A$AP Rocky „At.Long.Last.A$AP” (Review)

AtLongLastASAPCover_505Es ist unbestreitbar, dass A$AP Rocky mittlerweile zu den ganz Großen im Rap-Geschäft gehört. Grundlage war ein einziges Mixtape, welches ein ganzes Movement mit sich zog. Nun steht sein zweites Studioalbum in den Läden, eine Woche vor dem offiziellen Release und nur wenige Monate nach dem tragischen Tod von Freund und Wegbegleiter A$AP Yams.

Dass A$AP mittlerweile bekannt ist wie ein bunter Hund, zeigt einmal mehr die hochrangige Feature- und Produzenten-Liste. Zwar gibt es diesmal kein Allstar-Medley a la “1Train”, aber dennoch kommen gerade mal vier Tracks ohne einen Gast-Part aus. Glücklicherweise sind die Features weise gewählt und fügen sich nahtlos in das vielseitige Gesamtkonzept hinein. Vor allem das Gesangstalent Joe Fox sorgt für wahre Höhepunkte auf dem Album. Ironischerweise handelt es sich hierbei um einen völlig unbekannten Straßen-Sänger aus England. Aber gerade “Holy Ghost” oder “Max B” erhalten durch dessen Gesang eine Gänsehaut-Atmosphäre, die seinesgleichen sucht.

Inspiriert sei das Album unter anderem von Michéle Lamy, der Ehefrau von Modedesigner Rick Owens, und natürlich den Drogen. Das beweist wohl am Besten “L$D” welches mit seinem lässigen Sprechgesang und seinem verträumten Beat für eine Leichtigkeit sorgt, auf die selbst ein Vollblut-Hippie stolz wäre. Überraschungs-Feature Kanye West bringt mit seinem Beat zu “Jukebox Joints” gar den unbekümmerten Soul in die eigenen vier Wände. Auch “Everyday” klingt eher nach The Roots als nach A$AP Rocky, was dem guten Gefühl beim Hören aber kein Abbruch tut. Fast bekommt man das Gefühl, A$AP wäre auf der Suche nach einem neuen Ich, wären da nicht die vielen elektronisch-angehauchten Tracks, die sich mit der typischen A$AP-Thematik Sex, Drogen und Geld beschäftigen. Nicht dass “M’$” ,“Electric Body” oder “Lord Pretty Flacko Joyde 2” schlechte Tracks wären, sie wirken nur ein wenig wie der kleine Bruder eines reifer werdenden Egos, das James Dean als Idol erkoren hat (“JD”). Im Grunde ist es aber wohl auch nur der Drahtseilakt zwischen Erfolg, Reichtum und dem soziokulturellen Hintergrund von A$AP, in gewisser Weise treffend zusammengefasst auf dem Brett “Excuse Me”: “I guess the new me is just goin’ take some gettin’ used to”.

“At Long Last A$AP” wirkt phasenweise zwar etwas orientierungslos, schafft es aber fast durchgehend, den Hörer zufrieden an die Lautsprecher zu pressen. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass dem Album eine gewisse Kohärenz fehlt, quasi eine innere Zerrissenheit zwischen musikalischer und persönlicher Neuausrichtung. Vielleicht ist dies aber auch einfach zuviel der Interpretation und man sollte einfach ein Album genießen, dass zwar nicht ganz der große Wurf geworden ist, aber beweist, dass A$AP sich nicht so schnell aus der oberen Rap-Liga verabschieden wird.

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Daniel hat seine Ausbildung im Büro der Schädlingsbekämpfung gemacht und anschließend Informationswissenschaft studiert. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Rap4Fame ist er bei der Backspin gelandet und hilft seit 2011 als freier Mitarbeiter aus.

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