Trap God gibt uns mit „The Autobiography of Gucci Mane“ einen tiefen Einblick in sein Leben. Neben Geschichten über die Drogendealerei, Sucht- und Knasterfahrungen, Einflüsse und Erfolge, erzählt Radric Davis, so sein bürgerlicher Name, bildhaft Geschichten und Anekdoten aus den Auf- und Abstiegen seines noch relativ jungen Lebens. “As wild, unpredictable, and fascinating as the man himself.“, schwärmt das US-Amerikanische Magazin Complex und trifft es damit wohl auf den Punkt. Geschrieben wurde das Buch mithilfe vom Autor Neil Martinez Belkin. Die BACKSPIN gibt Exklusiv einen ersten Vorgeschmack zu der am 26. September erscheinenden Biografie. 

VI

LAFLARE

»Mom, die haben mich eingesperrt.«

Im Frühjahr 1998 machte ich meinen Abschluss an der McNair High School mit einem Zweierschnitt und einem HOPE-Stipendium fürs Georgia Perimeter College. Aber weil ich damals auf der Straße schon gutes Geld verdiente, dachte ich gar nicht dran, gleich wieder die Schulbank zu drücken. Also ließ ich es bleiben und genehmigte mir eine Auszeit.

Nachdem ich die ersten beiden Semester hatte sausen lassen, stellte Mom mich vor die Wahl: Geh zur Schule, such dir einen Job oder zieh aus. Wo ich mich an der Schule schon immer leichtgetan hatte, schien mir das College die einfachste Möglichkeit, mir Mom von der Pelle zu halten.

Am Georgia Perimeter war ich ein Außenseiter. Ich ließ mich dort überhaupt nur sehen, um anzugeben. Ich fuhr damals einen Achtzylinder-Chevy, einen Klassiker aus den 80er-Jahren, mit Alufelgen und überbreiten Schlappen. Mit dem lief ich auf dem Parkplatz ein und baggerte Studentinnen an. Ich sah dort meine alten Klassenkameraden von der McNair wieder, die auf College machten und ihr Leben auf die Reihe zu kriegen versuchten. Und dann kam ich daher: nette Karre, Klunker am Hals, Dopeman-Nikes. Voll der Poser. Auffallen um jeden Preis. Ich stand einfach über allem.

Damit hatte es sich auch so ziemlich, was meine akademische Laufbahn angeht. Ich habe keine Storys von Verbindungs- oder Parkplatzpartys oder was immer Studenten so treiben. Ich hatte ein paar Programmierkurse belegt, aber ich kann an beiden Händen abzählen, wie oft ich dort war. Bei der Immatrikulation hatte ich dem College so um die 1800 Dollar für Schulbücher aus dem Kreuz geleiert und sie in Stoff investiert. Damit ist wohl alles über mein Interesse am College gesagt.

Offiziell ging meine Schulzeit zu Ende, als man mich an der Texaco hochnahm. Im April 2001 war das; ich war im zweiten Semester. Allem Anschein nach hatte mich seit Tagen ein Zivilfahnder auf dem Kieker gehabt. Er hatte im Gebüsch meinen Bunker gefunden, so um die neunzig Plömbchen Crack. Ich war gerade in der Tankstelle, als er auf mich zukam und mir seine Marke unter die Nase hielt.

»Zeigen Sie mal Ihren Ausweis.«

Da ich wusste, dass ich damit Zeit schinden konnte, gab ich ihm meinen Führerschein. Kaum hatte er den Blick von mir genommen, um ihn sich näher anzusehen, zischte ich los.

Ich rannte durch den Hinterhof eines Hauses an der Custer Avenue in den Wald und landete so im Glen Emerald Park. Ich düste an den Tennisplätzen vorbei und sprang dann vom oberen Basketballplatz auf den unteren. Bei der Landung gaben meine Knie nach, die ohnehin schon ganz weich waren; ich kam mir vor wie ein Boxer nach einem Pfund aufs Kinn. Mein Hirn reagierte, mein Körper nicht. Mit den Bullen am Hacken, brach ich auf dem Platz zusammen.

»Ich geb auf! Ich geb auf!«, schrie ich.

Nicht dass meine Kapitulation mir geholfen hätte. Die Bullen mischten mich kräftig auf. Ich war noch nicht wieder zu Atem gekommen, da stießen sie mich auch schon in einen Streifenwagen. Dort kotzte ich ihnen erst mal den Rücksitz voll.

Mein Gesicht war ganz verquollen von ihren Schlägen, also brachten sie mich statt auf die Wache, wo sie ein Foto von mir hätten machen müssen, ins Grady Hospital. Danach ging es dann ab ins DeKalb County Jail, wo man mich erkennungsdienstlich behandelte. Außerdem hatte ich einen Anruf gut. Ich rief meine Mom an.

»Mom, die haben mich eingesperrt.«

»Wofür?

»Sie sagen ›Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz‹«, log ich und gab mir alle Mühe, den Dummen zu spielen.

»Ich hab doch bloß auf den Bus gewartet. Ich sollte mich wo vorstellen – wegen ’nem Job.«

Aber die Zeiten, in denen sich meine Mutter von mir einseifen ließ, waren vorbei. Und was Drogen anbelangt, verstand Vicky Davis schon gar keinen Spaß. Nachdem die Kaution bezahlt war, nahm sie mir den Hausschlüssel weg und sagte, sie wolle mich daheim nicht mehr sehen.

The following two tabs change content below.
Triff mich U1 Endhaltestelle und ich erzähl dir was von Hip-Hop.

Seiten: 1 2 3 4 5 6

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.