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Was du über den Prozess gegen ASAP Rocky und dessen Ausgang wissen musst

A$AP Rocky

US-Rapstar ASAP Rocky saß vom 03. Juli  bis Anfang August in Schweden in Untersuchungshaft. Seitdem kam es immer wieder zu absurden Schlagzeilen, der Einmischung von amerikanischen Celebritys sowie einem mittelgroßen Wutausbruch gegenüber dem schwedischen Premierminister von Donald Trump auf Twitter. Am 02. August ging die Gerichtsverhandlung zu Ende. Am 14. August wurde er für schuldig befunden. Aber was ist eigentlich passiert? Wir versuchen etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

DER AUSGANG

ASAP Rocky und seine zwei Crewmitglieder sind etwa anderthalb Monate nach den Vorfällen in der Schwedischen Hauptstadt Stockholm für schuldig befunden worden. Sie hatte auf ihrer Unschuld beharrt, das sie nach eigener Aussage nur aus Notwehr gehandelt hatten. Die Richter hatten jedoch unter den Umständen keine Rechtfertigung für Notwehr erkannt. Die drei Amerikaner erhalten eine Strafe auf Bewährung. Sie müssen jedoch nicht nach Schweden ins Gefängnis zurückkehren, auch wegen der längeren Untersuchungshaft im Juli. Zusätzlich müssen sie dem Opfer Schadensersatz zahlen. Diese Zahlungen belaufen sich auch umgerechnet etwa 1160 Euro. Zusätzlich müssen die Angeklagten sich unter Rücksichtnahme auf ihre jeweilige finanzielle Leistungsfähigkeit an den Verfahrenskosten beteiligen.

Das Gericht stellte fest, dass die Angeklagten nach der Beweislage kein Recht hatten, in Notwehr zu handeln. Genauso konnte jedoch auch die Verwendung eine Flasche als Waffe gegen das Opfer nicht bewiesen werden. Der Schadensersatz bleibt hinter den Forderungen des Opfers zurück.

DIE VORWÜRFE

ASAP Rocky und zwei anderen Mitgliedern seiner Crew wird vorgeworfen einen jungen Mann zusammengeschlagen zu haben. Der Vorfall ereignete sich am 30. Juni in Stockholm vor einem Fast Food-Restaurant. Die Tat ist auf mehreren Videos dokumentiert, die Rocky teilweise selbst auf seinem Instagram-Kanal hochlud, um seine Unschuld zu beweisen. Der genaue Tathergang lässt sich durch die Lücken in der Videodokumentation aber nicht wirklich erkennen.

DIE VIDEOS

Was in den Videos zu erkennen ist, ist dass Rocky und die zwei weiteren Angeklagten aus seiner Crew den jungen Mann zu Boden werfen, ihn treten und auf ihn einschlagen. Nicht eindeutig ist allerdings wie es dazu kommt. Der junge Mann war Rocky und seiner Entourage gemeinsam mit einem zweiten Mann über mehrere Minuten gefolgt.

In den Videos, die Rocky, der mit bürgerlichem Namen Rakim Mayers heißt, auf Instagram veröffentlichte sieht man die Crew des Rappers noch relativ entspannt reagieren und die beiden Männer zwar genervt aber friedlich auffordern, sie in Ruhe zu lassen.

In einem der Videos kommt es schon zu einer Auseinandersetzung von Rockys Bodyguard mit einem der Männer, als dieser dem Bodyguard mit seinen Köpfhörern gegen den Kopf schlägt, was allerdings nicht direkt zur Eskalation führt. Auch eine Anklage durch den Bodyguard wurde nach kurzer Zeit wieder fallengelassen. Ebenfalls in den Videos zu hören ist wie eine junge Frau zu Rocky sagt, dass die Männer sie und ihre Freundin angefasst hätten. Es wird nicht deutlich, was der Auslöser der Schlägerei am Ende ist, nach welcher Rocky mit seiner Crew den Schauplatz verlässt. Dem Gericht liegen angeblich weitere Videoaufnahmen vor, die noch nicht veröffentlicht wurden.

 

DIE UNTERSUCHUNGSHAFT

Vier Tage nach dem Vorfall, am 03. Juli, spielt ASAP Rocky einen Gig beim Smash x Stadion-Festival, was der eigentliche Grund war, weshalb er sich in Schweden aufhielt. Noch am gleichen Abend nach dem Gig wurden er und die zwei weiteren Beteiligten aus seiner Crew von der Polizei festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Die Untersuchungshaft wurde nach zwei Wochen um eine weitere Woche verlängert, in der entschieden werden sollte, ob es zu Anklage gegen ihn und seine Crewkollegen kommt. Es wurde abgelehnt, Rocky bis zu dieser Entscheidung auf freiem Fuß zu lassen, weil nach Ansicht der schwedischen Justiz Fluchtgefahr bestand. Ein System, welches das Freikommen nach der Zahlung einer Kaution ermöglicht, existiert in Schweden nicht.

