Aus Porno wird Pi: 10 Jahre „!DonnerwetteR!“

DonnerwetterSeit knapp vier Jahren zählt Prinz Pi zu den bekanntesten Aushängeschildern der Deutschen Hip-Hop Szene im Mainstream, mit Alben wie „Rebell ohne Grund“, „Kompass ohne Norden“ oder zuletzt „Im Westen nix Neues“ konnte sich der Berliner eine starke Fanbase quer durch die Genres aufbauen, eine 1Live-Krone einheimsen und gleich zwei Alben in Folge auf Platz eins der Charts hieven. Doch auch für ihn gab es eine lange Zeit vor dem großen Erfolg. Denn zuvor prägte er bereits ein Jahrzehnt lang den Berliner Untergrund mit – unter dem Namen Prinz Porno oder gemeinsam mit Kid Kobra und Big A.D.I als Beatfabrik.

Heute vor zehn Jahren begann dann eine grundlegende Veränderung in der musikalischen Biographie von Friedrich Kautz, die Umbenennung von Prinz Porno in Prinz Pi – Hand in Hand gehend mit dem Release des Mammut-Albums „!DonnerwetteR!“. Ein Grund für die Namensänderung war wohl die Assoziation mit sexistischen Texten.“Was ja auch nicht so weit hergeholt ist bei dem Namen. Deshalb habe ich mich in Prinz Pi umbenannt. Pi ist auch ein griechischer Buchstabe, zugleich die Kreiszahl, eine sehr mysteriöse Zahl mit unendlich vielen Nachkommastellen. So wie ich unendlich viele Alben machen werde“, äußert sich Kautz später gegenüber dem SZ Magazin zur Namensänderung Mit insgesamt drei CDs und sage und schreibe 59 weitestgehend von Biztram produzierten Songs auf knapp zwei Stunden Laufzeit inklusive gerapptem Hörbuch, wird die Ära Prinz Pi eingeläutet – und legt den Grundstein für eine Schwerpunktverlagerung der Inhalte: Weniger Hood-Storys à la „Würfel“, Anleihen bei Verschwörungstheorien oder einfach Rap über Rap, mehr von seinem (Innen-)Leben, gepresst auf Platte.

„Ich habe keinen Traum, mein Traum liegt jede Nacht neben mir und wenn meine Hand in deinem Bauch neues Leben spürt, dann bin ich am Ziel, bin am Ende der Linie: Meine Frau und mein Kind, eine kleine Familie.“ (Prinz Pi – „Ich gehe“)

Was auf „!Donnerwetter!“ noch eher rudimentär vonstatten ging, fand in den letzten Jahren eine konsequente Weiterentwicklung. Während das erste Pi-Projekt weiterhin recht klassisch Hip-Hop-lastig mit einigen Anleihen bei Electro ausfiel, findet man auf den neueren Platten zunehmend organischere Produktionen und mehr eingängige Melodien, die Texte der vergangen beiden vergangenen Alben könnte man als seine musikalische Autobiographie bezeichnen. Deutlich erkennbar wird diese Verlagerung in den Anspielstationen „Meine Roots“ oder „Ich gehe“, die sowohl inhaltlich als auch musikalisch eindeutig zu den heutigen Platten überleiten, gleichzeitig findet sich mit „Bonnys Ranch 3“ aber auch eine Anleihe an vergangene Beatfabrik-Zeiten wieder. Und mit Taktlo$$ als einziges deutsches Rap-Feature (mit Ausnahme vom Produzent Biztram, der auch zum Mikrofon griff) gibt es immer noch einen klaren, musikalischen Bezug zum Berliner Untergrund. Bis heute ist die erste Pi-Platte, schenkt man Discogs Glauben, neben dem Mainstream-Durchbruch „Rebell ohne Grund“ das beliebteste Album des Berliners.

 

Eine weitere, vielleicht sogar die größte Besonderheit des musikalischen „Donnerwetters“, findet sich allerdings nicht auf dem eigentlichen Album, sondern auf CD Nummer zwei. Unter dem Titel „Der Herr der Dinge“ zeigte Prinz Pi eindrucksvoll, wie viel Talent als Storyteller er doch besitzt. Das Konzept eines gerappten Hörbuchs, das an der Seite von Kollegah im Jahr 2015 auf dem Prinz Porno-Revival „pp=mc2“ im Ansatz erneut aufgegriffen wurde, findet auf insgesamt 45 Minuten statt, beinhaltet zahlreiche Anspielungen auf die deutsche Rapszene anno 2006 und kommt nicht auf typischen Beats, sondern auf zum Thema passenden Instrumentals im Filmmusikstil daher. Auch die Wortwahl des Rapmärchens fällt dem Thema angepasst eher mittelalterlich aus. Erzählt wird von der Reise eines „edlen Recken„, „miesen Spelunken“  oder „Edelmänern“. Eine zu diesem Zeitpunkt vollkommen neuartige Idee, die, ebenso wie das Album, mit verspieltem Detailreichtum umgesetzt wird und bis heute in dieser Form von keinem anderen Künstler aufgegriffen wurde. Mit „!DonnerwetteR!“ ist ein besonders für die folgenden Jahre der Karriere Prinz Pis wichtiges Album entstanden, ein, wenn man so will, Starschuss einer mittlerweile großen Karriere des Multitalents, das mit seinem „Herr der Ringe“-Ableger in Hörbuchform sogar ein Novum in der Szene schaffen konnte. Zweifelsohne konnte das Prinz Pi-Debüt mehr als würdig altern und dürfte auch heute noch sehr regelmäßig bei alten wie auch jüngeren Fans rotieren. Also: Happy Birthday!

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Tracklist:

1. Donnerwetter
2. Instinkt
3. Kette
Donnerwetter Cover4. Der Plan (Skit)
5. Bonnys Ranch 3
6. Pssst (Skit)
7. Die Bomben Schlafen
8. Von & Zu feat. Taktlo$$
9. Meine Roots
10. Peng! Peng! Peng!
11. Berlin, Grosse Liebe
12. So Viele Fragen
13. Singt Die Lieder feat. Biztram & Bobidze
14. Herr Claasen
15. Keine Idole
16. Wie Die Zeit Vergeht feat. Biztram
17. Schreib- maschine
18. Meene Stadt feat. Frank Zander & Biztram
19. Zünd Die Welt An
20. Schwarz Ist Das Neue Schwarz
21. Der Rand
22. Ich Gehe

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