Zeitweise ging die Meldung durch die Medien, wonach die Verhältnisse im schwedischen Gefängnis, in welchem Rocky festgehalten wurde, unmenschlich und nicht zumutbar seien. Im Zuge der Untersuchungshaft war Rocky unter anderem auch dazu gezwungen seine Auftritte beim Splash Festival und Melt Festival abzusagen.

DER KLÄGER

Der Kläger ist ein 19-Jähriger namens Mustafa Jafari, der bereits eine längere Listen an Vorstrafen besitzt. Neben kleineren Diebstählen und Drogenbesitz zählt auch Körperverletzung dazu. Der zweite der beiden jungen Männer, die in den Videos auftauchen, ist ebenfalls vorbestraft und wird im weiteren Verlauf der Verhandlungen nicht auftauchen, weil er selbst ein laufendes Verfahren gegen sich hat.

#FREEROCKY

Schon nach kurzer Zeit wurden gerade in Amerika die Rufe danach laut, Rocky freizulassen. Unter den Hashtags #freerocky und #justiceforrocky vereinten sich hunderttausende Menschen über Social Media. Unter ihnen auch einige Prominente wie Justin Bieber, Post Malone, G-Eazy und Kim Kardashian. Die Petition #JusticeForRocky hat mittlerweile über 640.000 Unterstützer. Darüber hinaus haben unter anderem die Rapper Tyler, the Creator, ScHoolboy Q und T.I. angekündigt, mindestens bis Rocky wieder frei ist, keine Konzerte mehr in Schweden spielen zu wollen.

DONALD TRUMP

Der Vorfall wurde politisch als sich am 19. Juli US-Präsident Donald Trump über Twitter einschaltete. Er habe mit Kanye West über Rockys Lage gesprochen und wolle Löfven, den Premierminister Schwedens anrufen, um die Situation zu klären. Trump versprach, persönlich für Rocky zu bürgen und dass der Rapper nicht fliehen würde. Von Seite des schwedischen Premiers hieß es jedoch, dass es er Einmischungen in die gesetzlichen Vorgänge in Schweden dulden würde.

 

Am 26. Juni schrieb Trump auf Twitter, dass er von der Untätigkeit des schwedischen Premiers enttäuscht sei. Er warf Löfven vor, die afroamerikanische Community in den USA im Stich zu lassen. Außerdem teilte er noch zusätzlich aus: Die USA würden so viel für Schweden tun und keine Gegenleistung bekommen und Schweden solle sich um sein eigenes Kriminalitätsproblem kümmern. Er ergänzte seine Tweets mit dem Hashtag #FreeRocky.

 

DIE VERHANDLUNG: ERSTER PROZESSTAG

Am 25. Juli, nach etwa drei Wochen in Haft, wurde offiziell Anklage wegen Körperverletzung gegen Rocky und die zwei Leute aus seiner Crew gestellt. Die Verhandlungen begannen am 30. Juli und sind für drei Tage angesetzt. Ein Urteil wird frühestens am Freitagnachmittag, also am 02. August erwartet. Für den Prozess ist unter anderem Rockys Mutter angereist. Außerdem hat die US-Regierung mit Robert O’Brien einen Botschafter nach Schweden geschickt. O’Brien ist Experte für Geiselnahmen.

In der Anklage tauchte nun auch „eine Waffe in Form einer ganzen/Teilen einer Flasche“ auf. Jafari hatte mit Schnittwunden an Armen, Beinen und dem Kopf sowie einer gebrochenen Rippe ärztliche Hilfe benötigt. Die Anwälte von Rocky und den zwei ebenfalls Angeklagten wiesen diesen Vorwurf jedoch zurück und behaupteten sie könnten beweisen, dass keine Flasche als Waffe verwendet wurde. Allgemein plädiert die Verteidigung auf Unschuld und beruft sich darauf, dass Rocky und seine Crew in Notwehr und auf Provokation des Klägers hin gehandelt hätten. Gleichzeitig gab sie zu, dass Rocky den Kläger zu Boden gestoßen, auf seinen Arm getreten und ihm gegen die Schulter geschlagen habe.

Zusätzlich wurde jedoch nach Sichtung von Überwachungsvideos bekannt, dass der Bodyguard von ASAP Rocky, noch vor der Eskalation der Situation, den jungen Mann an der Kehle gepackt und hochgehoben hatte, als dieser nicht von der Gruppen ablassen wollte. 

Der 19-jährige Kläger fordert 139 700 Schwedische Kronen Schadensersatz. Umgerechnet entspricht das ungefähr 13.100€. Sollte Rocky verurteilt werden, könnte er bis zu zwei Jahre im Gefängnis sitzen, müsste aber mindestens eine Geldstrafe zahlen. Wird er jedoch freigesprochen, könnte er eine der höchsten Schadensersatzforderungen für seine Zeit in Untersuchungshaft stellen, die es jemals im schwedischen Justizsystem gegeben hat. Rocky hat jedoch zu Protokoll gegeben, dass er keine Abfindung, sondern nur Gerechtigkeit und seinen Namen reingewaschen haben wolle.

DIE VERHANDLUNG: ZWEITER PROZESSTAG

Am zweiten Prozesstag ging es wieder ausgiebig um die Frage, ob eine Flasche als Waffe gegen Jafari eingesetzt worden ist. Rocky gab zu, dass es eine Flasche gegeben habe, die er allerdings selbst nur kurzzeitig aufgehoben und anschließend schnell wieder aus der Hand gelegt habe.

Rocky betonte wiederholt, dass er den Eindruck gehabt habe, dass Jafari, als er sie belästigte, nicht nüchtern oder sogar auf Drogen gewesen sei. Er habe sich deshalb gefürchtet.

Jafari beteuerte mehrfach, nichts von ASAP Rockys Status als Prominentem gewusst zu haben. Er sei nur auf die Gruppe um Rocky zugegangen, weil er einen Freund gesucht habe.

Weiter ging es um die Frage, weshalb das Video, welches Rocky auf Instagram nach dem Vorfall hochgeladen hatte, eine Bearbeitung erfahren habe. Waren Szenen, welche die Schuld der Gruppe um den Rapper bewiesen hätten herausgeschnitten worden? Rocky behauptete, dass hauptsächlich die Nutzung des N-Worts Grund für das Editing gewesen sei und, nach Veröffentlichung der übrigen Videos durch TMZ, als Konter ihre Sichtweise auf die Geschichte gezeigt werden sollte.

Besondere Aufregung gab es schließlich, als Nachrichten als Beweise aufgenommen wurden, die von dem Telefon von Rockys Assistenten verschickt wurden. Darin heißt es: „Harlem [ein Spitzname von ASAP Rocky wegen seiner Kindheit in Harlem, Anm. d. Red.] came out and smashed a bottle on a person“. Dies widerspricht sowohl der Aussage Rockys als auch den Videoaufnahmen, auf denen relativ eindeutig zu erkennen gewesen sein soll, dass Rocky und seine Crew keine Flaschen als Waffen genutzt haben. Der Rapper meinte er wüsste nichts von diesen Nachrichten. Sie werden sicherlich am nächsten Tag des Prozesses wieder aufgegriffen werden

DIE VERHANDLUNG: DRITTER PROZESSTAG

Am heutigen Freitag, den 02. August, wurde die Verhandlung geschlossen und der 14. August als Datum für den Urteilsspruch festgelegt. ASAP Rocky und seine zwei ebenfalls angeklagten Crewmitglieder wurden bis zur Verkündung des Urteils auf freien Fuß gesetzt. Einen Kommentar dazu konnte Donald Trump sich nicht verkneifen:


 

Im Unterschied zu den zwei vorangegangenen Prozesstagen trug ASAP Rocky einen Anzug und nicht seine Sträflingskleidung.

Im Zentrum des letzten Tages standen weitere Zeugenbefragung. Zwei Zeuginnen bestätigten dabei Rockys Aussage, nach welcher er Jafari mehrmals aufgefordert hätte sie in Ruhe zu lassen. Außerdem gaben sie zu Protokoll, dass sie zwar eines von Rockys Crewmitglieder mit einer Flasche gesehen hätten, jedoch nicht gesehen hätten, ob auch damit zugeschlagen wurde. Auch Rockys Bodyguard wurde als Zeuge befragt, bestätigte jedoch nur Rockys Version der Geschichte und beschrieb ihn als gutmütigen Mann.

Es folgen noch die abschließenden Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft fordert eine sechsmonatige Gefängnisstrafe für die drei Angeklagten.

 

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